Opernnetz

Kulturmagazin mit Charakter

Maritim-Hotel am Timmendorfer Strand - Foto © Manfred Otto

Hintergründe

Bremen geht an Bord

Alle Jahre wieder: Zum 16. Mal findet vom 6. bis 12. Dezember die Maritim-Musikwoche am Timmendorfer Strand kurz vor Weihnachten statt. Als Höhepunkt eines umfangreichen Vortragsprogramms steht am Ende das Finale des Gesangswettbewerbs, den erstmals alle fünf norddeutschen Musikhochschulen unter sich austragen.
Rainer Wulff organisiert nicht nur den Maritim-Musikpreis, sondern sitzt auch der Jury vor. - Foto © privat

Jochen Stop hatte es im vergangenen Jahr versprochen: Der Wettbewerb geht weiter. Und meinte es durchaus im doppelten Wortsinn. Der Direktor hat für sein Maritim-Hotel am Timmendorfer Strand weitere Angebote ausgearbeitet, etwa, dass die Gäste ein Paket buchen können, dass sich auf das Finale des Gesangswettbewerbs konzentriert – „die Zeit wird schnelllebiger, dem müssen auch wir uns anpassen“, sagt er – und er lässt die Maritim-Musikwoche auch in diesem Jahr stattfinden.

Wettbewerb im Vordergrund

Neben zahlreichen Vorträgen und Veranstaltungen in der 50. Kalenderwoche, ein Programm, dass Emeritus Hermann Rauhe, Ehrenpräsident der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, auch mit 85 Jahren noch begeistert mitgestaltet, steht der Gesangswettbewerb der norddeutschen Musikhochschulen wieder im Vordergrund. Rainer Wulff, Reporterlegende beim Norddeutschen Rundfunk und inzwischen im Unruhestand angekommen, beschäftigt sich seit Monaten damit. Denn die Vorrunden finden, wie in den Vorjahren auch, in den Hochschulen statt. In einer sehr angenehmen Atmosphäre, berichtet Wulff. „Auf meinen Vorschlag hin haben wir überall auf eine anonyme Abstimmung verzichtet, sondern uns im Gespräch auf jeweils drei Halbfinalisten geeinigt. Das klappte ganz vorzüglich“, erzählt der Organisator und Jury-Vorsitzende.

Internationale Sänger sind regional aufgestellt

Und es passt vorzüglich zur familiären Atmosphäre dieses norddeutschen Wettbewerbs, dass nun auch die Hochschule für Künste Bremen in den Kreis der Bewerber eingetreten ist und ihn damit geschlossen hat. Daraus abzuleiten, die für das Halbfinale qualifizierten Sängerinnen und Sänger seien nun überwiegend deutschstämmige Teilnehmer, ist ein Trugschluss. An den Musikhochschulen ist Alltag, was längst für die ganze Welt gelten sollte: Musiker aus aller Welt treffen zusammen, um an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Und so wird auch am Timmendorfer Strand eine internationale Gemeinschaft aufeinander treffen. Südkorea, China, Ungarn, Russland, Ukraine, Spanien, Kolumbien heißen die Herkunftsländer der Teilnehmer. Zwei deutsche Sopranistinnen und eine deutsche Pianistin treten ebenfalls zum Halbfinale an.

Die Jury, die die Halb- und Finalteilnehmer beurteilt, besteht wie in jedem Jahr in einer gesunden Mischung aus Sängern, Intendanten und Journalisten. Von den 55 Sängern der Vorrunden, haben sich 15 für das Halbfinale qualifiziert. Eine weitere Besonderheit dieses Wettbewerbs: Auch die Klavierbegleiter gehen in die Beurteilung. Hier wird der Gewinner oder die Gewinnerin aber bereits zum Halbfinale ermittelt, falls der Sänger es nicht ins Finale schafft.

Opernnetz nimmt in diesem Jahr zum zweiten Mal, zum ersten Mal ab dem Halbfinale teil. Anstatt eines Berichts wie im Vorjahr wird es eine „Live“-Berichterstattung geben. Kurze Berichte, Interviews und Filmausschnitte sollen authentisch wiedergeben, was sich in Halbfinale und Finale am Timmendorfer Strand ereignet. Das Magazin will damit fortsetzen, was es bereits mit der Berichterstattung in Helsinki und aus Gütersloh begonnen hat. Es wird ein Experiment. Im Gegensatz zum Wettbewerb: Der ist längst erprobt und wird wohl auch in diesem Jahr wieder eine gesunde Mischung aus Genuss und Spannung.

Michael S. Zerban