Opernnetz

Kulturmagazin mit Charakter

Der offizielle Teil der Eröffnungsfeier fällt erfrischend kurz aus. - Foto © Opernnetz

Internationale Tanzmesse NRW 2016

Internationaler Wirtschaftsfaktor

Vom 31. August bis zum 3. September findet die Internationale Tanzmesse NRW zum elften Mal in Düsseldorf, Krefeld und Leverkusen statt. Sie dient nicht nur der „Sichtbarmachung“ des internationalen, zeitgenössischen Tanzes, sondern auch dazu, den zeitgenössischen Tanz als Wirtschaftsfaktor zu stärken.
Oberbürgermeister Thomas Geisel heißt die Gäste mit einer launigen Rede in Düsseldorf willkommen. - Foto © Opernnetz

Das Tanzhaus NRW an der Erkrather Straße in Düsseldorf steht seit seiner Gründung für die Vernetzung der internationalen Tanzszene und bietet damit den passenden Ausgangspunkt für die Eröffnung der Internationalen Tanzmesse. Hunderte von Menschen, die in irgendeiner Form mit dem zeitgenössischen Tanz verknüpft sind, versammeln sich bei bestem Sommerwetter auf dem Hof zwischen der Musical-Spielstätte Capitol und dem Tanzhaus NRW. Ein vielsprachiges Summen erfüllt den Hof: Englisch, Französisch, Spanisch, asiatische und viele andere Sprachfetzen vermischen sich zu buntem Parlando in friedlichem Miteinander.

„Nordrhein-Westfalen ist sehr gerne Gastgeberland für die globale Tanzwelt. Jedes Mal können wir mehr Kompanien, mehr Aussteller und mehr Besucher begrüßen. Allein in diesem Jahr sind zehn Länder erstmals vertreten. Das zeugt von der großen Strahlkraft der Tanzmesse“, sagt Bernd Neuendorf, Kultur-Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen. Rund 1.800 Gäste aus 56 Ländern werden in diesem Jahr erwartet. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es 500. Die Eröffnungsveranstaltung im Capitol ist bis auf den letzten Platz in den Gängen besetzt. Da treten die Offiziellen gern ans Mikrofon, um Grußworte zu übermitteln. Als Schirmherrin des erstmalig ausgerufenen Tanzjahrs Deutschland – eine Imagekampagne, um mehr Sichtbarkeit für den zeitgenössischen Tanz in Deutschland zu erzeugen – begrüßt auch Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, die Gäste. Thomas Geisel, Oberbürgermeister in Düsseldorf, zeigt ebenfalls mit einer launigen Rede Flagge. Seine Behauptung, es gebe keine Animositäten zwischen den beiden Metropolen in der Rheinischen Bucht, sorgt selbst bei den ausländischen Gästen für viel Gelächter und Applaus. Aber Geisel gibt damit auch das Klima der bevorstehenden Tage vor. Nicht um Wettbewerb oder Unterschiede geht es in der Landeshauptstadt, sondern um Begegnung, Austausch und Netzwerken.

Begegnungen auf Augenhöhe

Felix Wittek, Künstlerischer Leiter der Tanzmesse, betont noch einmal, dass diese Begegnungen auf Augenhöhe stattfinden. Und so sind die Veranstalter stolz darauf, für alle Teilnehmer die gleichen Bedingungen zu bieten. Hier soll niemand hofiert oder bevorzugt werden. Das macht sich auch in den angenehm kurzen Grußreden gleich bemerkbar. Nach nur 20 Minuten ist der Parcours absolviert, und die Teilnehmer strömen zurück auf den Hof. Wer nicht die abendlichen Aufführungen im Tanzhaus besucht, wird von Shuttle Bussen zu den anderen Spielstätten abgeholt. Das funktioniert erstaunlich reibungslos. Und schöner noch: Auch der Rücktransport klappt. Und so kann in einer herrlichen Sommernacht die Eröffnungsparty unter freiem Himmel vor dem Tanzhaus weitergehen, bevor für alle in den kommenden Tagen ein anspruchsvolles Programm bevorsteht.

An über 120 Messeständen aus mehr als 50 Ländern präsentieren dann nahezu 800 Kompanien, Institutionen, Tanzkünstler und Dienstleister in den Messehallen am Ehrenhof ihre Aktivitäten. Parallel dazu stellen sich 90 Kompanien in Aufführungen im Tanzhaus NRW, dem Stahlwerk Düsseldorf, dem Forum Freies Theater mit beiden Spielstätten, in der Fabrik Heeder in Krefeld und im Forum Leverkusen vor. Dank dieses Konzeptes verbindet die Tanzmesse die künstlerischen und wirtschaftlichen Aspekte ihrer Branche – und das nicht im abgeschotteten Raum, sondern unter unmittelbarer Beteiligung der Bürger in der Stadt respektive in der Region.

Neben dem permanenten Wachstum der Tanzmesse in den 22 Jahren ihres Bestehens ist in diesem Umfeld eine Entwicklung zu verzeichnen, die nicht nur für den Tanz hoffen lässt. Heute wird die überwiegende Zahl der Messestände von großen Organisationen betrieben, die direkt oder indirekt durch das jeweils nationale Kultusministerium finanziert werden. So sollen nicht nur einzelne Kompagnien hervortreten, sondern die gesamte Tanzlandschaft einer Region oder eines Landes vorgestellt werden. Das darf man wohl als Zeichen dafür werten, dass Kultur als Exportartikel zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Vergleich zu dem, was sonst so alles exportiert wird, ist das wohl ein begrüßenswerter Trend.

Michael S. Zerban