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PETRUSCHKA/L’ENFANT
ET LES SORTILÈGES
(Igor Stravinsky, Maurice Ravel)
Besuch am
4. Februar 2017
(Premiere am 28. Januar 2017)
Vor gut vier Jahren inszenierte die britische Theatergruppe 1927 zusammen mit Barrie Kosky Mozarts Zauberflöte an der Komischen Oper Berlin und sorgte mit dieser an den Stummfilm angelehnten Regiearbeit für einen Kassenknüller. Bis heute sind die Aufführungen in der Hauptstadt ausverkauft und zudem auf zahlreichen Gastspielen weltweit zu sehen. Die neue, mit großer Spannung erwartete Produktion des Künstlerteams, bestehend aus Suzanne Andrade, Esme Appleton und Paul Barritt, kombiniert Igor Stravinskys Ballett Petruschka mit Maurice Ravels L’enfant et les sortilèges und ist, um es vorwegzunehmen, ein großer Wurf geworden. Was auch daran liegt, dass das Markenzeichen von 1927, die Verschmelzung von Filmanimationen mit lebenden Darstellern in der Ästhetik der 1920-er Jahre perfekt zu Stravinskys Jahrmarktspanoptikum und Ravels revueartiger Kurzoper passt – mehr noch als zur Zauberflöte, bei der sich der szenische Reiz irgendwann abnutzte.
| Musik | ![]() |
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| Regie | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Stravinskys Ballett Petruschka spielt auf einem Rummelplatz und erzählt von drei Puppen, die von ihrem Besitzer zum Leben erweckt werden, dadurch menschliche Gefühle entwickeln und sich nach Freiheit sehnen. Ihr Drang nach Unabhängigkeit endet im Falle Petruschkas tödlich. In grellbunten Farben flimmern das Jahrmarkttreiben und die grotesk überspitzten Besucher und Aussteller über eine Leinwand, während der Raum, in dem die Puppen aufbewahrt sind, in schwarz-weiß gehalten ist. Die werden nicht, wie im Original, von Tänzern dargestellt, sondern von Artisten. Paulina Räsänen und Slava Volkov sind Ballerina und Mohr und verblüffen mit verwegendsten akrobatischen Verrenkungen. Petruschka hingegen, berührend verkörpert von Tiago Alexandre Fonseca, ist ein melancholischer Clown, der nach seinem Tod engelsgleich in den Himmel schwebt, begleitet von einer Vogelschar als Sinnbild für die Freiheit.

Zum magischen Illusionstheater wird nach der Pause Ravels L’enfant et les sortilèges – Das Kind und der Zauberspuk. Mit überbordender szenischer Fantasie bebildern die Briten die Geschichte vom Kind, das seinen Zorn auf die Schule am Hausrat auslässt und dafür im Traum von den zerstörten Möbeln, dem zerbrochenen Geschirr und den misshandelten Tieren bedroht wird. Übergroße Katzen und fliegende Libellen sind zu sehen. Aus einer kaputten Tasse tropft heiße Flüssigkeit auf das Kind, dann wird es von den Zeigern einer Kuckucksuhr geschlagen und schließlich versengen die Strahlen der Sonne die Schäfer auf der von ihm zerrissenen Tapete. Das Zusammenspiel von virtuellen und realen Figuren ist bestechend und klappt perfekt, genauso wie die penibel mit der Komposition abgestimmte Bewegungschoreografie, die der für die Animation zuständige Paul Barritt ausgetüftelt hat.
Angesichts dieses optischen Feuerwerks bekommt die Musik eher Begleitfunktion, mag Markus Poschner das Orchester der Komischen Oper auch noch so beherzt antreiben. Von den zahlreichen Solisten profiliert sich rollengemäß am stärksten die balsamisch singende Nadja Mchantaf als pausbäckiges Kind in Pfadfindertracht. Neben ihr macht Talya Lieberman mit brillanten Koloraturen stimmlich besonderen Eindruck.
Starker Applaus im ausverkauften Haus. Ein Theaterabend voller Poesie und szenischem Überfluss, für den ein einmaliger Besuch nicht ausreicht, um alle Details zu erfassen.
Karin Coper