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MADAMA BUTTERFLY
(Giacomo Puccini)
Besuch am
31. Januar 2017
(Premiere am 26. Januar 2017)
Ein einsamer knorriger Baum steht im Hintergrund. An diesem hat Cio-Cio-San viele Holzfiguren ihrer Ahnen aufgehängt. Auf diesem Baum findet sie zum Finale auch Pinkerton, nachdem ihm ihr kleiner, gemeinsamer Sohn, den er mit dem Schiff nach Amerika mitnehmen wollte, davongelaufen ist. Die unglückliche Geisha hat sich dort an einem Ast erhängt. Aus tiefer Verzweiflung hat sie das getan und nicht wie sonst wie Libretto vorgesehen mit dem Dolch, mit dem sich auch ihr Vater selbst gerichtet hat.
| Musik | ![]() |
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Abgesehen von kleineren, interpretatorischen Abweichungen und anfänglicher Statik schafft es Vinko Möderndorfer in Giacomo Puccinis Madama Butterfly am Opernhaus in Ljubljana, die zu Herzen gehende Story der tieftraurigen Cio-Cio-San einfach und ohne Firlefanz zu erzählen, wie auch mit recht guten und symbolhaften Ideen so zu gestalten, dass sie letztlich sehr berührt. Der Regisseur konzentriert sich bei seiner Inszenierung in erster Linie auf eine detaillierte Personenführung der Protagonisten und vermag so wunderbar, deren Gefühle offenzulegen. Ausgeräumt, völlig minimalistisch, aber mit feinen Lichtstimmungen und trotzdem stimmungsvoll ist die leere Bühne von Branko Hojnik, nur fallweise einzig mit dem knorrigen Baum im Hintergrund. Wie immer wunderbar ästhetisch sind die traditionellen, prachtvollen Roben von Alan Hranitelj, die mit einer Vielzahl von selbstangefertigten, kunstvollen Blumen dekoriert sind. Von diesem genialen Kostümbildner konnte man schon bisher mehrfach großartige Kostüme in anderen Produktionen in slowenischen Opernhäusern wie Ljubljana und Maribor bewundern. Aufgepeppt werden die geschmackvollen Arrangements durch mehrere, passende und recht vitale Einlagen des hauseigenen Balletts.

„Addio, addio“: Schluchzend und mit Tränen erstickter Stimme nimmt die unglückliche Cio-Cio-San Abschied von ihrem Kind. Gleich darauf wählt sie den Freitod und stranguliert sich an einem Baum: Das Publikum tief zu berühren weiß Lucia Premerl aber nicht nur in dieser Schlussszene. Sie vermag in Giacomo Puccinis Madama Butterfly mit großer Bühnenpräsenz und einer weiten Gefühlspalette Innigkeit, Naivität, Freude wie auch Verzweiflung hinreißend auszudrücken und damit intensive Emotionen hervorzurufen. Auch ihre große Arie Un bel di vedremo – „Eines Tages sehen wir …“ – im zweiten Akt wird zum Ereignis. Schauspielerisch kann da Renzo Zulian als mit den Gefühlen leichtfertig spielender US-Marine-Offizier F. B. Pinkerton nicht mithalten, wiewohl er ihn mit strahlendem, durchsetzungskräftigem Tenor zu singen vermag. Marko Kobal ist ein wohlklingender, etwas blass spielender Konsul Sharpless. Irene Parlov überzeichnet darstellerisch die Suzuki ziemlich, singt sie aber mit einnehmend schönem Timbre. Gut erlebt man auch die vielen kleineren Partien, bei denen besonders Matej Vovk als schmieriger und gerissener Goro wie auch Darko Vidic als schön timbrierter Prinz Yamadori und Ana Dezman als Kate Pinkerton hervorstechen. Weniger gut erlebt man diesmal den Chor des Hauses, der von Zeljka Ulcnik Remic einstudiert wurde. Insbesondere der berühmte „Summchor“ wurde intonationsmäßig unsauber gesungen.
Trotz des allzu routinierten Dirigats von Loris Voltolini vermag sich das Orchester der Laibacher Nationaloper immer mehr zu steigern und schließlich große Leidenschaften und Gefühle zu verströmen, ohne dabei Gefahr zu laufen, ins allzu Süßliche abzugleiten. Die Musiker spielen den schillernden Strom der herrlichen Melodien Puccinis süffig und beeindrucken mit feinem Klangbild.
Das teilweise zu Tränen gerührte Publikum zeigt sich sehr begeistert. Es applaudiert und jubelt heftig.
Helmut Christian Mayer