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Kampf zweier Königinnen

MARIA STUARDA
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
30. März 2017
(Premiere)

 

Stadt­theater Klagenfurt

Morta al mondo, e morta al trono …“ – Gestorben für Welt und Thron, lieg ich zu deinen Füßen: Zuerst sehr demütig kniend, bittet Maria Stuart ihre Schwester, Königin Elisabeth I, um Gnade. Um dann, nach deren ständigen, schweren Belei­di­gungen, selbst immer zorniger zu werden und diese letztlich zu wüst zu belei­digen und zu beschimpfen, was ihr Schicksal besiegelt: Es geht um Leben und Tod, wenn sich die beiden rivali­sie­renden Königinnen in ihrer einzigen direkten Konfron­tation, die es in der histo­ri­schen Wirklichkeit aller­dings nie gab, gegen­über­stehen. Deshalb gilt diese Szene im zweiten Akt auch als der drama­tischste Moment in Maria Stuarda von Gaetano Donizetti. Er konzen­trierte sich bei seiner eher selten aufge­führten Oper beinahe ausschließlich auf die politische und private Ausein­an­der­setzung zwischen den beiden Frauen, gestaltet sie ungemein drama­tisch und erreicht so eine grandiose Charakterschilderung.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Publikum  
Chat-Faktor  

Um das 1835 an der Mailänder Scala urauf­ge­führte Musik­drama, das weitgehend Schillers Drama folgt und mit der Hinrichtung der Titel­heldin endet und vor der Aufführung intensiv mit der strengen Zensur zu kämpfen hatte, wirkungsvoll auf die Bühne stellen zu können, bedarf es für die beiden Rollen zweier außer­ge­wöhn­licher Sänger­per­sön­lich­keiten. In der konzer­tanten Aufführung am Stadt­theater Klagenfurt – nach Friedrich Schillers Schau­spiel Maria Stuart im Spätherbst 2016 hier am Haus die zweite Ausein­an­der­setzung mit diesem Stoff und ein inter­es­santer Vergleich – werden beide Sänge­rinnen den enormen stimm­lichen Anfor­de­rungen voll gerecht. Ja, man kann sogar insgesamt beim Sänger­ensemble von einem Fest der Stimmen sprechen.

Foto © Karlheinz Fessl

Denn Anush Hovhan­nisyan, die schon im Royal Opera House Covent Garden in London engagiert war, singt die Titel­partie mit wunderbar rundem Sopran, vielen Fassetten wie feinsten Piani, großer Innigkeit, drama­ti­schen Ausbrüchen und perfekten Kolora­turen. Angela Brower als ihre Gegen­spie­lerin Elisa­betta, die man hier am Haus schon 2013 als Octavian im Rosen­ka­valier von Richard Strauss erleben konnte und die schon bei den Salzburger Festspielen, an der Wiener und Bayri­schen Staatsoper sowie am Royal Opera House Covent Garden in London gesungen hat, verfügt über einen farben- und gestal­tungs­reichen Sopran, der auch zu vielen berüh­renden Tönen fähig ist. Carlos Cardoso singt mit seinem schön geführten, höhen­si­cheren, etwas scharfen Tenor den von beiden Damen umgarnten Leicester. Jisang Ryu ist ein kerniger, sehr nobler Talbot. Erstaunlich ist auch, welch gute Sänger sich im hausei­genen Chor finden. Denn zwei Chormit­glieder wirken in kleineren Rollen mit: So singt Jihoon Kwon einen warmstim­migen Cecil und Júlia Bányai eine subtile und schön­stimmige Anna Kennedy, Marias Amme. Der Chor des Hauses, dessen Einstu­dierung Günter Wallner besorgte, singt sehr ausge­wogen und klangschön.

Giedre Slekyté, die neue Erste Kapell­meis­terin am Pult des Kärntner Sinfo­nie­or­chesters, weiß die Schön­heiten und den Reichtum der Melodien – mit einigen Striche bei den Wieder­ho­lungen der Arien – wunderbar luzide, diffe­ren­ziert, packend und frisch auszuloten.

Das Publikum ist restlos begeistert. Es spendet immer schon heftigen Zwischen­ap­plaus und zum Schluss stehende Ovationen und großen, kaum enden wollenden Jubel.

Helmut Christian Mayer

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