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Wenn die Mutter mit der Tochter …

MEIN EIGEN FLEISCH UND BLUT
(Bibiana Jimenez, Andrea Bleikamp)

Besuch am
16. Monat 2017
(Premiere am 2. Februar 2017)

 

Wehrt­heater Köln, Orangerie,
Theater im Volksgarten

Sie liegt etwas versteckt am Rande des Kölner Volks­gartens, die ehemalige Orangerie, die seit vielen Jahren als „Theater am Volks­garten“ eine ideale Plattform für experi­men­telle Bühnen­pro­duk­tionen bietet. Das Kölner Wehrt­heater, geleitet von der Regis­seurin Andrea Bleikamp, war jetzt zu Gast mit einer Auffüh­rungs­serie des zweiten Teils ihres Tanz-Zyklus‘ Mein eigen Fleisch und Blut. Der einstündige „Abend über Mütter und Töchter“ ist als Fortsetzung des ersten Teils zu sehen, in dem das nicht minder diffizile Verhältnis zwischen Vätern und Söhnen thema­ti­siert wurde. Gesamt­auf­füh­rungen beider Teile sind für den Herbst geplant. Und die positiven, teilweise begeis­terten Reaktionen bei der Kritik und beim Publikum sollten Andrea Bleikamp ermutigen, den zeitlos aktuellen und uns alle betref­fenden Stoff noch um zwei Teile zu erweitern. Denn auch die Bezie­hungen zwischen Vater und Tochter sowie Mutter und Sohn enthalten genügend Brisanz für mindestens zwei weitere anregende Theaterabende.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Es faszi­niert immer wieder, wie effektiv freie Theater ihre begrenzten Möglich­keiten mit einem Maximum an Effek­ti­vität ausschöpfen, wovon sich subven­tio­nierte Bühnen oft mehr als nur eine Scheibe abschneiden können. Das trifft auch auf das Genera­tionen-Projekt von Andrea Bleikamp zu. Zwei Tänze­rinnen in schlichter Kulisse reichen aus, um das komplexe Thema fanta­sievoll und auf hohem künst­le­ri­schem Niveau abwechs­lungs­reich, ebenso humorvoll wie hinter­gründig zu beleuchten. Bibiana Jimenez und Asta Nachajute verstehen es, das Problem mit virtuoser Flexi­bi­lität und sinnlicher Kraft erfahrbar zu machen, wobei die gebürtige Kolum­bia­nerin die Choreo­grafie gleich in die eigenen Hände genommen hat. Angesichts ihrer reichen Erfahrung mit experi­men­tellen Tanzformen, unter anderem im letzten Jahr mit Fortuna im Römisch-Germa­ni­schen Museum in Köln, kommt das der Inten­sität der Produktion nur zugute.

Foto © Meyer Originals

Die Rolle der Mutter ist vielfältig: Sie kann Freundin sein, Beschüt­zerin, Wegbe­glei­terin, aber auch Rivalin und Brems­klotz auf dem Weg in ein selbst­be­stimmtes Leben. Zu Beginn schälen sich die beiden Tänze­rinnen aus einer embryo­nalen Verschalung, und es bedarf einiger Zeit, bis sie sich ihrer untrenn­baren Verbun­denheit bewusst werden. Die Verbun­denheit deutet Ausstatter Claus Stump mit einem Geflecht aus textilen Nabel­schnüren an, die den Raum überziehen und erst nach mühsamen Prozessen von den Damen durch­schnitten werden können. Beein­dru­ckend, wie die beiden am Ende eine umgestürzte Leiter mit den Nabel­schnüren umwickeln, die die Form eines Sargs annimmt.

Zuvor erleben wir in einer Art Revue viele Fassetten des teils angenehmen, teils komischen, teils spannungs­ge­la­denen Zusam­men­lebens von Mutter und Tochter, wobei die Tänze­rinnen immer wieder die Rollen tauschen. Das Ideal der Hausfrau wird in comic­hafter Slapstick-Manier geradezu artis­tisch virtuos ironi­siert, an anderer Stelle droht man, sich mit den Nabel­schnüren zu erdrosseln. Ein aufre­gendes Experiment ohne Leerlauf, angerei­chert mit einer geschickten Klang­collage von Julia Klomfass, die von Prince‘ The Most Beautiful Girl in the World bis zu geheim­nisvoll-bedroh­lichen, elektro­ni­schen Klängen reicht.

Der Beifall des Publikums ist den Darstellern und ihren Mitar­beitern sicher. Man darf gespannt auf eine Fortsetzung des inter­es­santen Projekts sein.

Pedro Obiera

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