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Wiederauferstehung der Hugenotten

Es ist ein Jahr der Wieder­ent­de­ckungen für die Hugenotten: nach Kiel werden in den nächsten Wochen auch Würzburg und Berlin Neuin­sze­nie­rungen der Oper präsen­tieren. In Kiel wurde das Werk seit über 90 Jahren – teilweise bedingt durch das Auffüh­rungs­verbot durch die Natio­nal­so­zia­listen im so genannten Dritten Reich – nicht mehr gegeben, nun aber gleich zum Spiel­zeit­auftakt dieser Saison.

DER BARIBER VON SEVILLA
(Gioac­chino Rossini)

Besuch am
14. Oktober 2016
(Premiere)

 

Südthü­rin­gi­sches Staatstheater
Meiningen

Auch für größere Häuser als Kiel stellt die Reali­sation dieses Werkes eine Heraus­for­derung dar. Die Anfor­de­rungen an die Stimmen sind exorbitant, das vielschichtige Szenario der Handlung erfordert eine straffe Umsetzung, die immer auch umsichtige Kürzungen und Striche der Riesen­par­titur bedingt. Die Gesamt­auf­füh­rungs­dauer überschritte ansonsten die fünf Stunden.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das Leitungsteam um Lukas Hemleb mit Joanna O’Keefe als verant­wort­licher Choreo­grafin, Gianni Carluccio für Bühne und Licht sowie Falk Bauer für die Kostüme setzt auf eine die übergroße Geste der Grand opéra meidende, nur mit sparsamen Requi­siten ausge­stattete und umso mehr mit eindring­lichen Licht­ef­fekten im Hinter­grund arbei­tende Raumge­staltung. Dieser offene Raum dient als Labor-Plattform, um die Eigen­arten und Qualität der nicht mehr allseits bekannten Musik Meyer­beers jenseits aller überdi­men­sio­nierten, falsch verstan­denen Gestik der Grand opéra zu hinter­fragen. Die Sparsamkeit im Dekor fordert auch neben den schon anspruchs­vollen Gesangs­partien die Darstel­lungs­fä­hig­keiten der Solisten und des Chores besonders heraus.

Die Solisten sind im Allge­meinen sinnvoll geführt, doch viele Szenen, auch mit dem personell stark durch den Extrachor erwei­terten Chor des Theaters Kiel, erstarren wiederholt an der Rampe. Nicht alle Solisten entkommen gelegentlich stereo­typer Posen und Gesten.

LUCERNE FESTIVAL SOMMER. Sinfoniekonzert 10 vom 23. August 2016. Das Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Barbara Hannigan Sopran und Dirigentin. Bild: Peter Fischli / LUCERNE FESTIVAL
Barbara Hannigan – Foto © Peter Fischli

Die Handlung wird klar und deutlich erzählt, aller­dings bleibt Valen­tines Verhei­ratung mit Nevers am Ende des dritten Aktes unver­ständ­li­cher­weise wie ein Still­leben einge­froren. Keiner zeigt eine Regung und verharrt im Still­stand, obwohl die aufge­peitschte Gefühlswelt und die macht­po­li­tische Konfron­tation genau an dieser Stelle am stärksten kolli­dieren und Auslöser des sich abzeich­nenden Unter­gangs und der Bartho­lomäus-Nacht sind.

Anton Rositskiy verausgabt sich stimmlich und darstel­le­risch rückhaltlos und vermag die Person des Raoul de Nangis glaubhaft zu verkörpern. Angesichts der ungeheuren stimm­lichen Anfor­de­rungen eine bewun­derns­würdige Leistung. Das teilweise statua­rische Spiel mit vielen klassi­schen Opern­gesten kann in einer anderen Perso­nen­führung sicherlich optimiert werden. Timo Riihonen gibt seinen Diener Marcel, der in Kurwenal-ähnlicher Treue stets zur Seite ist und darstel­le­risch wie stimmlich durchweg überzeugt.

