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SH-Boom - Foto © Gert Weigelt

Zwischen Verlorenheit und Revue-Spektakel

b.31
(Martin Schläpfer)

Besuch am
1. April 2017
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein,
Düsseldorf

Martin Schläpfer, Ballett­di­rektor der Deutschen Oper am Rhein, der sich nach eigenen Angaben gar nicht so wohl fühlt in Düsseldorf und Duisburg, verlangt mit seinen anspruchs­vollen, abstrakten Choreo­grafien von abend­fül­lender Länge nicht nur seiner Compagnie, sondern auch seinem Publikum eine Menge an Konzen­tration und Kondition ab. Am 2. Juni steht mit der Urauf­führung seines neuen Balletts zur Musik von Gioac­chino Rossinis Petite Messe Solenelle die nächste Großtat auf dem Programm.

Da ist das Publikum dankbar für kleine „Verschnauf­pausen“ mit bunt gemischten Programmen, die zwar keinen großen innova­tiven Ehrgeiz ausstrahlen und allesamt ihre Feuer­probe teilweise schon vor Jahrzehnten bestanden haben. Doch wenn die Qualität von Tanz und Choreo­grafie stimmt, ist auch gegen risikoarme Projekte wie das neue unter der Werknummer b.31 nichts einzuwenden.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor   

Abwechslung bestimmt das neueste Ballett-Programm der Deutschen Oper am Rhein, in dem sich Schläpfer auf bewährte Stücke unter­schied­licher Machart beschränkt. Er selbst greift auf ein vor zehn Jahren kreiertes Erfolgs­stück aus seiner Mainzer Zeit zurück, das er jetzt nach zehn Jahren leicht revidiert auf die Bühne des Düssel­dorfer Opern­hauses zurück bringt. Obelisco heißt das 40-minütige, in sieben Teile zersplit­terte Stück, das einen eindrucks­vollen Einblick in die fanta­sie­reiche Ästhetik des Choreo­grafen erlaubt. Den Obelisken sieht Schläpfer als imagi­nären, zentral ausge­rich­teten Mittel­punkt, um den sich die Episoden zu denkbar unter­schied­lichen Musiken wie Planeten gruppieren. Seiner Vorliebe für ausge­fal­lenes Schuhwerk kommt er in der ersten Szene zu Marla Glens Song Travel entgegen, wenn die Damen zunächst in schwer­fäl­ligen Stiefeln mit wuchtigen Plateau­sohlen einen schil­lernden Kontrast zur Schwe­re­lo­sigkeit des klassi­schen Spitzen­tanzes setzen. Es folgen diverse Minia­turen, die für die Solisten der Compagnie äußerst dankbare Aufgaben bereit­halten. Besonders beein­dru­ckend Marlúcia do Amarals sieben­mi­nü­tiger Tanz auf Spitze zu den selbst­ver­lo­renen Klängen von Scelsis Anâgâmin, dem Marcus Pei ein expres­sives, aber nicht weniger sensibles Solo zu Schuberts Lied Du bist die Ruh entgegensetzt.

Adagio Hammer­klavier – Foto © Gert Weigelt

Klassisch orien­tierte Sequenzen, die zeigen, wie viel Schläpfer seinem Nestor und Vorbild Hans van Manen zu verdanken hat. Und der darf auch in Schläpfers 31. Programm nicht fehlen. Van Manens über 40 Jahre alter Klassiker Adagio Hammer­klavier zur extrem langsamen und intro­ver­tierten Inter­pre­tation des Adagios aus Beethovens Hammer­klavier-Sonate durch Christoph Eschenbach demons­triert in Reinkultur, wie sehr van Manen dem klassi­schen Tanz verbunden ist und wie kreativ er dessen Bewegungs­muster erweitert und aufbricht, ohne das Terrain ästhe­tisch vollkom­mener Harmonie auch nur ansatz­weise zu verlassen. Auch wenn Eschen­bachs exponierte Inter­pre­tation die formale Übersicht über den gewal­tigen Satz erschwert: Als Vorlage für die ätheri­schen Bewegungen der drei schlicht und licht geklei­deten Tanzpaare zu sanften Nebel­schwaden im Hinter­grund eignet sie sich ideal. Ein Meisterwerk von zeitloser Gültigkeit, das auch die Tänzer des Rhein­opern-Balletts in Hochform zeigt.

So überra­schend Schläpfer seinen Obelisco mit einer salon­haften Choreo­grafie zu Heubergers Opernball-Musik abschließt, so clownesk endet der Abend mit einer Gemein­schaft­s­cho­reo­grafie von Sol León und Paul Lightfoot, zwei Hauscho­reo­grafen des Neder­lands Dans Theaters. Revue­artig, mit akroba­ti­scher Virtuo­sität treibt das Ensemble in SH-Boom aus dem Jahre 1994 zum offen­sichtlich eigenen Vergnügen und zur Freude des Publikums Schabernack mit Rollen­bildern, bei denen die Männer, überwiegend in Feinripp-Unter­hosen gekleidet, gegenüber den in hochge­schlos­senem Schwarz gewan­deten Damen keine sehr glück­liche Figur abgeben. Eine Farce, weiter nichts. Aber ein munterer Kehraus, den die Tänzer mit viel Witz zum Erfolg bringen.

Insgesamt ein in seiner Vielsei­tigkeit kurzwei­liger Abend ohne beson­deren innova­tiven Anspruch. Das Publikum bedankt sich für die „Erholungs­pause“ mit begeis­tertem Beifall.

Pedro Obiera

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