Kulturmagazin mit Charakter
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Greta Hodgkinson als exotischer Feuervogel, Aleksandar Antonijevic als Prince Ivan und Rebekah Rimsay als Princess Vasilisa sind ausgesprochen schöne Tänzer, die quasi durch die Motive des russischen Volksmärchens fliegen, das dem Ballettklassiker The Firebird von Igor Stravinsky zugrunde liegt. Mit ihm gelingt Stravinsky 1910 in Paris der Durchbruch als Komponist.
James Kudelka, der fast ein Jahrzehnt das National Ballet of Canada geleitet hat, schafft eine Choreographie von großer Musikalität und Leichtigkeit. Für die Studioaufzeichnung kann er auf ausgezeichnetes und erfahrenes Personal zurückgreifen. Neben Hodgkinson brillieren Rimsay als Princess Vasilisa und Antonijevic als Prince Ivan. In immer neuen Variationen erwecken sie stimmungsvoll ihr Liebesbegehren und die dämonischen Widerkräfte zum Leben. Ob in ihren Soloauftritten oder als Paar, in einer modernen Interpretation bekannter Figuren des klassischen Balletts überzeugen diese Solisten als hervorragende Tänzer. In ihnen wird der Ballettkenner ausgezeichnete, bestens harmonierende Akteure erkennen, deren Ausdrucksstärke von raumgreifenden, ja, fliegenden Sprüngen bis zum kaum sichtbaren, flirrenden Zittern der Hand geht. Als ihr Widerpart tanzt Rex Harrington in ausgefallen schwarzem Trikot den dämonischen Zauberer Kastchei, den Prinz Ivan mit Hilfe des Zaubervogels doch besiegen kann – herrlich wilde Tanzszenen.
Neben den Solisten taucht eine Tänzergruppe im Kostüm und Gestus der Waldkreaturen und in anderer Besetzung als Prinzessinnen auf. Das Kirov-Orchester aus Petersburg lässt Stravinsky unter Valery Gergiev als leichte Musik erklingen und liefert eher den musikalischen Hintergrund für die wunderschönen Choreographien.
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Die Inszenierung von Barbara Willis Sweete kommt mit einfachen Bühneneffekten aus. Sie stattet den Tanzraum mit einigen verdorrten blattlosen Ästen aus und setzt farbige Lichteffekte. Warum Sweete ziemlich unpassende, ja störende Videotricks einblendet und dem Feuervogel mehrfach einen roten Feuerschweif verpasst, um ihn oder eine der rot-goldenen Äpfel zum Fliegen zu bringen, bleibt unerfindlich. Greta Hodgkinson verfügt zweifellos über die tänzerischen Mittel, um die fliegende Leichtigkeit des Feuervogels darzustellen – ein überflüssiger Schnickschnack.
Wer von den Videoeinblendungen absehen kann, erlebt eine gelungene, moderne Aufführung des Klassikers Der Feuervogel, die nichts von ihrem Zauber, ihrer Musikalität und Ausdrucksstärke verloren hat und die anzusehen einfach Freude macht.
Horst Dichanz