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Feuerwerk zur Eröffnung des 25. Kurt-Weill-Festes in Dessau - Foto © Andreas Burkhardt

Unser kleines Haus am Mississippi

DIE SIEBEN TODSÜNDEN
(Kurt Weill)

Besuch am
24. Februar 2017
(Eröff­nungs­konzert)

 

Kurt-Weill-Fest,
Anhal­ti­sches Theater Dessau

Beide heißen Anna. „Meine Schwester und ich stammen aus Louisiana.“ Und das Leben im heißen Süden von Amerika der 1930-er Jahre ist nicht einfach, Anna 1 und Anna 2 träumen vom Leben in der Stadt, sie sind überzeugt: „Nach sieben Jahren haben wir´s geschafft.“ Ihr mühsam verdientes Geld schicken sie an ihre Eltern „für ein kleines Haus in Louisiana“. Natürlich bleibt diese Absicht ein Traum. In bester Absicht und mit gutem Willen versuchen sie, die ihnen aus ihrer klein­bür­ger­lichen Welt vertrauten „sieben Todsünden“ wie Faulheit, Völlerei oder Habsucht zu vermeiden – und so wird aus ihren naiven Phantasien, aus ihrem einfachen Leben im Süden des großen Landes eine Ballade der Hoffnung.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Publikum  
Chat-Faktor  

Im Stil seiner Drei-Groschen-Oper und der Stadt Mahagonny hat Kurt Weill hierzu eine einfache, bewegende Musik kompo­niert, die er als „gesun­genes Ballett in neun Szenen“ unter­ti­telte. Urauf­ge­führt am 7. Juni 1933 am Théâtre des Champs-Élysées, schuf George Balan­chine die Choreo­grafie für Pro- und Epilog. In Dessau wird konzertant aufge­führt. Zwischen Rezitativ, Sprech­gesang, flottem Schlager und ungewohnten Jazzphrasen erzählen die zwei Anna-Schwestern ihre traurig-komische Geschichte, die immer wieder von der Familie kommen­tiert wird. Wie ihre Familie in Louisiana sind auch die beiden Annas überzeugt, „wer über sich selbst den Sieg erringt, der erringt auch den Lohn.“ Ihr Weg durch die großen Städte, durch Memphis, Philadelphia und San Francisco führt sie durch üble Spelunken, Kabaretts und zu zwielich­tigen Männer­be­kannt­schaften: Sie gehen allen Versu­chungen aus dem Wege und passen auf sich auf, denn sie wollen mit aller Kraft zurück zum Missis­sippi und ihr kleines Haus bauen. „Bedenk, was geschieht, wenn du tätst, was dir läge.“

Foto © Andreas Burkhardt

Angelika Kirch­schlager ist eine perfekte Besetzung dieser Schwestern-Doppel­rolle, die sie ganz selbst­ver­ständlich mit ihrem kräftigen Mezzo­sopran füllt. Ihr tempe­ra­ment­voller Vortrag und das umfang­reiche Volumen ihrer Stimme lassen auch längere Dekla­ma­tionen nicht langweilig werden, sie trifft in eigener Inter­pre­tation den Charakter der neuen Songs von Weill, die den Einfluss ameri­ka­ni­scher Musik nicht leugnen. Die Songs erzählen die Geschichte. Im Unter­schied zu Lotte Lenyas hohem Sopran, für den Weill viele seiner Songs kompo­nierte, gibt Kirch­schlager den Songs ein leicht melan­cho­li­sches Timbre, doch die Stimmung dieser Weill-Musik bleibt locker und unter­haltsam.  Mit je zwei Tenor- und Bassstimmen bringen Falk Hoffmann, Albrecht Sack, Matthias Hoffmann und Gun-Wook Lee die Familie auf die Bühne, ihre meist kurzen Einwürfe bilden einen frischen Kontrast zur Geschichte der beiden Annas. So ungewöhnlich und modern die von Weill kompo­nierten Klänge sind, so einfach, frisch und originell sind viele Formu­lie­rungen in Bertolt Brechts Libretto.  „Meine Schwester ist schön. Ich bin praktisch.“ – „Sie ist etwas verrückt, ich bin bei Verstand.“ – „Stolz ist etwas für reiche Leute.“ – „… sie wollen kein Nilpferd in Philadelphia … Fress­sucht ist vom Übel.“  – Dann sind die sieben Jahre herum, „jetzt kehren wir zurück in unser kleines Haus am Missis­sippi-Fluß“. Schade, dass Die sieben Todsünden das letzte Werk sind, bei dem Brecht und Weill zusammenarbeiteten.

In großer Besetzung präsen­tieren Kristjan Järvi, zurzeit artist in residence in Dessau, und das MDR-Sinfo­nie­or­chester anlässlich des Eröff­nungs­kon­zertes zum 25. Kurt-Weill-Fest im Anhal­ti­schen Theater Dessau zunächst Igor Strawinskys Symphony in C und zum Schluss Beethovens jubelnde Sinfonie Nr. 5 in c‑moll, die den Rahmen für Weills Ballett­musik bilden.

Ein begeis­tertes Publikum feiert ein großar­tiges Orchester und eine Weill-Inter­pretin, die die Amerika-Faszi­nation zweier emigrierter Künstler ebenso authen­tisch vermittelt wie die Sehnsucht aus den Songs … und ein Schiff mit acht Segeln … oder Surabaya-Johnny, warum bist du so roh …, die die Geburt einer neuen „Venus vulgivava“ markieren.

Horst Dichanz

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