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DON CARLO
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
1. Februar 2017
(Premiere am 10. Juni 2016)
Guy Joosten ist ein vielbeschäftigter Theater- und Opernregisseur, der sich bereits intensiv mit den dramatischen Werken Giuseppe Verdis auseinandergesetzt hat. In einem Interview streicht er die musikalische Kraft Verdis heraus, Beziehungen zu zeichnen und den Handelnden psychologische Konturen zu geben. Seine szenische Umsetzung an diesem Abend lässt gerade das vermissen. Sehr statisch, bewegungslos agieren die Sänger, oft auch nur an der Rampe stehend.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Die überwältigende Dramatik der Auseinandersetzung zwischen Krone und Kirche, der aufwühlende Konflikt zwischen Vater und Sohn, die fatale Eifersucht von Gräfin Eboli und die tiefe Liebe von Elisabeth und Don Carlo fließen in einer Aneinanderreihung von kräftigen, aber nicht immer passenden Bildgestaltungen dahin. Der Bühnenbildner Alfons Flores gestaltet in üppigem Gold den königlichen Palast im klaren Widerspruch zur allgegenwärtigen Macht der Kirche, die sich in der Zeit der Inquisition nach außen spartanisch schlicht auf das Wesentliche, dem Glauben ausgerichtet präsentierte.

So erscheint das bunte Treiben der Hofdamen in ihren tiefdekolletierten Kleidern gegenüber ihrer Königin Elisabeth im einfachen, strengen, hochgeschlossenen, schwarzen Kleid surreal und brüchig. Zeitsparend erfolgen die Verwandlungen durch einen herabgelassenen, goldfarbenen Vorhang mit mächtigen geometrischen Mustern, teilweise transparent beleuchtet, teilweise als mächtige Mauer der Abschottung im königlichen Palast. Ebenso fährt zeitweise ein ähnlich gestalteter, goldener Turm von oben herab, umschließt einzelne Sänger und führt zu deren Tod. So geschehen für die edlen Bürger Flanderns, unverständlich mit Eselsmaske, oder für den Titelhelden selbst. Es obliegt den Sängern an diesem Abend, Gefühle, Spannung und Handlung zu erzeugen.
So überzeugen Ramona Zaharia als verlockende, rachsüchtige und verklärte Prinzessin Eboli und Olesya Goloneva als verklärte, ehrfurchtsvoll dienende Königin Elisabetta. Beide besitzen einen kraftvollen üppigen Sopran mit weicher flexibler Führung. Ohne Brüche schrauben sie sich in die Höhen und Tiefen ihrer Rolle. Adrian Sampetrean lässt seinen vollen, romantisch angehauchten Bass in der Tiefe anschwellen. Seine Arie und die anschließende Auseinandersetzung mit dem stimmpräsenten Großinquisitor von Sami Luttinen werden Höhepunkte des Abends. Gianluca Terranova nimmt nur langsam Fahrt auf, und sein Tenor öffnet sich verhalten zu frischer klarer Stimmführung. Seine Spitzentöne sitzen, wirken aber im Ausdruck wenig geschmeidig. Laimonas Pautienius bringt einen sicheren, aber wenig dramatischen Marquis von Posa.
Im Orchestergraben treibt Andriy Yurkevych das Orchester der Deutschen Oper zu Schwung und italienisch angehauchter Forcierung. Forti werden militärisch geschmettert, elegische Piani breit ausgeführt. Das erzeugt Stimmung und hilft den Sängern, ihre Emotionen einzubringen. Das Publikum wird eingefangen und folgt merklich still und aufmerksam.
Viel Beifall am Ende belohnt die Sänger, Dirigenten und Musiker.
Helmut Pitsch