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Dämonischer Schurke mit großer Präsenz

OTELLO
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
9. Februar 2017
(Premiere)

 

Stadt­theater Klagenfurt

Sie wirken schon seltsam anmutend, diese histo­risch stili­sierten, an Vorhang­stoffe erinnernde Kostüme in Giuseppe Verdis Otello am Stadt­theater Klagenfurt. Ebenso wie die reduzierten Kulissen mit einem großen Segel zu Beginn und die tapeten­ar­tigen Prospekte mit floralen und frucht­ar­tigen Ornamenten oder später mit rotem Samt. Wenn sich die dahin­ter­lie­genden Vorhänge auftun, sieht man ein Wirrwarr an Geäst oder einen kuschelig schla­fenden Löwen mit Heili­gen­schein. Recht plakativ, aber wirkungsvoll ist in der Schluss­szene der Auftritt des Otello: Wenn sich nach Desde­monas Gebet eine große Madonna-Figur dreht, kommt ein riesiges Skelett zum Vorschein. Daraus entsteigt der Titelheld mit Schwert und Kapuze, wie ein Mönch gekleidet. Diese gesamte Ausstattung stammt von Miron Schmückle und ist von sehr fragwür­digem Geschmack.

POINTS OF HONOR

Musik    
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Für den erkrankten Patrick Schlösser einge­sprungen, hat Regie­as­sis­tentin Sophie Springer die Insze­nierung des Meister­werks in der Endphase übernommen: Nahe am Libretto von Arrigo Boito angesiedelt, wird das große Eifer­suchts­drama, das auf Shake­speare zurückgeht, sehr lange unspek­ta­kulär, teils unbeholfen, viel zu harmlos und statisch erzählt. Vor allem der Chor wird wie beim guten alten Steh- und Rampen­theater arran­giert: Aufmarsch von links und rechts, Aufstellung im Halbkreis und Blick ins Publikum. Bei manchen Schlüs­sel­szenen oder Zornaus­brüchen des Titel­helden hätte man sich mehr Drastik und mehr Ideen erwartet.  Erst die Endphase gewinnt an packender Dramatik.

Foto © Arnold Pöschl

„Ich glaube an einen grausamen Gott, der mich erschaffen hat“: In seinem berühmten Credo zeigt der Nihilist erstmalig Einblick in sein Seelen­leben, seine Motivation, Böses zu tun, und sein wahres Gesicht, seine bösar­tigen, ja, dämoni­schen Züge. Csaba Szegedi mimt mit expres­siver Gestik und Mimik einen Jago zum Fürchten. Nach außen hin gibt er sich als ungemein subtiler, eleganter, rothaa­riger Intrigant und singt die Partie mit wunder­barem Bariton. Aber auch der zweite männliche Protagonist ist beein­dru­ckend, wenn auch mehr von seiner stimm­lichen Präsenz: Denn Antonello Palombi ist darstel­le­risch vorerst ein viel zu zurück­hal­tender Titelheld, dem man die Eifer­sucht erst im zweiten Teil abnimmt. Seine kraft­volle Riesen­stimme vermag er anfänglich kaum zu zügeln, beein­druckt dann aber auch mit leiseren Tönen und singt und spielt im Finale mitreißend. Betsy Horne, zu Beginn mit etwas viel Vibrato zu hören, ist eine feinsinnig singende Desdemona. Die von ihr gewünschte Innigkeit kommt aber erst im finalen Ave Maria voll zur Geltung.  Matthias Frey singt einen etwas leicht­ge­wich­tigen Cassio. Die kleineren Partien mit Thomas Tischler als Roderigo, Chris­tiane Döcker als Emilia, Michael Schober als Montano und Jisang Ryu als Lodovico sind alle passend besetzt. Recht gut hört man auch den Chor des Hauses, der von Günter Wallner einstu­diert wurde, der aller­dings nicht immer eines Sinnes ist.

Alexander Soddy, bereits GMD in Mannheim, steht am Pult seiner letzten Opern­pro­duktion am Haus. Er motiviert das Kärntner Sinfo­nie­or­chester zu blühenden, nuancen­reichen Klängen und vielen ausdrucks­starken Ausbrüchen, aber auch wunder­baren Lyrismen.

Am Ende lässt sich das Publikum recht bald zu spontanen, stehenden Ovationen hinreißen.

Helmut Christian Mayer

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