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Der ewig Getriebene

PEER GYNT
(Werner Egk)

Besuch am
17. Februar 2017
(Premiere)

 

Theater an der Wien

Das Regieteam um Peter Konwit­schny nähert sich dem Kompo­nisten Werner Egk und seinem Werk Peer Gynt gänzlich frei und unvor­ein­ge­nommen. Anders als zum Beispiel in Konwit­schnys früherer Inter­pre­tation von Wagners Meister­singern wird die Verein­nahmung von Inhalten des Werkes durch die natio­nal­so­zia­lis­tische Ideologie nicht hinter­fragt. Die Oper wird vielmehr im Hinblick auf die Aktua­lität im heute und jetzt auf unter­haltsame, teilweise ironische Weise zur Diskussion gestellt. Ein um den Regisseur in vielen Jahren einge­spielten Team mit Helmut Brade, verant­wortlich für die Ausstattung, Guido Petzold für die Licht­ge­staltung und Bettina Bartz für die Drama­turgie, gelingt dabei eine außer­or­dentlich dichte, fokus­sierte und konzen­trierte Umsetzung eines selten gespielten Werkes.

Zwei konzep­tio­nelle Punkte stehen im Mittel­punkt: Zum einen wird die Trollwelt durch gewis­ser­maßen ganz normale Menschen der heutigen alles umfas­senden Digital- und Konsum­ge­sell­schaft verkörpert. Weiterhin werden die Partien der Gegen­spie­le­rinnen Solveig und der Rothaa­rigen von einer Künst­lerin gegeben, die die zwei Seiten des Peer ewig reizenden Weiblichen übergangslos und darstel­le­risch aus einem Guss verkörpern kann. Dazu benötigt man aller­dings eine außer­or­dentlich vielseitige Sänger­dar­stel­lerin, die zwei stimmlich anspruchs­volle Partien bewäl­tigen kann.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Konwit­schny gelingt durch knappe, auch in allen Chorauf­tritten konzise Perso­nen­regie eine packende und überzeu­gende, weitere sinnvolle Konzen­tration auf den Handlungs­strang der schon durch den Kompo­nisten verkürzten und gestrafften Schauspielvorlage.

Egks Musik ist ein Kalei­doskop der Nach-Wagne­ri­schen deutschen Musik­pa­lette der dreißiger Jahre des 20. Jahrhun­derts. In der musika­li­schen Struktur der Partitur sind Elemente und Klang­fär­bungen von Strauss, Krenek, Korngold, Weil und anderen zeitge­nös­si­schen Kompo­nisten der Zeit zu erkennen. Weiterhin gibt es nicht wenige Jazz- und Tango-Klang­farben. Schwie­riger fällt eine eigen­ständige Beschreibung einer autonom Egkschen musika­li­schen Fraktur.

Umsetzbar ist eine überzeu­gende Bühnen­rea­li­sation heute nur mit großar­tigen, inten­siven Darstellern. Genau die hat das Theater an der Wien über alle Mitwir­kenden in bewun­de­rungs­wür­diger Weise aufzubieten.

Allen voran die wunderbare Maria Bengtsson in der Doppel­rolle der Peer beglei­tenden und verfol­genden, gegen­sätz­lichen Frauen­rollen von Solveig und Rothaa­riger. Das stimm­liche und dynamische Ausdrucks­spektrum der Bengtsson für eine solche Doppel­partie scheint unerschöpflich, die schau­spie­le­rische Einbringung hinge­bungsvoll und ohne Schonung der eigenen Reserven.

Foto © Werner Kmetitsch

Für den männlichen Counterpart ist kein besserer und verses­se­nerer Partner als Bo Skovhus denkbar, der in nicht wenigen anderen Partien seiner Bühnen­laufbahn schon oft eine völlige stimm­liche und darstel­le­rische Veraus­gabung geleistet hat. Hier unver­gleichlich, wie er im Schlussbild, scheinbar zur Ruhe gekommen, mit Solveig seinen Lebens­abend verbringen will, jedoch von einer inneren Unrast und Beses­senheit in sich selbst und in den Begeg­nungen mit Solveig und der Rothaa­rigen der nächste, ewige Ausbruch vorge­zeichnet ist. Er wird die Rolle eines nicht integrier­baren Außen­seiters der Gesell­schaft, der er seit seiner Jugend nicht entkommen kann, solange er Lebens­kraft verspürt, weiter­spielen, mögen auch Sanatorium oder Irren­an­stalt am Ende des Weges stehen.

Im tadel­losen Ensemble, in dem jeder Mitwir­kende ausnahmslos in mehreren Rollen der Handlung auftritt, sind hervor­zu­heben: Natascha Petrinsky als Aase sowie der Alte und der König der Trolle von Rainer Trost.  Besonders überzeugend auch der stimmlich durch­drin­gende, wenngleich auch zeitweise in seinem Auto als Todesbote akustisch unvor­teilhaft platzierte Unbekannte und dann in zweiter Rolle im tropi­schen Wunderland in fahrbarer Badewanne sitzende, korrupte, präsi­diale Würden­träger von Stefan Cerny.

Abgerundet werden die überzeu­genden Leistungen auf der Bühne durch Nazanin Ezazi, Cornelia Horak, Andrew Owens, Michael Laurenz, Zoltan Nagy und Igor Bakan.

Der wie immer überzeu­gende und gleich­zeitig engagiert-spiel­freudige Arnold-Schönberg-Chor ist von Erwin Ortner auf die neuen Partien glänzend vorbe­reitet. Das ORF-Radio­sin­fo­nie­or­chester Wien unter Leo Hussain wird der Partitur mit ihren vielfäl­tigen Anklängen an die Zeitge­nossen des Kompo­nisten in engagierter Weise mehr als gerecht.

Das Publikum bejubelt nach anfäng­licher Zurück­haltung das gesamte Ensemble und mit vielen Bravi die heraus­ra­genden Leistungen von Bengtsson und Skovhus. Auch dem Regieteam wird einhellig und nachdrücklich Beifall gezollt, auch hier viele Bravo-Rufe.

Achim Dombrowski

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