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LE GRAND MACABRE
(György Ligeti)
Besuch am
19. Februar 2017
(Premiere am 17. Februar 2017)
Die Berliner Erstaufführung von György Ligetis einziger Oper Le Grand Macabre liegt knapp 15 Jahre zurück. Damals inszenierte sie Barrie Kosky an der Komischen Oper als märchenhaft-bunten, mit Anzüglichkeiten nicht sparenden Bilderbogen und bescherte ihr einen großen Publikumserfolg. Dass die Oper auch ohne Theaterkulisse Furore machen kann, ist nun in der Berliner Philharmonie zu erleben, wo sich Regisseur Peter Sellars, Dirigent Sir Simon Rattle und phänomenale Sänger für das groteske Weltuntergangsspektakel stark machen.
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Le Grand Macabre spielt in einem sagenhaften Staat namens Breugelland, in dem ein unfähiger Fürst, umgeben von korrupten Hofschranzen, über eine verdorbene und verrohte Menschheit herrscht. Der Weltuntergang ist nahe. So prophezeit es der Demagoge Nekrotzar, eben jener Große Makabre und versetzt dadurch alle in einen Ausnahmezustand. Doch die tatsächlich stattfindende Explosion bringt nicht den erwarteten Tod. Die Erdenbürger überleben und machen weiter wie bisher. Das überspitzte, sagenhafte Ambiente, das Ligeti im Sinn hatte, ist nicht Peter Sellars Sache. Er zeigt drastisch die Bedrohung eines Supergaus im Hier und Jetzt: Fässer mit Sondermüll lagern auf dem Podium, über drei Leinwänden flimmern Videos von blühenden Landschaften vor Atomkraftwerken und Demonstrationen gegen Kernenergie. Die Minister treten in Schutzkleidung auf, der Chef der Geheimpolizei liegt bereits todkrank im Klinikbett. Sellars, der bereits 1997 bei der Salzburger Produktion Regie geführt hatte, lässt einen ganz nah am Geschehen teilhaben, bezieht dafür den gesamten philharmonischen Raum mit ein und verteilt den Rundfunkchor und einige Instrumentalisten über den ganzen Saal.

Doch am stärksten zieht die überwältigende Präsenz und Ausdruckskraft des gesamten Sängerensembles in den Bann. Kein Lob ist zu hoch für die Solistenriege, die Ligetis anspruchsvolle Vokal- und Geräuschartistik scheinbar mühelos meistert. Da absolviert Audrey Luna in der Doppelrolle der Venus und des Geheimdienstlers Gepopo ihre irrwitzigen Koloraturen und Höhenflüge leicht und locker. Und da führt Peter Hoare als Piet vom Fass seinen Tenor geradezu artistisch und dabei in jeder Lage stimmschön durch mehrere Oktaven. Ob der zarte Countertenor von Anthony Roth Costanzo als unreifer Fürst, der fast zu noble Bariton von Pavlo Hunka als fieser Nekrotzar oder die in jeder Hinsicht opulente, mit hochdramatischer Wucht überrumpelnde Mescalina von Heidi Melton – sie alle geben ihren Figuren handfeste Kontur. Inmitten dieser Ansammlung schräger Charaktere ragt das Liebespaar Amanda und Amando heraus, in dessen Duetten sich die Stimmen von Anna Prohaska und Ronnita Miller in schönster Harmonie vereinen.
Zentrum und Spiritus Rektor des Abends aber ist Simon Rattle, dem die Freude am musikalischen Gelingen ins Gesicht geschrieben ist. Er setzt die Impulse, führt und lenkt durch Ligetis dichte, mit Versatzstücken der Operngeschichte virtuos jonglierende Musik. Die Philharmoniker reagieren mit spielerischer Schärfe und Präzision, gepaart mit klanglicher Pracht. Ebenbürtiger Partner ist der von Gijs Leenaars einstudierte Rundfunkchor, der, egal aus welcher Position heraus, bestechend homogen und nuanciert singt.
Viele Bravos in der ausverkauften Philharmonie nach einer denkwürdigen, das Publikum mit ungewohnten Höreindrücken konfrontierenden Aufführung, deren Ende deshalb wohl einige Besucher nicht abwarten wollten. Als Gastspiel wird Le Grand Macabre noch in Essen und Dortmund zu hören sein.
Karin Coper