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Foto © Ida Zenna

Im festlichen Gewande

FESTKONZERT 200 JAHRE OPERNCHOR
(Ulf Schirmer)

Besuch am
17. März 2017
(Premiere)

 

Oper Leipzig

Am 26. August 1817 wurde unter der Leitung des theater­am­bi­tio­nierten Juristen Karl Theodor Küstner das neue „Theater der Stadt Leipzig“ eröffnet. Auf dieses Datum geht auch die Etablierung eines festen Opern­chores zurück. Dieses 200. Jubiläum feiert die Oper Leipzig mit einem Festwo­chenende, an dem zwei große Choropern auf dem Spielplan stehen, der Freischütz und die Turandot. Höhepunkt dieses Wochen­endes ist jedoch ein großes Festkonzert, dem Opernchor gewidmet, unter anderem mit Werken von Bach, Mendelssohn Bartholdy und Wagner, die als Kompo­nisten und Persön­lich­keiten mit Leipzig untrennbar verbunden sind. Doch bevor dieses große Festkonzert des Opern­chores beginnt, wird im Opern­foyer eine musik­wis­sen­schaft­liche Festschrift über die zweihun­dert­jährige Geschichte des Leipziger Opern­chors präsen­tiert. Heraus­ge­geben wird diese Festschrift von Hagen Kunze und Stephan Wünsche im Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, und damit gibt es zum ersten Mal in der deutsch­spra­chigen Musik­ge­schichts­for­schung eine eigen­ständige Unter­su­chung der Historie und Gegenwart eines Opernchores.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Publikum  
Chat-Faktor  

Nach einem kurzen Grußwort des Inten­danten und General­mu­sik­di­rektors Ulf Schirmer hält Verlags­leiter Klaus-Jürgen Kamprad die Laudatio auf den Opernchor und die ihm gewidmete Festschrift.  Die beiden Autoren, der Publizist Hagen Kunze und der Musik­wis­sen­schaftler Stephan Wünsche haben diese umfang­reiche Festschrift erstellt, wobei Wünsche sich den ersten einhundert Jahren von der histo­risch-wissen­schaft­lichen Seite nähert, während Kunze die zweiten Hundert Jahre mehr als Chronist beschreibt, garniert mit netten Anekdoten und wunder­baren Bildern, besonders aus der Zeit der Wieder­eröffnung der Leipziger Oper 1960. Komplet­tiert wird diese Festschrift mit Inter­views mit dem langjäh­rigen Chordi­rektor Andreas Pieske, dem aktuellen Chorleiter Alessandro Zuppardo und Regisseur Peter Konwitschny.

Insgesamt erstreckt sich diese Chronik auf über 240 Seiten, und jeder der aktuell 75 Mitglieder des Leipziger Opern­chors wird mit Bild und Kurzvita gewürdigt. Diese Festschrift ist nicht nur eine besondere Würdigung des Leipziger Opern­chors, sondern als musik­wis­sen­schaft­liche Unter­su­chung eines Chores auch ein Allein­stel­lungs­merkmal, das über die Grenzen Leipzigs hinaus sicher von Interesse sein dürfte.

Foto © Ida Zenna

Nachdem die Präsen­tation der Festschrift quasi als Ouvertüre zum eigent­lichen Festkonzert überleitete, präsen­tiert der Leipziger Opernchor nicht nur sein großes Reper­toire, sondern zeigt alle Facetten von der Barock­musik bis hin zur großen Chor-Oper. Eröffnet wird das Konzert mit Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten von Johann Sebastian Bach, dem Leipziger Thomas­kantor. Das Werk wurde am 8. Dezember 1733 als Glück­wunsch­kantate anlässlich des Geburtstags der Maria Josepha, Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen, mit dem Unter­titel Dramma per musica aufge­führt. Die Musik ist fast identisch mit dem ersten Satz aus Bachs Weihnachts­ora­torium, und so kommt fast so etwas wie Festtags­stimmung auf. Der Chor inter­pre­tiert diesen Satz sehr feierlich, dem Anlass des Jubiläums entspre­chend. Überhaupt besteht der erste Teil des Festkon­zertes aus sakralen Werken. Ein Kleinod ist Gioachino Rossinis Kyrie eleison – Christe eleison aus der Petite Messe Solenelle. Feierlich getragen erklingt es, und der Mittelteil, ohne Orchester gespielt, zeigt den warmen, weichen Klang dieses Stimm­körpers. Einem weiteren großen Musiker der Stadt Leipzig ist das nächste Werk gewidmet. Felix Mendelssohn Bartholdy war von 1835 bis 1847 Leipziger Gewand­haus­ka­pell­meister und prägte die Musik­szene Leipzigs wie kaum ein anderer Künstler vor ihm. Alles, was Odem hat, aus seinem Lobgesang, nimmt der Chor wörtlich und singt dieses Werk mit voller Inbrunst. Danach wird es wieder sehr feierlich mit Wie lieblich sind deine Wohnungen aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms, bevor zum ersten Mal Giuseppe Verdi an diesem Abend erklingt, mit der Stabat Mater aus den Quattro Pezzi Sacri. Ähnlich wie sein Requiem hat Verdi dieses Stück sehr diffe­ren­ziert angelegt, es ist ein stetiger Wechsel zwischen Chor und Orchester, pathe­tisch vorge­tragen und die perfekte Überleitung für den zweiten Teil, mit großen Chorszenen aus Opern, die fast alle im Reper­toire des Leipziger Opern­chores sind.

