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Fast auf den Tag zwei Jahre ist es her, dass die Kibbutz Contemporary Dance Company – damals im Rahmen der Jüdischen Kulturtage – zum ersten Mal im Leverkusener Forum auftraten. Der Auftritt war außerordentlich eindrucksvoll. Opernnetz berichtete. Jetzt tritt der Choreograf und Künstlerische Leiter Rami Be’er mit seiner Company erneut an. Im Opernhaus von Sydney fand die Uraufführung des Programms Horses in the Sky am 31. August 2016 statt, in Leverkusen kommt es zur deutschen Erstaufführung.
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| Choreografie | ![]() |
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Wie schon bei If at All und anderen Werken versteht Be’er seine Choreografien nach eigenen Angaben als Reflexionen und entzieht sie so jeder inhaltlichen Beschreibung. Formal löst er die einstündige Choreografie der Pferde im Himmel weiter auf, indem er einzelne Szenen miteinander verknüpft und so weiter aufhebt. Wer einen Zugang zu der Aufführung sucht, wird auf ein Zitat aus dem Lied Horses in the Sky von Mt. Zion verwiesen. „Gewalt bringt mehr Gewalt und Lügner bringen mehr Lügen“.
Bei Bühne, Licht und Kostümen verzichtet Be’er diesmal auf weiteres Personal und widmet sich auch diesen Aufgaben selbst. Über der leeren Bühne erheben sich ganze Batterien von Scheinwerfern, von deren Gestaltungsmöglichkeiten der Choreograf vergleichsweise wenig Gebrauch macht, aber immerhin so dafür sorgt, dass die Bühne zu jedem Zeitpunkt ausreichend ausgeleuchtet ist und ein paar schöne Effekte entstehen. In der Hitze des Scheinwerferlichts tummeln sich die Tänzerinnen und Tänzer in luftigen weißen und beigefarbenen Blusen und kurzen, weißen Trikothosen.

Darin haben sie ausreichend Bewegungsfreiheit, um erneut ihre ganze Virtuosität unter Beweis zu stellen. Wer will, kann hier die Weiterentwicklung des Letztgesehenen entdecken oder auch die prägende Handschrift des Choreografen. Wieder steht über weite Strecken Maschinenhaftes in Gestalt entmenschlichender Figuren im Vordergrund, löst sich Konformität aus der Gruppe von Individualisten, um ebenso rasch wieder im Nichts zu verschwinden. Nichts wird konkret, alles bleibt im Ungefähren. Wenige ungewöhnliche Momente entstehen, wenn etwa Tänzerinnen sich auf den Bäuchen ihrer Kollegen über die Rampe tragen lassen. All das verströmt viel Kraft und Energie.
Dazu kommt viel hämmernde, wummernde, überlaute Musik aus den Lautsprechern. 19 Stücke von Björk über Olafur bis Elvis Presley dröhnen in den sehr gut besetzten Saal. Geradezu erfrischend ein Stück Banjo-Vaudeville, dem es nur kurzzeitig gelingt, die vorherrschende Monotonie zu durchbrechen.
Das Publikum verfolgt das Geschehen hochkonzentriert, um schließlich – auch dem anwesenden Choreografen – frenetischen Applaus, teils im Stehen, zu zollen. Dass es dem Forum Leverkusen nicht nur immer wieder gelingt, weltweit beachtete Tänzer in die Stadt zu holen, sondern auch noch in der Lage ist, die Entwicklungen der Compagnien aufzuzeigen, ist unbedingt mehr als einen Beifall wert.
Michael S. Zerban