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Wenn Richard O’Briens Kult-Musical The Rocky Horror Show seit seiner Uraufführung 1973 alle noch so möglichen und unmöglichen Änderungen und Umdeutungen inner- und außerhalb der Bühnen und Filmleinwände unversehrt überstanden hat, dann ist es nicht zuletzt der Treue und Mitarbeit der großen Fangemeinde zu verdanken, die jetzt auch das Wuppertaler Opernhaus zum Beben brachte. Dass man das notwendige Equipment wie Reis, Konfetti, Knickleuchten, Toilettenpapier und ähnliches aus Sicherheitsgründen in Fan-Tüten vor Ort käuflich erwerben muss, trübt die Stimmung nicht. Und nach der asketischen Trockenkost von Helmut Oehrings AscheMOND seien dem Wuppertaler Haus unter der neuen Leitung von Intendant Berthold Schneider ein paar volle Häuser gegönnt.
Dass die Übernahme aus Saarbrücken inklusive vieler Gäste mit einer Eigenproduktion nichts mehr zu tun hat, mag man verschmerzen. Der Qualität kommt die Verpflichtung von erfahrenen Spezialisten zugute. Allerdings werden die Aufführungsmöglichkeiten eingeschränkt, so dass der Publikumsmagnet im Februar nur zwei Mal und in den Folgemonaten jeweils nur drei Mal zur Aufführung kommen kann. Da konnte das Musiktheater im Revier unlängst zwar bequemer disponieren, aber musikalisch weit weniger überzeugen.
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In Gelsenkirchen hat man das Stück als Kammerspiel auf Sparflamme gekocht, in Wuppertal wird szenisch geklotzt. Beide Produktionen haben ihren Charme. Vergleiche mit der berühmten Film-Version verbieten sich allerdings. Sowohl angesichts der unvergleichbaren Produktionsbedingungen als auch der oft übersehenen Tatsache, dass der Film nicht weniger Eingriffe in das Original aufweist als moderne Theaterinszenierungen.
Und da kann man auch durchaus in Kauf nehmen, wenn Regisseur Sebastian Welker in Wuppertal die Handlung in eine Kathedrale mit Nonnen und unheimlichen Mönchen verlegt, die den heiligen Ort allerdings rasch in ein Tollhaus verwandeln. Die Inszenierung lebt von den konventionellen, aber professionellen und erstklassig getanzten Choreografien von Amy Share-Kissiov, den glänzenden Gesangsleistungen und der aufwändigen Ausstattung von Bühnenbildner Stephan Prattes und Kostümbildnerin Susanne Hubrich.
Regisseur Welker setzt, vor allem im dramaturgisch ohnehin schwächeren zweiten Teil, zu stark auf vordergründige Comic-Effekte und vernachlässigt die dämonisch-bedrohliche Hintergründigkeit des Stoffs. Frank N’Furters synthetisch erschaffener Lustknabe Rocky findet in Christian Schöne zwar einen Darsteller von knackiger Anmut. Das Dauerspiel mit seinem und um sein Gemächte wirkt auf Dauer jedoch ebenso abstumpfend wie angedeutete Penetrationen in allen Positionen. Im Laufe des Abends überlagert die Suche nach mehr oder weniger treffenden Gags die Konzentration auf eine dramaturgische Konzeption.

Letztlich ist eine kunterbunte, quicklebendige Revue zu sehen, weniger ein ambitioniertes Musical. Die Bühnenbilder von Stephan Prattes sind überwältigend, eröffnen immer wieder neue, raffiniert ausgeleuchtete Spielräume, in denen die Solisten und das gut einstudierte „Bewegungsensemble“ der Wuppertaler Bühnen genügend Raum für ihre Auftritte finden.
Und die können sich allesamt hören und sehen lassen. Dafür bietet Heribert Feckler mit dem „United Rock Orchestra“ eine klanglich fetzige Basis, die das Genre-erfahrene Ensemble dankbar aufgreift.
Zu nennen ist zu allererst Anke Fiedler als Magenta, die neben ihrer bestechenden Bühnenpräsenz als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin mit allen Tugenden einer erstklassigen Musical-Darstellerin faszinieren kann. In der etwas ruhigeren Partie der Janet steht ihr Johanna Spantzel kaum nach. Mark Bowman-Hester verkörpert einen schrägen Riff-Raff, Dustin Smailes singt den Brad fast zu schön und Andreas Wolfram lässt als Frank N’Furter alle Hemmungen fallen. Auch sonst ist kein Ausfall zu beklagen.
Das Premieren-Publikum tobte vor Begeisterung für eine musikalisch vorzügliche, szenisch etwas vordergründige Produktion.
Pedro Obiera