Großen Erfolg feiert Daniela Bruera als Marguerite de Valois, die die Heraus­for­de­rungen der Rolle beein­dru­ckend erfüllt und die stimm­liche Linien­führung der Gesangs­partie so heraus­ragend meistert, als ob sie schon immer in der Zeit Meyer­beers und seiner Gesangs­kultur zuhause wäre.

Valentine de Saint-Bris wird von Agnieszka Hauzer verkörpert. Die zerbrech­liche Aura ihrer Person im tragi­schen Mittel­punkt der tödlichen Ausein­an­der­setzung wird von ihr mit jugend­licher Poesie und zarten stimm­lichen Klang­farben geformt. Sie verkörpert das Opfer der religiös-politi­schen Ausein­an­der­setzung stimmlich in überzeu­gender und bewegender Form. Auch Hauzer wird den spezi­ellen stimm­lichen Anfor­de­rungen in einem Maße gerecht, als gehöre die Meyer­be­ersche Opern­äs­thetik zu ihrem täglichen Brot – eine eindrucks­volle Leistung.

Tomohiro Takeda bleibt der Partie des Grafen von Nevers nichts schuldig. Mit schnei­diger Geste und sonorer Stimm­kraft überzeugt er in der Rolle des zugleich zweifelnden Katho­liken, der sich dem feigen Morden seiner Glaubens­brüder entziehen will und dadurch selbst zu Tode kommt.  Auch die Erkenntnis, dass er mit Valentine eine Frau vom Vater zugesprochen bekommt, die einen anderen tief und innig liebt, weiß Takada sensibel zur Darstellung zu bringen.

Das Ensemble des Theaters Kiel ist auch in allen anderen Rollen mehr als angemessen besetzt. Eine Leistung, die angesichts der Vielfalt der Charaktere nicht leicht zu erfüllen ist. Stell­ver­tretend dafür seien hier Jörg Sabrowski als Graf von Saint-Bris, der Vater Valen­tines, Michael Müller als De Tavannes, Fred Hoffmann als De Cosse, Joao Trleira als De Thore, Mathias Tönges las De Retz und Matteo Maraia Ferretti als De Meru genannt. Aufhorchen lässt Karola Sophia Schmid mit einem quick­le­ben­digen, schön geführten und durch­set­zungs­starken Sopran.

Chor und Extrachor des Theaters Kiel mit seinen großen Aufgaben stehen unter der souve­ränen Leitung von Lam Tranh Dinh. Das Philhar­mo­nische Orchester Kiel mit Daniel Carlberg am Pult weiß die ganze Brand­breite der epischen musika­li­schen Entwicklung von feinster Begleitung verletz­licher Stimmen bis zum aufbrau­senden Orches­ter­tutti in den sich steigernden und aufwüh­lenden Chorszenen beim Gemetzel der Bartho­lomäus-Nacht grandios auszu­füllen. Hervor­zu­heben sind auch viele solis­tische, wunderbar gespielte Instru­men­tal­be­glei­tungen zu Gesangs­partien an verschie­denen Stellen der Handlung aus dem Orchester. Es hätte gar nicht geschadet, einzelne Solisten namentlich auch im Programmheft zu benennen.

Das Kieler Publikum folgt der Handlung mit hoher Konzen­tration und weiß die anspruchs­vollen Leistungen der Sänger­dar­steller zu erkennen und zu würdigen. Viele Bravos für alle Sänger, insbe­sondere die Haupt­dar­steller. Auch das Regieteam wird ohne Wider­spruch gefeiert.

Das Werk steht in nicht weniger als zwölf weiteren Reprisen bis April auf dem Spielplan des Hauses. Die Kieler und der inter­es­sierte Opern­rei­sende sollten sich die Produktion nicht entgehen lassen – sie wird sich auch im Vergleich zu den weiteren angekün­digten Insze­nie­rungen gut schlagen.

Und wer weiß, wann es später wieder in Kiel gezeigt werden wird – vielleicht müssen wieder 90 Jahre auf eine Folge­pro­duktion warten …

Achim Dombrowski

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