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Alles bleibt anders

EIN SOMMERNACHTSTRAUM
(Joanna Praml)

Besuch am
24. Februar 2017
(Premiere am 16. September 2016)

 

Düssel­dorfer Schauspielhaus
Bürger­bühne, Central, Kleine Bühne

Sollten wir uns nicht eher um die Flücht­lings­frage kümmern, gegen die IS-Ideologie aufstehen – anstatt Theater zu spielen?“ hinter­fragen dreizehn Jugend­liche, die sich mit einem Klassiker, nämlich dem Shake­spear­schen Sommer­nachts­traum, widmen. Und man möchte ihnen zurufen: „Nein, bitte nicht. Macht weiter!“ Schließlich findet hier gerade völlig verrücktes, traum­haftes, energi­sches, modernes Musik­theater von ganz jungen Menschen statt, das ein mindestens so wichtiges Thema ist wie alles Drama dieser Erde. Es geht darum, wie viel Potenzial das Gefühl in der Zukunft hat. Und die gute Nachricht ist, wenn man den Jugend­lichen zuschaut, dass wir uns um die Zukunft keine Gedanken zu machen brauchen. Allein schon die Besetzung scheint abseits der gezeigten Leistung wie ein Glücksfall der modernen Gesell­schaft. Ali, Emma, Finn, Svea oder Orlando sind die neuen Vornamen, die nicht nur Düsseldorf berei­chern, Stefan Henaku-Grabski und Bianca Twagi­ra­mungu sind Schwarze, die in Deutschland geboren und aufge­wachsen sind. Während sich in Sachsen alte Braun­schädel vor Angst in die Hosen machen, dass womöglich ein Syrer die längst menschen­leere Gegend bevölkern könnte, ist für die Jugend­lichen die multi­na­tionale Herkunft längst Selbst­ver­ständ­lichkeit. Die beschäf­tigen sich mit ganz anderen Themen, nämlich den normalsten der Welt in dieser ach so schreck­lichen Zeit der Pubertät. Wie gehe ich damit um, dass ich nicht den perfekten Körper habe, dass all die Liebes­briefe der Jungs an die beste Freundin gehen statt an mich selbst? Wie gehe ich mit all diesen hormon­durch­flu­teten Träumen um?

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Joanna Praml hat sich die Nöte dieser Jugend­lichen angehört, ihre Geschichten, ihre Sehnsüchte. Die vielbe­schäf­tigte Regis­seurin hat das alles mit dem Sommer­nachts­traum, einem immer noch meist­ge­spielten Stück in Deutschland, wenn nicht weltweit, verquickt und zu einem rasanten Bühnenwerk verar­beitet. Die Idee – gerade im Zusam­menhang mit diesem Shake­speare-Stück – ist nicht neu, aber großartig umgesetzt. Dreizehn Jungschau­spieler, in der Regel ohne schau­spie­le­rische Vorbildung, bekommen die Aufgabe, den Sommer­nachts­traum auf der Bühne umzusetzen. Was das Publikum zu sehen bekommt, ist nicht das fertige Stück, sondern der Probenprozess.

Ganz allmählich verwi­schen Fiktion und Realität, während Jena Denhoven als Bühnen­bild­nerin, Inga Timm als Kostüm­bild­nerin und Konstantin Sommeson als Licht­de­signer einen wahren Theater­zauber entfachen. Es gibt kaum etwas, was hier nicht statt­findet. Video, Theater­nebel nach der Raucher­pause, herab­stür­zende Felswände, Licht­blitze, um die die Kapitel­über­gänge zu markieren, Licht­schwerter und Kostüme, die zwischen Gegen­warts­be­kleidung, Körper­ent­blößung und Plissee-Rock changieren. So war es ja auch abgemacht. Die Jugend­lichen bekommen eine profes­sio­nelle Produktion von der Bürger­bühne, im Gegenzug erzählen sie ihre persön­lichen Erfah­rungen, die in die Handlung einfließen.

Foto © Matthias Horn

Heraus­kommen gute anderthalb Stunden voll köstlichen Humors, überflüs­siger Fäkal­sprache – es ginge auch ohne – und jeder Menge magischer Stimmung. Eindrucksvoll immer auch die Chorauf­tritte der Jugend­lichen. Es gibt wunder­volle Momente der ersten und der letzten Annäherung, die schon poetisch wirkt, wenn man etwa an den Tanz von Anne Gatzka und Stefan Henaku-Grabski denkt. Und es gibt diese Augen­blicke ohne Liebe, wenn Svea Hammarlund mit gerade mal 15 Jahren die Macht des Pucks auslebt. Großartig ist Finn Leon Cam, der erst als Regisseur reüssiert, um schließlich als William Shake­speare Rede und Antwort zu stehen. Allein für diesen Auftritt hat der junge Mann, der sich in Zukunft als Choreograf verdingen will, einen Preis verdient.

Hajo Wiesmann steuert zu diesem – man kann es nicht anders sagen – einzig­ar­tigen Abend immer wieder Musik „vom Band“ bei. Das schafft ordentlich Stimmung, ist nicht immer ganz bis ins Letzte ausge­steuert, aber unerlässlich für das Werk.

Das Publikum, das vom Alter her gründlich gemischt ist, wenngleich die jugend­lichen Fan-Clubs überwiegen, feiert die Glanz­leistung ausgiebig. Der unver­hält­nis­mäßig lange Applaus ist angebracht. Und die Bürger­bühne, die – erst – am 8. Dezember mit einer neuen Adaption von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen, dann wieder in einer Insze­nierung von Joanna Praml, an die öffent­liche Rampe treten wird, hat sich hier ordentlich Lorbeeren verdient. Bereits jetzt werden für diese Produktion Jugend­liche zwischen 13 und 18 Jahren gesucht.

Michael S. Zerban

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