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LA TRAVIATA
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
14. März 2017
(Premiere am 24. April 1990)
Mailand ist früh auf den Beinen, in und rund um die Scala, das ehrwürdige und geschichtsträchtige Opernhaus der Stadt herrscht ganztags ungewohnt munteres Treiben. Die Amici Lirici kämpfen mit dem stürmischen Kartenandrang ebenso wie die Schwarzhändler, die mit astronomischen Preisen die Opernsüchtigen zu befriedigen versuchen. Jede Aufführung einer Oper Giuseppe Verdis an diesem Haus wird zu einem besonderen Ereignis, denn Verdi und Scala sind ein untrennbares Gespann der Operngeschichte. La Traviata gehört zu den erfolgreichsten Werken des Komponisten und zu den meistaufgeführten Opern überhaupt. Alexandre Dumas schrieb, basierend auf autobiographischen Erlebnissen, die Vorlage zum Libretto und Giuseppe Verdi komponierte das Werk engagiert in nur 45 Tagen, enthält die Geschichte ja durchaus auch Parallelen zu seiner eigenen Beziehung zur Sängerin Giuseppina Strepponi, die nach damaligen Moralvorstellungen auch als traviata – als „von der Straße Abgekommene“ – galt.
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Mittlerweile herrscht eine gelockerte Moral, und der Großmut und die selbstlose Liebe der Kurtisane Violetta Valery berührt ungebremst die Opernbesucher auf der ganzen Welt und ist eine Paraderolle der großen Sopranistinnen. Anna Netrebko feierte einen ihrer größten Triumphe in der Rolle der Violetta bei den Salzburger Festspielen und hat nunmehr angekündigt, dass sie diese Rolle aufgrund Ihrer stimmlichen Entwicklung nach den Auftritten in Mailand und Paris im kommenden Jahr nicht mehr singen werde. Umso stärker das Interesse ihrer Fans, an diesem Abschied dabei zu sein. Für dieses Ereignis hat die Leitung der Mailänder Scala weitere anziehungskräftige heimische Stars eingeladen.
Nello Santi hat als Dirigent Operngeschichte geschrieben. Der über Neunzigjährige schleppt sich wahrlich mühsam an sein Pult, lange Stille begleitet ihn, bevor im feinsten pianissimo glasklar die Streicher das berührende Thema der Tragödie anspielen. Sehr gedehnt ist sein Tempo angesetzt und fordert damit volle Konzentration und Stimmkraft der Sänger. Seiner Routine und seinem musikalischen Gespür sind zu verdanken, dass es spannend bleibt, der melodische Bogen nicht zusammenfällt. Das Orchester ist aufmerksam und spielt exakt. Bei den Sängern ist anfänglich kleine Unsicherheit zu spüren, aber schnell herrschen Harmonie und gefühlvolle Interpretation in Gesang und Spiel. Auf angeblichen Wunsch von Anna Netrebko wurde für diese Aufführungsserie auf die letzte Inszenierung von Liliana Cavani zurückgegriffen und nicht die aktuelle von Dmitri Tcherniakov, die 2013 Premiere feierte, gegeben. Historisiert spielt die Inszenierung von Cavani in der prachtvollen, üppigen, filmreifen Bühnengestaltung von Dante Ferretti, meisterhaft ausgeleuchtet von Marco Filibeck, mit aufwändigen Kostümen von Gabriella Pescucci.

Nach dem Einzug des eleganten Mailänder Publikums erscheint das bunte Treiben der Pariser Gesellschaft wie eine logische Fortsetzung. Kristalllüster, Plüsch und Pomp herrschen auf der Bühne, und die Zuschauer erleben überzeugend den Beginn der Liebesbeziehung von Violetta und Alfredo. Francesco Meli mimt den jungen, einfältigen, aber heißblütigen Provinzsohn mit viel Leidenschaft und kräftiger voller Stimme. Sein Tenor ist sicher in Intonation und Melodieführung, dabei etwas blass in seiner hellen Färbung. Er ist ein eleganter und gefühlvoller Partner für die Primadonna, die besonders im letzten Akt all ihre Kunst und Beherrschung der Stimme zeigt. Über die Entwicklung ihrer Stimme wurde viel diskutiert, dunkler und auch tiefer ist sie geworden, aber immer noch klettert die Stimme in klare, weit offene Höhen, ihre Koloraturen sitzen, und mit Inbrunst gleitet sie mit ihrer Stimme in die Tiefe, ohne an Verständlichkeit und Gesang zu verlieren. Noch einmal bäumt sie sich in Todeserwartung auf, um akrobatisch wie ein schwerer Sack in sich zusammenzufallen. Leo Nucci bekommt viel Szenenapplaus von seinen treuen Bewunderern als Vater Germont, aber die Einschränkungen seiner gealterten Stimme sind klar hörbar. Oreste Cosimo und Chiara Tirotta aus der Nachwuchsakademie des Teatro alla Scala überzeugen in ihren Rollen als Gastone und Aninna.
Der Abschlussapplaus ist ein eigenes Spektakel, begleitet von kräftigen bravi. Anna Netrebko steht wahrlich im Blumen- und Konfettiregen, und Nello Santi hält sich tief gerührt am Vorhang fest.
Helmut Pitsch