Eröffnet wird der zweite Teil passen­der­weise mit Richard Wagners Freudig begrüßen wir die teure Halle aus dem Tannhäuser. Nachdem dieses Werk vor zwei Jahren in einer konzer­tanten Fassung in Leipzig umjubelt wurde, ist es nun genau auf den Tag noch ein Jahr hin bis zur Premiere des neuen Tannhäuser an der Oper Leipzig, der am 17. März 2018 in einer Insze­nierung von Katharina Wagner auf die Bühne kommen wird. Und Chor und Orchester sind jetzt schon musika­lisch hervor­ragend auf dieses Werk einge­stimmt, so dass die Vorfreude, zumindest was die musika­lische Seite anbelangt, nicht größer sein kann.

Und Wagner gehört in seiner Geburts­stadt Leipzig fest zum Reper­toire. Es ist nach wie vor Ulf Schirmers großes Ziel, in der Zukunft alle dreizehn Opern im aktiven Reper­toire des Hauses zu haben. Der Tannhäuser wird die nächste Etappe sein.


Es folgen große Chorszenen aus Opern von Bellini, Donizetti und Rossini, und der Chor beweist, warum der Stil dieser Kompo­nisten Belcanto heißt. Ob aus La Sonnambula, Don Pasquale oder Guglielmo Tell, der Chor zeigt alle Facetten seines Könnens und macht diese drei Stücke zu „schönem Gesang“. Bei Sparve il sol aus Verdis Macbeth dürfen die zweiund­dreißig Herren des Chores mit dunklem Gesang die düstere, dämonische Seite des Werkes betrachten, bevor die vierund­dreißig Damen mit Tre volte miagola la gatta in fregola die passende Antwort geben. Sowohl Damen- als auch Herrenchor bilden für sich alleine einen absolut harmo­ni­schen Stimm­körper mit kluger Intonation und großer Textver­ständ­lichkeit. In Verdis Lombarden, eine weitere Oper mit großem Choranteil, beweist der Chor mit O signore dal tetto natio seine wunderbare Klang­har­monie mit dem Gewandhausorchester.

Natürlich darf der Jägerchor aus Carl Maria von Webers Freischütz bei so einem Konzert nicht fehlen, zumal dieses Werk ja erst vor zwei Wochen mit großem Erfolg seine Premiere an der Leipziger Oper feierte und natürlich beim Festwo­chenende mit auf dem Plan steht. Hier dominieren die Tenöre sauber und strahlend, und der Jubel des dankbaren Publikums ist ihnen gewiss. Heiter und volks­tümlich präsen­tiert der Chor Feste e pane aus Amilcare Ponchiellis Gioconda, bevor Les voici, voici la quadrille aus Gorges Bizets Carmen das offizielle Programm mit großer Leiden­schaft beschließt. Natürlich muss der Chor zwei Zugaben geben, das Publikum ist förmlich berauscht an diesem Klang. Nach Verdis Fuoca di gioia aus Otello steht die wohl bekann­teste Chorszene der Opern­li­te­ratur als feier­licher Abschluss des Festkon­zertes auf dem Programm, Verdis Va, pensiero, der Gefan­genchor aus Nabucco. Diesen großen Hymnus singt der Chor mit aller­größter Hingabe und Leidenschaft.

Auch wenn an diesem Abend natürlich der Chor im Vorder­grund steht, so ist es auch ein Abend des Leipziger Gewand­haus­or­chesters und seines General­mu­sik­di­rektors, Ulf Schirmer. Die Leiden­schaft, der Spielwitz, das Enthu­si­as­tische, all die vielen Farben bringen die Musiker zum Leuchten, und Schirmer, der mit großem, körper­lichem Einsatz dirigiert, hat sichtbar Freude an diesem Abend und an seinem Chor.

Bei Alessandro Zuppardo, der als Chorleiter zum Ende der Spielzeit nach fünf Jahren die Oper Leipzig verlässt, sind Stolz und Wehmut gleich­zeitig in seinem Gesicht zu lesen. Die Oper Leipzig und das Publikum feiern ihren Chor gebührend, der sich heute zu seinem 200. Geburtstag im festlichen Gewand präsen­tiert. Herzlichen Glück­wunsch dem Leipziger Opernchor!

Andreas H. Hölscher

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