O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Klaus Handner

Ausflug in die Antike

PHAIDRA – DIE VIRTUOSITÄT DES LEIDENS
(Coope­rativa Maura Morales)

Besuch am
2. Februar 2017
(Premiere)

 

Forum Freies Theater, Düsseldorf,
Kasernenstraße

Nach der Stadt der Blinden waren die Erwar­tungen hochge­steckt. Jetzt präsen­tiert die Coope­rativa Maura Morales ihr neues Stück Phaidra – Die Virtuo­sität des Leidens zum ersten Mal im Forum Freies Theater auf der Kaser­nen­straße. Und verab­schiedet sich quasi in die entge­gen­ge­setzte Richtung. Es geht in die Antike.

Für dieje­nigen, die Euripides oder Seneca nicht gleich auf dem Plan haben: Phaidra ist die Ehefrau von Theseus. Der hat einen Sohn, Hippolyt. Zu dem fühlt sie sich hinge­zogen. Leider kann Hippolyt für seine Stief­mutter nichts empfinden und weist sie zurück. Damit ist der Rahmen für das drama­tische Tanztheater aufgezogen.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor   

Maura Morales und Philipp Zander haben eine aufwändige Bühne mit vielen Dekora­ti­ons­ele­menten gestaltet. Auf der hinteren Bühnenwand ist oben ein schwarzes Brett mit zwei Seilstücken aufge­hängt, das keine offen­sicht­liche Funktion aufweist. Darunter ist der Arbeits­platz des Musikers aufgebaut. Rechts davon hängt eine Schaukel, auf der die Sängerin sitzt. Am rechten Bühnenrand liegt ein gewelltes Seil, ein weiteres hängt in der Mitte der linken Bühnen­hälfte von der Decke herab.

Sandra Carrasco ist die Sängerin, die im Morgen­mantel während der gesamten Aufführung auf der Schaukel sitzen­bleibt und – elektro­nisch verstärkt – mit einer Stimme, die für den Fado bestimmt scheint, das Geschehen kommen­tiert. Die Sprache bleibt unver­ständlich, der Text von Euripides ist auf dem Abend­zettel abgedruckt. „Wo riss es mich hin von der Bahn der Vernunft? Raste ich, strau­chelte, durch Götter betört?“ Man weiß es nicht. Auf der Bühne verhandeln die Tänzer das. Da gibt es Chang Ik Oh, der als Theseus den Boden­stän­digen, mitunter fast Tumben, häufiger Hilflosen gibt, der weiß, dass er Phaidra liebt, aber keine Chance in der aktuellen Situation hat. Sein Solo zum Schluss des Stücks ist denn auch, gelinde gesagt, überflüssig und einfallslos. Hier versagt die Virtuo­sität des Leidens, die sich sonst allge­gen­wärtig durch die Choreo­grafie zieht. Yotam Feied hat als Hippolyt den dankba­reren Anteil. Er ist der Begehrte, der sich als Tänzer und Luftakrobat immer wieder in die Höhe des hängenden Seils zurück­ziehen darf, ehe er sein Leben aushaucht und reglos auf dem Boden liegen bleibt. Es ist ein Stück für Maura, die hier alle Register ihres Könnens ziehen darf. Sie bedient sich der Männer, gibt sich hin, verweigert sich, leidet mit guttu­ralen Lauten, Weinen und kann dabei zeigen, was ihre Arbeit so besonders macht.

Foto © Klaus Handner

Tanz ist für sie Körper­lichkeit in beinahe letzter Konse­quenz. Sie arbeitet sich an den Männern ab, schreckt vor dem Akroba­ti­schen nicht zurück, windet sich oft milli­me­ter­genau unter Einsatz aller Kräfte, um dann Nacktheit als Rücken­partie zu präsen­tieren. Das irritiert und durch­bricht die Unbedingtheit, Sinnlichkeit und Radika­lität, die sie ansonsten zeigt.

Michio, der Musiker, sitzt derweil an seinem Arbeits­platz, erzeugt einen Klang­teppich, der bereits aus der Stadt der Blinden bekannt erscheint, komplet­tiert ihn immer wieder mit Effekten. Nur, dass er jetzt noch profes­sio­neller, aber auch routi­nierter wirkt.

Am Ende des Tages ist es allen Betei­ligten gelungen, das Publikum über eine Stunde in seinen Bann zu ziehen. Phaidra blieb verwehrt, Hippolyt zu gewinnen, und ihre Beziehung zu Theseus scheint soeben noch gekittet. Obwohl, so ganz genau weiß man es nicht.

Ist dem Publikum auch egal. Es applau­diert heftig und überpro­por­tional lang. Spätestens am Ende, wenn man die zärtliche Dankbarkeit von Maura Morales erlebt, weiß man, dass man auch an diesem Abend wieder etwas ganz Beson­deres erlebt hat. Das kann noch lange nachwirken.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: