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Ein bisschen an Puccinis La Bohème aber weit mehr noch an Verdis La Traviata erinnert das Libretto. Aber es hat bei weitem nicht das Format dieser Vorlagen: Zwei Liebende haben sich aus Paris zurückgezogen, ihre Beziehung aber scheitert, weil sie eine bewegte Vergangenheit hat, seine Eltern sich aber ein „anständiges“ Mädchen an seiner Seite wünschen.
Operettenhafte Klischees, kolportagehafte Bedienung bei Alexandre Dumas Kameliendame und dramaturgische Schwächen auch im musikalischen Geschehen, das nicht immer mit der Handlung konformgeht, dürfte der Grund sein, warum man Giacomo Puccinis La Rondine so selten in Bühnenaufführungen begegnet. Und so blieb das Werk immer das geliebte Sorgenkind des Komponisten. Dabei verfügt die ursprünglich als Operette geplante – für das Wiener Carltheater, 1917 in Monte Carlo uraufgeführte Die Schwalbe – so der deutsche Titel – durchaus über reizvolle, raffinierte Klänge, über eine feinste, gar leicht ironisierende Instrumentierung, einen leichten Konversationsstil inklusive Walzer. All das wollte Puccini als „Reaktion auf die grauenvolle Weltkriegsmusik“ verstanden wissen.
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Nach seiner bei Publikum und Kritik erfolgreichen Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin 2015 und genau 100 Jahre nach der Uraufführung in Monte Carlo lässt Rolando Villazón in seiner vierten Regiearbeit erstmalig in Graz die Handlung in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts spielen. Beäugt von einem riesigen Tizian-Gemälde der Venus von Urbino, das im zweiten Akt durch Spiegel in Fragmente zergliedert wird und im letzten Bild als leere Silhouette von Schäfchenwölkchen à la René Magritte umgeben ist, wird der Prunk des Fin de Siècle in seiner ganzen Herrlichkeit eingefangen: Wie die weite Lobby eines Grand Hotels wirkt der erste Akt mit üppig gepolsterten Sesseln, Zierpalmen und viel Gold. Ein Garten vor einem Haus am Sandstrand direkt an der Riviera, zeigt uns das letzte Bild: Insgesamt alles etwas altmodisch, aber in einem sehr ästhetischen Ambiente. Die Bühne stammt von Johannes Leiacker, die geschmackvollen Kostüme der 20-er Jahre von Brigitte Reifenstuel. Es gibt aber auch immer wieder kleine Anspielungen, etwa an Man Rays bekannten Rückenakt, bei dem einer Dame die f‑Löcher eines Cellos auf den Rücken gemalt wurden.

Villazón hat genau in die Partitur hineingehört, mit humoristischen Anspielungen nicht gespart und auch das Halbschattige der Handlung in den Blick genommen. Er weiß auch, die teils schemenhaft angelegten Figuren konventionell und berührend zu führen, ohne ins Pathos abzugleiten. Manches hätte jedoch mehr Lebendigkeit vertragen. Erst am Ende klärt sich das Rätsel jener geheimnisvollen, gesichtslosen Herren im weißen Anzug, die omnipräsent die Lebedame Magda umschwärmen: Es sind ihre verflossenen Liebhaber. Denn jetzt zum Finale bekommt auch der von ihr verlassene Ruggero eine solche Maske verpasst.
Sophia Brommer singt die Titelheldin Magda betörend schön, mit klarer Höhe und großer Innigkeit. Tatjana Miyus ist eine entzückende Lisette, die in allen Lagen pure Lebensfreude verströmt. Mickael Spadaccini ist ein zu robuster, zu wenig feinsinniger und eindimensionaler Ruggero mit vielen angeschliffenen Tönen. Auch vermag er nicht, den schmachtenden Liebbaber glaubhaft darzustellen. Pavel Petrov singt den Dichter Prunier mit feinem, kleinem Tenor. Wilfried Zelinka gibt den von Magda abservierten Rambaldo mit Würde. Die vielen kleineren Rollen sind durchaus adäquat besetzt. Auch der Chor des Hauses, der einmal mehr von Bernhard Schneider einstudiert wurde, singt tadellos.
Elegant, farbig, schwerelos, unendlich raffiniert, süffig mit Grandezza und gediegener Leuchtkraft musizieren die Grazer Philharmoniker unter dem Stilisten Marco Comin. Und er zeigt, wie leicht sich darüber die Stimmen ohne jede Anstrengung abheben können.
Die Schwalbe hat tatsächlich abgehoben. Das Publikum ist sehr angetan, es spendet reichen Applaus und durchaus immer wieder Jubel, speziell für die beiden Sängerinnen und den Dirigenten. Ganz besonders stark wird der Zuspruch, als Rolando Villazón, der sich sichtlich darüber freut, zum Schluss die Bühne betritt.
Helmut Christian Mayer