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LOHENGRIN
(Salvatore Sciarrino)
Besuch am
9. April 2017
(Premiere)
Die leise schwebenden, meist auf- und abschwellenden Töne sind nur in den höchsten Tonhöhen zu hören. Es sind ganz feine, tönende Gespinste. Untermalt wird diese Klangmalerei durch Geräusche, die an Naturlaute erinnern. Dazwischen gibt es aber nur ganz selten plötzliche, jähe Einwürfe von anderen Instrumenten: So reduziert und gleichförmig klingt Lohengrin von Salvatore Sciarrino, der jetzt bei den Salzburger Osterfestspielen in der Großen Universitätsaula realisiert wurde. Der soeben 70 Jahre alt gewordene, italienische Komponist setzt auf den Klang der Stille. Jeder Klang, jedes Geräusch ist Musik. Insgesamt aber ist seine Musik zu gleichförmig.
Zum 50. Geburtstag des Festivals gibt es als eigenen Akzent eine Erweiterung des Programms. Zukünftig soll hier jedes Jahr eine zeitgenössische Kammeroper neu inszeniert werden, wohl auch im Hinblick darauf, dass die Dresdner Semperoper eine Studiobühne hat, die das Projekt übernehmen werden wird.
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Mit der gleichnamigen Oper von Richard Wagner hat diese Geschichte allerdings nichts zu tun, denn der Plot ist völlig konträr und setzt zeitlich später an. Sciarrino diente als Grundlage für diese 1982⁄84 entstandene Kammeroper die Vorlage des symbolistischen Dichters Jules Laforgue, in der die Figur der Elsa im Vordergrund steht. Sie ist die einzige Bühnenfigur, steht einsam und verlassen da. Verlassen von ihrem geliebten Lohengrin, über den sie ihren eigenen Traum hat. Sie sinniert über ihre Vergangenheit und vermischt das mit der Gegenwart. Sehnsucht und Hoffnung sind ihre treibenden Kräfte. Reales verschwimmt mit Irrealem. Auch der Schwan besteht nur als Imagination: Ein Kissen wird in seine Federbestandteile zerlegt und in der Wohnung herumwerfend verteilt. Immer schizophrener wird die Figur. Sie wird zu einer Mischung aus spätpubertierender Lolita und sinnsuchender Hysterikerin.
Regisseur Michael Sturminger, der auserkoren wurde, heuer den neuen Jedermann von Hugo von Hofmannsthal, das traditionsreichste, jedes Jahr aufgeführte und immer ausverkaufte Schauspiel der Salzburger Sommerfestspiele am Domplatz zu inszenieren, weiß das packend umzusetzen: In einer etwas schäbigen Wohnung mit Balkon und weitem Blick über die Dächer der Stadt aufs Land hinaus – die Ausstattung stammt von Renate Martin und Andreas Donhauser – werden bei unterschiedlichem Licht zu unterschiedlichen Tageszeiten faszinierende Stimmungen eingefangen.

Mit Sarah Maria Sun, einer sängerischen Spezialistin für Neue Musik, hat er eine beeindruckende Singschauspielerin gefunden, die nach seinen Vorgaben exzessiv ihre persönlichen Emotionen auslebt und dabei einen eindringlichen Sprechgesang – eigentlich ist es fast nur Sprechen und kaum Gesang und alle nur erdenklichen Geräusche wie Zischen, Gurren, zwitschern, Grunzen – von sich gibt. Es ist eine grandiose Leistung für so ein Solo von rund 70 Minuten, indem sie auch ständig den Rollenwechsel zwischen sich und dem imaginären Schwanenritter vorführt und zum Finale ihr inneres Kind sichtbar mit einem Kissen brutal ermordet.
Dass die Sopranistin Sarah Maria Sun aber auch wirklich singen kann und zwar ganz wunderbar und klar, erfährt man andeutungsweise in einer Art leisen, kaum hörbaren Schlussgesangs sowie schon zuvor ganz deutlich in einem dieser Kammeroper vorangestellten Madrigal von Claudio Monteverdi, in dem auch der dreiköpfige Herrenchor mit dem Tenor Shan Huang, dem Bariton Rupert Grössinger und dem Bass Alexander Voronov tadellos zu singen versteht. Auch vom Komponisten bearbeitete Musik von Gesualdo ist in diesem Prelude zu vernehmen.
Das Österreichische Ensemble für Neue Musik, das auch zukünftig das Projekt mitgestalten soll, unter dem sehr umsichtig und exakt zeigenden Peter Tilling, ebenfalls ein sachkundiger Spezialist für Moderne Musik, weiß die gleichförmigen, sich monotonen, wiederholenden Klangmalereien meist an der Grenze der Hörbarkeitsschwelle, mit Exaktheit und Konzentration ambitioniert umzusetzen.
Zum Finale gibt es stehende Ovationen, wobei aber zuvor auch schon etliche Besucher den Saal während der Aufführung verlassen haben.
Helmut Christian Mayer