O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Michael Pöhn

Surreale Träume

DIE TOTE STADT
(Erich Wolfgang Korngold)

Besuch am
9. Januar 2017
(Premiere am 12. Dezember 2004)

 

Wiener Staatsoper

Wenn man heute von ihm spricht, denkt man in erster Linie an ihn als Schöpfer von mit Oscars prämierten Filmmu­siken. Erich Wolfgang Korngold kompo­nierte aber auch viel klassische Musik. So im Jahre 1920 die Oper Die tote Stadt, deren Libretto sein Vater Julius nach dem Roman Bruges-la-Morte von Georges Rodenbach verfasste. Es ist die düstere Geschichte von Paul, der seiner verstor­benen Frau Marie in seinem Haus in der Stadt Brügge eine Gedenk­stätte errichtet hat und dort völlig zurück­ge­zogen um sie trauert. Durch seinen Freund Frank lernt er die Tänzerin Marietta kennen, in der er seine wieder lebende Marie zu erkennen glaubt. Er verfällt ihr und erlebt alptraum­artig sogar, sie ermordet zu haben. Realität und Traum vermi­schen sich. Schließlich löst er sich aus der Vergan­genheit und verlässt die Stadt.

Im Alter von erst 23 Jahren schuf der öster­rei­chische Musiker, der als „verfemter“ Komponist wegen des Nazi-Regimes später in die USA emigrieren musste, dieses Geniewerk. Die Partitur ist überfüllt von Stilen und pendelt zwischen aggres­siver Harmonik, spätro­man­ti­schem Schwulst und Impres­sio­nismus. Zudem hat Korngold mit Mariettas Lied und dem Tanzlied des Pierrot zwei ins Ohr gehende Schlager ersten Ranges geschaffen, deren melodiöse Schlichtheit beeindrucken.

Nach nahezu acht Jahren Pause, aber recht­zeitig zum 120. Geburtstag des Kompo­nisten ist nun die Oper als Wieder­auf­nahme an der Wiener Staatsoper zu erleben, wo sie im Dezember 2004 Premiere hatte, als Übernahme von den Salzburger Festspielen, wo sie höchst erfolg­reich im Sommer desselben Jahres gezeigt wurde.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

„Unsere Liebe war, ist und wird sein“, dieser Sinnspruch aus noch glück­lichen Tagen von Paul und Marie hat ersterer hunderte Male auf die Wand seines Zimmers gemalt. Hier leidet er vor sich hin und klammert sich an größere und kleinere Bilder seiner verstor­benen Geliebten, die überall im Raum verstreut angebracht sind. Willy Decker und sein Ausstatter Wolfgang Gussmann haben die dunkle Geschichte von Liebe und Treue, Wahn und Wirklichkeit gekonnt und packend insze­niert und zeigen eindrucks­volle Bilder.  Spannend wie ein Krimi verschwimmen Realität und Vision. Bei den Traum­se­quenzen verändert sich der Raum. Wände und Decke bewegen sich und werden schief. Teilweise finden sie mit Doubles auf der Hinter­bühne statt. Ein surreales Ballett der Häuser der Stadt Brügge faszi­niert, Mariettas Tanztruppe ist sehr fanta­sievoll gestaltet ebenso wie eine beein­dru­ckende Prozession, die vorbeizieht.

Foto © Michael Pöhn

Die Wieder­auf­nahme dieser Oper ist aller­dings von zahlreichen Umbeset­zungen durch Grippe­er­kran­kungen geprägt. In die Rolle des Paul schlüpft anstelle des erkrankten Klaus Florian Vogt kurzfristig Herbert Lippert: Darstel­le­risch sehr reduziert, sänge­risch achtbar, aber mit merkbaren Anstren­gungen, auch mit dem Text, bewältigt er zwar die mörde­risch schwere Rolle, stößt dabei immer wieder an seine Grenzen. Erstmalig ist Camilla Nylund in der Doppel­rolle von Marietta und Marie zu erleben: Sie singt die ebenfalls sehr anspruchs­volle Partie mit Bravour, aufblü­hendem Sopran und expres­sivem Spiel. Mit edlem Schön­gesang und Eleganz betört Adrian Eröd als Frank und Pierrot Fritz, insbe­sondere mit seinem Hit, dem Tanzlied Mein Wähnen, mein Sehnen. Einge­sprungen ist auch Monika Bohinec. Sie singt als Haushäl­terin Brigitta sehr gefühlvoll und intensiv. Auch die kleineren Rollen sind mit Thomas Ebenstein als Graf Albert, Joseph Dennis, der als Victorin ebenfalls einge­sprungen ist, Miriam Albano als Lucienne, Simina Ivan als Juliette und Lukas Gaudernak in der Rolle des Gaston tadellos besetzt.

Gewaltige Klänge lässt das Orchester der Wiener Staatsoper unter Mikko Franck aus dem Graben hochfahren und macht es den Sängern nicht immer leicht.  Vieles klingt recht derb und zu wenig diffe­ren­ziert. Es fehlt an Raffi­nement und an Feinheiten. Zudem ist die Balance zwischen Bühne und Graben nicht immer ideal.

Der Jubel im Publikum gilt vor allem auch den vielen, wackeren Einspringern, die ihre Rollen teils erst sehr kurzfristig einstu­dieren mussten!

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: