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Foto © Wilfried Hösl

Sängerkult im modernen Babylon

SEMIRAMIDE
(Gioachino Rossini)

Besuch am
15. Februar 2017
(Premiere am 12. Februar 2017)

 

Bayerische Staatsoper München, Nationaloper

David Alden war in München unter dem ehema­ligen Inten­danten Sir Peter Jonas ein vielbe­schäf­tigter Mann und gestaltete unver­gess­liche Barock­opern und einen Ring der Nibelungen. Er liebt die große Szene und mächtige Bühnen­bauten. Jetzt ist er wieder da. Und so findet der Betrachter auch in dieser Neuin­sze­nierung der Semiramide von Gioachino Rossini die bekannten Stilelemente.

Gelungen und sehr realis­tisch versetzt Paul Steinberg in seinem Bühnen­entwurf die Handlung in das moderne Arabien der überdi­men­sio­nalen Pracht­bauten und der überle­bens­großen Darstellung der Herrscher in Bild und Skulptur. Der großan­ge­legte erste Akt führt gleich an den Hof der Königin Semiramide, die nach dem Mord an ihrem Gatten, dem gottgleich verehrten Diktator Nino, erfolg­reich regiert. Einem Staats­besuch gleich marschiert der Chor in stilechten, modernen Kleider­ge­wohn­heiten des Vorderen Orients ein –  sehr gut beobachtet von Kostüm­bild­nerin Buki Shiff. Große Wandpor­träts der Familie und des verstor­benen Herrschers schauen Ehrfurcht einflößend auf das gemeine Volk. Geschickt wird die aufwändige Bühne durch Verschieben der Wände verkleinert. Wenige Requi­siten werden benutzt, meist bleibt die Bühne leer, und Licht und Video­ef­fekte mischen das monumentale Bild auf.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Musika­lisch wird der Abend von der schwung­vollen, akzen­tu­ierten und gut ausge­leuch­teten Führung des jungen Michele Mariotti geprägt. Wie Rossini in Pesaro geboren, hat er die Musik des Belcantos, aber auch der Romantik im Blut. Schon in der bestens aus den Konzert­sälen bekannten Ouvertüre schweben flatternd seine Hände über den Musikern, und er entlockt ihnen Präzision, ohne Schwung zu verlieren. Er versteht, Neues erklingen zu lassen und Spannung aufzu­bauen, um auf die inhaltlich komplexe Geschichte vorzubereiten.

Foto © Wilfried Hösl

Gesang­liche Höchst­leis­tungen werden in Serie darge­boten. Dabei ist die Heraus­for­derung an die Sänger groß. Rossini hat sich in seiner letzten italie­ni­schen Oper anspruchs­volle Arien, Duette und Terzette einfallen lassen, gepaart mit ausufernden Wieder­ho­lungen. Der Staatsoper ist es gelungen, eine perfekte Besetzung zusam­men­zu­führen. Allen voran gibt es ein Wieder­sehen mit der gefei­erten Mezzo­so­pra­nistin Joyce di Donato, die viel zu selten in Europa zu erleben ist. Ihr Rollen­debüt gelingt bravourös. Nicht minder eindrucksvoll Daniela Barcellona in der Hosen­rolle des Arsace, in Wahrheit der vermisste Sohn Ninia, der nach dem Mord an seinem Vater Nino verschwunden war. Ausdrucks­stark, männlich im Habitus, gelingt ihr eine überzeu­gende Zeichnung des großzü­gigen, gefühl­vollen Charakters Arsaces, der als erfolg­reicher Kriegs­führer die Hand der Prinzessin Azema begehrt. Klar, kräftig im Einsatz der Stimme, bleibt ihr Sopran ohne Druck und zeigt im Wettstreit mit der Präsenz von Joyce di Donato keine Schwächen, eine wahre Freude für den Zuhörer.

Elsa Benoit hat es schwer in ihrem präch­tigen, aber bewegungs­ein­schrän­kenden Kostüm als unglück­liche Prinzessin Azema Fahrt aufzu­nehmen. Das gelingt Lawrence Brownlee als indischer Prinz Idreno, der sich ihre Hand erhofft. Anfangs unsicher und verhalten, gestaltet er seine Arie rein und weich im Klang, fließend und geschmeidig in der Höhe und lyrisch aufge­klart im Timbre. Eine Freude ist es, Alex Esposito als versto­ßenen Liebhaber und Bösewicht Assur zu erleben. Bisher gebucht als Leporello, zeigt er als Assur die Kraft und Ausdrucks­stärke seiner Stimme. Farben­reich im Klang und unglaublich sicher bewältigt er seine Arien und spannende Ausein­an­der­set­zungen mit der hinter­häl­tigen Königin Semiramide. Auch schau­spie­le­risch zeigt er viel Präsenz auf der Bühne. Konzen­triert und sauber im Einsatz begleitet der von Stellario Fargone einstu­dierte Chor die Solisten und hüllt ihren Gesang unter aufmerk­samer Leitung von Mariotti in einen satten und weichen Klangteppich.

Zu Recht bricht am Ende ein Begeis­te­rungs­sturm los und lässt die Sänger nach ausge­dehnten vier Stunden hochleben.

Helmut Pitsch

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