O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Atdhe Mulla

Gruß aus Pristina

CARLA DEL PONTE …
(Jochen Roller)

Besuch am
10. Februar 2017
(Premiere)

 

Forum Freies Theater Düsseldorf,
Jahnstraße

Wer das Gefühl braucht, am Puls der Zeit zu leben, ist in Düsseldorf gut aufge­hoben. Im Dezember kam das Stück mit dem umständ­lichen Titel Carla del Ponte trinkt in Pristina einen Vanilla Chai Latte in Pristina zur Urauf­führung, jetzt, kaum einen Monat später, präsen­tiert das Forum Freies Theater in der Jahnstraße die deutsche Erstauf­führung. In der Vorankün­digung ist bereits vermerkt, dass das Stück in Englisch gezeigt wird. Was nicht daran liegt, dass hier Kosten für eine Übersetzung einge­spart werden, sondern Autor Jeton Neziraj das Stück in Englisch verfasst hat. Wenn die Sprachwahl bewusst als Stilmittel einge­setzt wird, verbietet sich in der Tat die Übersetzung.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang     
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Neziraj erzählt vor dem Hinter­grund der histo­ri­schen Ereig­nisse im Kosovo eine unglaublich erschei­nende Geschichte. Im Mittel­punkt steht Carla del Ponte, Schweizer Juristin und Diplo­matin. Weltbe­rühmt wurde sie als Chefan­klä­gerin des Inter­na­tio­nalen Straf­ge­richts­hofes in Den Haag. Sie klagte die Kriegs­ver­brechen im ehema­ligen Jugoslawien und den Völkermord in Ruanda an. Ihre Unerbitt­lichkeit brachte ihr den Spitz­namen Carlita, die Pest ein. Zur persona non grata wurde sie, als sie umfang­reiches Material über angeb­liche Organ­schmuggel-Aktivi­täten von Kosovo-Albanern präsen­tierte. 2010 veröf­fent­lichte der Europarat einen Bericht, in dem der kosova­ri­schen „Befrei­ungs­armee“ UÇK Verwick­lungen in illegalen Organ­handel, Betei­ligung an Auftrags­morden und anderen Verbrechen vorge­worfen werden. Ruhe um del Ponte gibt es deshalb nicht. Bis heute gilt die inzwi­schen 70-jährige Dame im Kosovo als äußerst umstrittene Person.

Der Autor und der Choreograf Jochen Roller entwi­ckeln daraus eine Textcollage. Auf der komplett schwarzen Bühne gibt es ein paar Stehlampen, zwei Tische links und rechts im Hinter­grund, die Platz für wenige Requi­siten bieten und zwei Aschen­becher für die dauer­rau­chenden Protago­nis­tinnen. Marek Lamprecht und Denis Berisha lassen die Bühne im farbig wechselnden Licht der Stehlampen aufleuchten, konzen­trieren sich ansonsten auf Weißlicht-Wechsel. Das gelingt stimmungsvoll. Oft aus dem Halbdunkel treten die Damen an die Rampe, um Texte zu präsen­tieren. Witzig noch ein Dialog zwischen Mutter Theresa und Bill Clinton, deutlich die Botschaften. Das Feindbild der Welt steht, damit ist die Agenda gesetzt. Änderungs­ver­suche sind nicht erwünscht.

Foto © Atdhe Mulla

Es wird ständig ermüdender, weil einfach nichts passiert. Gewiss, es gibt ein paar Tanzein­lagen, die sich in ihrer Einför­migkeit bald erschöpfen. 90 Minuten lang wartet man auf eine Weiter­ent­wicklung, die nicht statt­findet. Fünf attraktive Schau­spie­le­rinnen, konser­vativ-festlich einge­kleidet von Sebastian Ellrich, dekla­mieren Texte, Texte, Texte. Allen gemein sind die schwarzen Schuhe, die silber­grauen Strumpf­hosen, die häufiger nachge­zupft werden müssen – wenigstens das – darüber Silberg­lit­zerndes oder Mäntel, die festge­zurrt am Körper haften. Sich ständig wieder­ho­lende Positionen tragen eher zur Ermüdung bei. Als die Jagd um die Organe beginnt, endlich eine Verän­derung, weil die Damen mit einer beleuch­teten Plastikbox über die Bühne laufen, in der sich eine Niere befindet. Damit ist dann auch der Höhepunkt der Veran­staltung erreicht.

Die Schau­spie­le­rinnen Vjosa Abazi, Agnesa Nokshiqi, Alketa Sylaj, Lyra Xhoci und Donike Ahmeti geben sich größte Mühe, die Textmengen zu bewäl­tigen, dabei wunderbare Grimassen zu ziehen und ihre Tanzschritte synchron zu gestalten.

Bei der dazuge­hö­rigen Musik, die aus den Lautspre­chern mal instru­mental, mal mit Text schallt, handelt es sich um That Man von Caro Emerald, einem nieder­län­di­schen Pop-Sänger, der das Lied 2010 als Download veröf­fent­lichte. Ein textlicher Zusam­menhang erschließt sich dabei nicht. Aber es ist halt flott und nett anzuhören.

Am Ende des Abends bleibt das Publikum etwas ratlos zurück. Immerhin ist klarge­worden, warum Carla del Ponte ein Lifestyle-Getränk in Pristina zu sich nehmen muss – weil es genauso schmeckt wie anderswo auf dieser Welt. Und Norma­lität ist auch im Kosovo ein wichtiger Begriff – und Zustand. Dünner, kurzer Applaus beschließt Aufführung.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: