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Historischer Zauber

PIRAMO E TISBE
(Johann Adolf Hasse)

Besuch am
15. März 2017
(Premiere)

 

Teatro Barocco, Laxenburg

Er gilt als hervor­ra­gender Kenner barocker Opern­tra­dition: Bernd Roger Bienert und sein Teatro Barocco haben sich dieser histo­ri­schen Überlie­ferung verschrieben und zu ihrem Credo erhoben, die origi­nalnahe Belebung eines möglichst werktreuen Gesamt­kunst­werkes in Szenerie und Regie auf die Bühne zu hieven. So haben sie im heute plura­lis­ti­schen Spektrum der Insze­nie­rungs­stile einen fixen Platz gewonnen. Besonders reizvoll ist es diesmal Piramo e Tisbe, ein Alterswerk des heute selten gespielten deutschen Kompo­nisten Johann Adolf Hasse, der von 1699 bis 1783 lebte, im Schloss­theater Laxenburg, wo die Urauf­führung 1768 stattfand und das Maria Theresia erbauen ließ. Hier erfreute sich die Monarchin jeden Sommer verschie­denster Opern, so etwa auch etwas später auch Wolfgang Amadeus Mozarts Le nozze di Figaro.

Damals beherrschte der als Il divino Sassone bezeichnete und als heraus­ra­gendster Reprä­sentant der barocken Opera seria seinerzeit geltende Komponist die europäi­schen Bühnen und hatte 1768, dem Entste­hungsjahr des Werkes, schon an seinem Lebens­abend stehend, gut achtzig Seria-Werke geschrieben. Schon lange gab er an den Höfen von Dresden, Paris, Wien und zuletzt in Venedig den Ton an, als er mit diesem Werk am Wiener Kaiserhof Anschluss an die Reformoper Glucks suchte und auch fand. In dem gut zweistün­digen „Inter­mezzo tragico“ sind Arien und Duette zu schlüs­sigen, kompakten Szenen verbunden.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Den Stoff fand er in der Antike. Ovid hat in seinen Metamor­phosen die traurige Geschichte des Liebes­paares Pyramus und Tisbe erzählt, die durch einen Streit ihrer Familien nicht zusam­men­kommen dürfen, fliehen und durch einen tragi­schen Irrtum – er glaubt, sie sei von einem Löwen getötet worden – Selbstmord begehen. Eigentlich ist der Plot eine antike Romeo-und-Julia-Tragödie. In der Oper wird von Hasse und seinem Libret­tisten Marco Coltellini, der bei der Urauf­führung selbst die Rolle des Vaters übernahm, in dem Drei-Perso­nen­stück noch die Tragik erhöht: Auch der hartherzige Vater von Tisbe begeht Selbstmord.

Und so wird das Inter­mezzo tragico in präch­tigen Barock­kos­tümen und durch akribische Forschung und minutiöse Sorgfalt des Inten­danten Bienert, der nicht nur für Regie, sondern auch Bühnenbild, Kostüme und Licht­design verant­wortlich zeichnet, in barocker, den Text nachvoll­zie­hender Gestik, und im schumm­rigen Licht, das haupt­sächlich von unten strahlt, um so das damals verwendete Kerzen­licht nachzu­stellen, gezeigt. Besonders das mystische Waldbild mit seinem Tempel und dem Grabmal der Ahnen fasziniert.

Foto © Barbara Pálffy

Hasses elegante, meist sanfte, oft bittersüße Musik zielt eindeutig auf die Dominanz der Gesangs­stimmen ab. Die lassen keine Wünsche offen: Ausdrucks­stark, mit vielen Nuancen und wunderbar phrasierend, ja teils flammend erklingt der Sopran der Maria Taytakova in der Hosen­rolle des Piramo, die auch im Original als Sopran besetzt ist. Innigst und glockenrein ertönt der Sopran der diesmal vielbe­schäf­tigten Megan Kahts, sie singt hier auch die Fiordiligi in Così fan tutte, als Tisbe. Die oft langen Rezitative der beiden Frauen haben Leben, ihre kolora­tur­reichen Arien imponie­rende Kraft und ergeben einen fein dosierten Zusam­men­klang.  Hasse hat bei den Kolora­turen auch wegen seiner Frau, der damals berühmten Diva Faustina Bordini, nie gespart. Beide Damen sind auch darstel­le­risch intensiv zu bewundern. Peter Widholz leiht seinen kulti­vierten Tenor dem eher spärlich einge­setzten Vater. Etwas zu bärenhaft wirkt der tolpat­schige Löwe von Gabriel Wanka, dem Hasse für seinen Auftritt eigens eine Sinfonica Leone geschrieben hat.

Vital, frisch, farben- und akzent­reich erklingt das Werk. Man kann die Freude am Musizie­ren­nicht nur sehen und hören, sondern auch erspüren. Das auf Alte Musik spezia­li­sierte, nur zehnköpfige Ensemble Teatro Barocco, das Emanuel Schmelzer-Ziringer vom Hammer­klavier aus leitet, spielt auf histo­ri­schen Instru­menten mit allen ihren Tücken und Intona­ti­ons­schwächen wunderbar stimmungsvoll auf. Die vielen Lyrismen und Affekte werden ideal herausgearbeitet.

Viel Applaus vom Publikum auch für die zweite Premiere in Laxenburg.

Helmut Christian Mayer

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