Opernnetz

Kulturmagazin mit Charakter

Buch

Kenntnisreiche Schnellinformation

Rechtzeitig vor der Bayreuther Parsifal-Neuinszenierung bringen die Verlage Henschel und Bärenreiter als Gemeinschaftsproduktion einen Band in der Buchreihe Opernführer kompakt zu Richard Wagners Parsifal heraus. Das Muster ist aus den bereits über 16 vorliegenden Bänden bekannt wie bewährt.

Der Einstieg erfolgt über biographische Stationen des Komponisten, die untrennbar mit der Entwicklung der Oper verbunden sind. Daran schließen sich eine Handlungsskizze, eine auf die musik-dramaturgische Form ausgerichtete Werkbetrachtung mit zahlreichen Notenbeispielen, Erläuterungen inhaltlicher Besonderheiten, die die Rezeption bestimmten, Querverbindungen zu anderen Künsten, ein Vergleich der Einspielungen quer durch die Jahrhunderte vor allem unter Berücksichtigung der gewählten Tempi, Hinweise auf zitierte und empfehlenswerte weiterführende Literatur und ganz aktuell im letzten Buchkapitel knappe Statements der derzeitigen Akteure am Grünen Hügel, Uwe Eric Laufenberg, Evelyn Herlitzius und Christian Thielemann, zu Parsifal- und Wagner-Interpretationen im Allgemeinen. Mittig im Buch zwischen allen Kapiteln lenkt ein Block von 25 Hochglanz-Bildern auf denkwürdige wie spektakuläre Bühnenweihe-Festspielinszenierungen von Wagner bis heute. In jedem Kapitel ist der Fließtext von kleinen Zusatzkästen durchbrochen, um in Skizzen und Worten Details zu erklären und zu vertiefen.

Alleine diese Aufzählung lässt unschwer erahnen, dass der Germanistikprofessor Volker Mertens mit seinen Forschungsschwerpunkten auf Hartmanns von Aue, die Artusdichtung, den mittelhochdeutschen Minnesang und Richard Wagner den Spagat versucht, auf knappen 136 Seiten gebündelte Informationen zu geben und dabei nichts unberücksichtigt zu lassen. Dabei drängt sich der Vergleich mit einer früheren rororo-Opernbuchreihe von Attila Csampai und Dietmar Holland auf, die zur umfangreichen Betrachtung auch das Libretto mit aufnahmen und ein Essay verfassten, das sich an ein Fachpublikum richtete. Mertens folgt einer anderen Zielsetzung. Er möchte unabhängig vom Kenntnisstand des Einzelnen jeden erreichen, der sich mit dieser Oper beschäftigt. Entsprechend vermeidet er Fachtermini und formuliert im Erzählton, was zu manchem Bruch im Text führt, da er Wissen ohne erkennbare Dramaturgie aneinanderfügt. Zusätzliche Absätze würden die Struktur erheblich verbessern, aber auch die Zahl der Seiten erhöhen.

POINTS OF HONOR
Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/Leistung
Verarbeitung
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Vergleicht man dieses Buch mit dem Trend, Wissen über sogenannte „Dummies“ zu generieren, so ist die Empfehlung dieser kurzen wie vielfältigen Parsifal-Betrachtung als fundierte Schnellinformation absolut empfehlenswert. Kennern bietet sie zwar nicht wirklich Neues, Musikwissenschaftler werden sich trotz der zahlreichen Notenbeispiele an der wohl aus Platzgründen nicht genügend differenzierten Werkbetrachtung unter dem Aspekt des wirklich Neuen und Wegweisenden in Wagners Parsifal stören. Doch Opernneulingen und Liebhabern eröffnen diese fundierten Informationen ein intensives Opernerlebnis. Handlich im Format kann man es zudem zu jedem Opernereignis mitnehmen, um zwischen den Akten Details nachzublättern, die in vielen kleinen Kapiteln, Steckbriefen und Erläuterungen stehen.

Christiane Franke