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So rätselhaft machen es nicht alle

Dem jungen Schau­spiel­re­gisseur Robert Borgmann, der selbst auch die Bühne verant­wortet, gelingt zusammen mit Carsten Rüger, der die feinab­ge­stuften Licht­ef­fekte kreierte, Lianne van de Laar, die die Video­ele­mente verant­wortet und den Kostümen von Michael Sonntag, eine in Teilen traum­schöne visuelle Umsetzung dieser neuen Berliner Così. Der Abend wird mithin getragen von feinsin­nigsten Licht‑, Video‑, Kostüm- und Bühnenbildelementen.

Das schöne und berückende Erschei­nungsbild der Szenerie geht aller­dings nicht einher mit einer tradi­tio­nellen inhalt­lichen Bebil­derung Neapels oder eines anders­ar­tigen natura­lis­ti­schen Umfelds. Vielmehr wird die ohnehin ohne Abstraktion kaum zu goutie­rende Handlung durch ein hohes Abstrak­ti­ons­niveau bei der bildlichen Umsetzung begleitet.

POINTS OF HONOR
Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Während im ersten Akt nachgerade Elemente eines Still­lebens von edlen Stoffen und welkender Natur über die sich in unter­schied­licher Geschwin­digkeit bewegende Drehbühne verstreut sind, vollzieht sich mit dem zweiten Akt ein erheb­licher Bruch: Hier kreisen zunächst Versatz­stücke der alten Rokokowelt wie Cembalo oder Leuchter zusammen mit Emblemen einer Indus­trie­kultur, beispiels­weise in Gestalt einer Ölför­der­pumpe auf der Drehbühne. Die Welt eines verspielten Barocks ist einer Kultur des berech­nenden, auf Gewinn bedachten Handelns gewichen.

Foto © Bernd Uhlig

Zum Schluss, bei der Aufde­ckung der an die einge­schli­chenen Liebhaber verhei­ra­teten Frauen, ist die Bühne leerge­räumt und das Personal der Oper, einschließlich des Chores sowie der zeitweise sicht­baren Bühnen­ar­beiter, treten in Alltags­kleidung der Jetztzeit auf. Alle singen brav die besänf­ti­genden Worte des Schluss­textes, stehen dabei steif und regungslos da, scheinbar ohne rechtes Bewusstsein der Gescheh­nisse, ja, anscheinend nicht einmal in Unruhe oder Zweifel über die richtige Partnerwahl. Die Darsteller wirken nach allem Geschehen wie ein bezie­hungs­un­fä­higer, trauriger Rest der zuvor so spiel­freu­digen Truppe.

Mithin ein melan­cho­li­scher Blick auf den über die Zeit vermu­teten Verlust mensch­lichen Zutrauens und zuneh­mende Bezie­hungs­un­fä­higkeit und Verein­samung als Preis für den berechnend-trüge­ri­schen Umgang miteinander?

So könnte es sein. Ob der Regisseur und sein Team das aller­dings wirklich konzep­tionell so zum Ausdruck bringen oder ganz andere Gedanken umsetzen wollten, wird letzt­endlich nicht klar. Zu assoziativ-freischwebend und daher beliebig, nicht geerdet, sind insbe­sondere im zweiten Aufzug die Bildwelten. Zu wenig ausdrucks­stark und tradi­tionell-opernhaft agiert die sympa­thische, junge Sängertruppe.

Zusätzlich wirkt die Perso­nen­führung über weite Strecken überra­schend tradi­tionell und opern-klischeehaft trotz eines durchweg agilen jungen Sängerensembles.

Dabei bewegt sich das musika­lische Niveau der Produktion auf aller­höchstem Niveau. Glänzend Nicole Car als Fiordiligi mit einem außer­or­dent­lichen Sinn für die feine Struktur der beiden großen Arien. Ebenbürtig Stephanie Lauricella als Dorabella und die quick­le­bendige, und zeitweise in schwarzer Lackmontur agierende Despina von Alexandra Hutton.

Paolo Fanale begeistert mit wunderbar müheloser Mittellage und Höhe, John Chest als Gugliemo singt und spielt einen im zweiten Akt die Handlung kritisch beglei­tenden, verletzten Liebhaber mit Bravour und wunder­schönem Ausdruck. Don Alfonso wird in dieser Produktion als wesentlich jüngerer, nicht so distan­zierter Zyniker, wie so oft in anderen Produk­tionen des Werkes, in die Gruppe der Protago­nisten integriert. Noel Bouley bleibt der Partie in stimm­tech­ni­scher und darstel­le­ri­scher Hinsicht nichts schuldig.

Jedem einzelnen Mitglied des glanz­vollen Ensembles gelingt es zudem, in den Arien und Ensembles eine einwand­freie und nuancierte Balance zum großen Raum der Deutschen Oper zu finden, der in dieser Insze­nierung durch die teilweise offene Hinter­bühne zu starkem Hall und anderen akusti­schen Überra­schungen taugt.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Raymond Hughes rundet die hohe gesang­liche Leistung ab.

Meisterhaft die Leistung des Orchesters der Deutschen Oper Berlin. Donald Runnicles und seine Mannschaft haben es über die Jahre zu einer Meister­schaft außer­or­dent­lichen Ranges gebracht. Ihr Mozart klingt präsent, beweglich, feinsinnig und humorvoll und sorgt mit seinem federnden Rhythmus den gesamten Abend für ein spannendes und klang­schönes Mozart-Fest. Die Sänger fühlen sich wohl und wie auf Händen getragen. Besondere Erwähnung verdienen zudem Maria Pstro­konska-Mödig am Violon­cello und Elda Laro am Fortepiano.

Das Publikum ist von der Insze­nierung und den rätsel­haften Bildwelten überrascht – es kommt zu nur sehr verein­zelten Buhrufen für das Leitungsteam. Starker, langer Applaus und Bravorufe für alle Sänger, Donald Runnicles und das Orchester der Deutschen Oper Berlin.

Achim Dombrowski

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