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Kult-Musical mit Comic-Glasur

ROCKY HORROR SHOW
(Richard O’Brien)

Besuch am
17. Februar 2017
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Wenn Richard O’Briens Kult-Musical The Rocky Horror Show seit seiner Urauf­führung 1973 alle noch so möglichen und unmög­lichen Änderungen und Umdeu­tungen inner- und außerhalb der Bühnen und Filmlein­wände unver­sehrt überstanden hat, dann ist es nicht zuletzt der Treue und Mitarbeit der großen Fange­meinde zu verdanken, die jetzt auch das Wupper­taler Opernhaus zum Beben brachte. Dass man das notwendige Equipment wie Reis, Konfetti, Knick­leuchten, Toilet­ten­papier und ähnliches aus Sicher­heits­gründen in Fan-Tüten vor Ort käuflich erwerben muss, trübt die Stimmung nicht. Und nach der asketi­schen Trockenkost von Helmut Oehrings AscheMOND seien dem Wupper­taler Haus unter der neuen Leitung von Intendant Berthold Schneider ein paar volle Häuser gegönnt.

Dass die Übernahme aus Saarbrücken inklusive vieler Gäste mit einer Eigen­pro­duktion nichts mehr zu tun hat, mag man verschmerzen. Der Qualität kommt die Verpflichtung von erfah­renen Spezia­listen zugute. Aller­dings werden die Auffüh­rungs­mög­lich­keiten einge­schränkt, so dass der Publi­kums­magnet im Februar nur zwei Mal und in den Folge­mo­naten jeweils nur drei Mal zur Aufführung kommen kann. Da konnte das Musik­theater im Revier unlängst zwar bequemer dispo­nieren, aber musika­lisch weit weniger überzeugen.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum     
Chat-Faktor  

In Gelsen­kirchen hat man das Stück als Kammer­spiel auf Sparflamme gekocht, in Wuppertal wird szenisch geklotzt. Beide Produk­tionen haben ihren Charme. Vergleiche mit der berühmten Film-Version verbieten sich aller­dings. Sowohl angesichts der unver­gleich­baren Produk­ti­ons­be­din­gungen als auch der oft überse­henen Tatsache, dass der Film nicht weniger Eingriffe in das Original aufweist als moderne Theaterinszenierungen.

Und da kann man auch durchaus in Kauf nehmen, wenn Regisseur Sebastian Welker in Wuppertal die Handlung in eine Kathe­drale mit Nonnen und unheim­lichen Mönchen verlegt, die den heiligen Ort aller­dings rasch in ein Tollhaus verwandeln. Die Insze­nierung lebt von den konven­tio­nellen, aber profes­sio­nellen und erstklassig getanzten Choreo­grafien von Amy Share-Kissiov, den glänzenden Gesangs­leis­tungen und der aufwän­digen Ausstattung von Bühnen­bildner Stephan Prattes und Kostüm­bild­nerin Susanne Hubrich.

Regisseur Welker setzt, vor allem im drama­tur­gisch ohnehin schwä­cheren zweiten Teil, zu stark auf vorder­gründige Comic-Effekte und vernach­lässigt die dämonisch-bedroh­liche Hinter­grün­digkeit des Stoffs. Frank N’Furters synthe­tisch erschaf­fener Lustknabe Rocky findet in Christian Schöne zwar einen Darsteller von knackiger Anmut. Das Dauer­spiel mit seinem und um sein Gemächte wirkt auf Dauer jedoch ebenso abstumpfend wie angedeutete Penetra­tionen in allen Positionen. Im Laufe des Abends überlagert die Suche nach mehr oder weniger treffenden Gags die Konzen­tration auf eine drama­tur­gische Konzeption.

Foto © Jens Großmann

Letztlich ist eine kunter­bunte, quick­le­bendige Revue zu sehen, weniger ein ambitio­niertes Musical. Die Bühnen­bilder von Stephan Prattes sind überwäl­tigend, eröffnen immer wieder neue, raffi­niert ausge­leuchtete Spiel­räume, in denen die Solisten und das gut einstu­dierte „Bewegungs­en­semble“ der Wupper­taler Bühnen genügend Raum für ihre Auftritte finden.

Und die können sich allesamt hören und sehen lassen. Dafür bietet Heribert Feckler mit dem „United Rock Orchestra“ eine klanglich fetzige Basis, die das Genre-erfahrene Ensemble dankbar aufgreift.

Zu nennen ist zu allererst Anke Fiedler als Magenta, die neben ihrer bestechenden Bühnen­präsenz als Sängerin, Tänzerin und Schau­spie­lerin mit allen Tugenden einer erstklas­sigen Musical-Darstel­lerin faszi­nieren kann. In der etwas ruhigeren Partie der Janet steht ihr Johanna Spantzel kaum nach. Mark Bowman-Hester verkörpert einen schrägen Riff-Raff, Dustin Smailes singt den Brad fast zu schön und Andreas Wolfram lässt als Frank N’Furter alle Hemmungen fallen. Auch sonst ist kein Ausfall zu beklagen.

Das Premieren-Publikum tobte vor Begeis­terung für eine musika­lisch vorzüg­liche, szenisch etwas vorder­gründige Produktion.

Pedro Obiera

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