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ANDREA CHÉNIER
(Umberto Giordano)
Besuch am
18. März 2017
(Premiere am 12. März 2017)
Mit viel Aufmerksamkeit und Anteilnahme wurde die Erkrankung des von den Münchner Publikum so geliebten Jonas Kaufmann verfolgt und mit viel Vorfreude und Spannung seine Rückkehr ins Nationaltheater erwartet. Erstmalig kommt Umberto Giordanos Revolutionsoper Andrea Chénier hier zur Aufführung, erstmalig steht der Münchner Tenor in der Titelrolle auf der Bühne und wird gleich mit seiner großen Arie zu Beginn gefordert. Wiederum gibt er alles für seine Anhänger in Gesang und Ausdruck – Schmelz, Kraft, Herz und Sinnlichkeit. Die Rolle des romantischen, feurig in Liebe entflammten und streitbaren Poeten ist gut für die Wiederkehr gewählt, passt sie doch in der Lage, den Höhen und Melodiebögen zu seiner Stimme. Und für sein schauspielerisches Geschick ist genug Rahmenhandlung geboten. Auch für Anja Harteros ist die kokette junge Adelige Maddalena ein Rollendebüt, die in den Wirren der Revolution alles verliert und Brutalität, aber auch ihre grenzenlose Hingebung und Liebe erlebt. Wirkt ihr kindliches Erscheinen zu Beginn aufgesetzt, trumpft sie als engelsgleich selbstlose, treue, gefallene Geliebte auf.
| Musik | ![]() |
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Berührende Momente beinhaltet das Duett der Liebenden, deren Tragödie nicht aufzuhalten ist, auch wenn sie noch so rein und makellos ihre Liebe bis in den Tod gestehen. Aber die beiden haben einen mächtigen politischen und stimmlich ebenbürtigen Feind. Luca Salsi, in Italien als Bariton bereits vielfach gefeiert, wächst an diesem Abend in der Rolle des Gerard über sich hinaus und gestaltet seine beiden Arien mit viel Raffinesse und Dramatik im Wechselbad der Gefühle. Groß ist seine Stimme angelegt, er kann auch richtig an Volumen zulegen, wenn es notwendig ist, und das ohne Druck oder Pressen. In der Intonation leicht und sicher, kann er in der Interpretation mit Farbe spielen. Einsicht, Großmut und heldenhafter Kampf gelingen ihm ebenso wie blinde Rachsucht und Eifersucht. In den durchwegs gut besetzten kleineren Rollen überzeugen Doris Stoffel als selbstherrliche Gräfin de Coigny, Elena Zilio als revolutionstreue Madelon und J’Nai Bridges als treu ergebene Zofe Bersi.

Aus dem Orchester steigt ein herber, kräftiger Klang. Der junge Omer Meir Wellber hat mit Unterstützung von Daniel Barenboim eine rasche Karriere als Dirigent und Komponist gemacht. Ungestüm drängt er das Orchester mit kraftvollen Gesten. Harsche, kräftige Tutti untermauern den Revolutionskampf und das Aufbegehren des Volkes. In der Begleitung der Sänger lässt er das Orchester gedämpft dahingleiten, mehr romantische Konturen hätten farblich dazu gepasst.
Viel zum Erfolg des Abends trägt die überzeugend realistische und geschickt fließende Inszenierung von Philipp Stölzl bei. Der junge Regisseur ist im Schauspiel zu Hause und überträgt szenische Darstellung mit seinem aufwändigen Bühnenbild in eine filmnahe Welt. Der schnelle und umfangreiche Erzählstil der Oper mit häufigen Ortswechseln gelingt ohne Brüche und Pausen, indem Stölzl die Welt der Adligen und der Revolution im Querschnitt wie offene Schuhkartons aneinanderreiht. Diese Methode hat er schon erfolgreich in seiner Inszenierung von Bajazzo und Cavalleria rusticana in Salzburg angewandt. Lautlos werden Bühnenbilder verschoben, Massenszenen entstehen so ohne große hektische Aufmärsche, farbenprächtig in historischen Kostümen tritt der bestens von Stellario Fagone vorbereitete Chor als Volk in Erscheinung.
Viele Szenen- und ein herzhafter, langer Schlussapplaus bringen die Anerkennung und Freude des Publikums über den gelungenen Opernabend zum Ausdruck. Anja Harteros und Jonas Kaufmann sind angesichts der nicht enden wollenden Bekundungen sichtlich gelöst und beeindruckt.
Helmut Pitsch