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Ritt in die Apokalypse

DON QUIJOTE
(Thomas Fiedler)

Besuch am
7. April 2017
(Premiere)

 

Theater Oberhausen

Unlängst beschäf­tigte sich das Essener Ballett mit einer putzigen, recht verstaubten Tanz-Version des Stoffs. Don Quijote, der „Ritter von der traurigen Gestalt“, Cervantes‘ dicklei­biger Weltklas­siker, ist im Theater, ob in Musical, Oper oder Ballett, nicht so selten anzutreffen wie der umfang­reiche Roman­stoff vermuten lässt. Das Theater Oberhausen hat den hageren Fantasten jetzt in Form eines „mecha­ni­schen Welttheaters mit Musik“ auf die Bretter gestellt. Die rätsel­hafte Gattungs­be­zeichnung zielt auf barocke Vorstel­lungen des Welttheaters ab, und in der Tat lässt Thomas Fiedler, Ideen­geber und Regisseur des zweistün­digen Spektakels, zusammen mit Kostüm- und Bühnen­bildner José Luna keine Gelegenheit aus, das aus den Fugen geratene Getriebe der Welt, in der der scheinbar wahnsinnige Held seine ritter­lichen Tugenden verwirk­lichen möchte, mit großem und raffi­niertem bühnen­tech­ni­schem Aufwand im wahrsten Sinne des Wortes rotieren zu lassen.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Die Drehbühne spielt eine zentrale Rolle. Symbole und Chiffren aus der Welt des Ritters – so etwa eine Frauen­büste, ein Pferdekopf, Flaggen und ein Kreuz – sind wie Trophäen enthaup­teter Gegner auf Pfählen gespießt und drehen sich, von anschwel­lenden Nebel­schwaden umwabert, um sich selbst, bis Don Quijote am Ende sein Leben aushaucht. Ein Szenario, wie man es sich auch als Finale Shake­speare­scher Tragödien, ob Macbeth oder Richard III, vorstellen kann. Ein Ritt auf klapp­rigem Ross in die Apokalypse.

Der Schluss wirkt stark, aller­dings auch unent­schlossen und austauschbar. Wer dieser „Don Quijote“ eigentlich ist, das bleibt im Dunkeln. Wer ist der eigentlich „Wahnsinnige“? Der Ritter, der christ­liche Tugenden reali­sieren will, oder die Umwelt, die ihn dafür verhöhnt? Thomas Fiedler hilft dieser Ungewissheit bewusst und entschlossen nach, wenn er die Titel­partie von einer Frau spielen lässt, der hochge­wach­senen, mit schnei­dender Stimme pointiert artiku­lie­renden Schau­spie­lerin Anja Schweitzer, die der Rolle einen andro­gynen Anstrich verleiht.

Foto © Birgit Hupfeld

Auch sonst wird vieles rezitiert und bebildert, aber wenig erklärt. Der Abend beginnt auf leerer Bühne hörspiel­artig mit einer recht trockenen Lesung der ersten Textab­schnitte aus Cervantes‘ Roman durch Thieß Brummer, bevor auf einer Projek­ti­onswand die Handlung durch Schat­ten­spiele illus­triert wird. Nach diesen einige bekannte Episoden paraphra­sie­renden Eingangs­se­quenzen öffnet sich die Bühne zum Hinter­grund und wird zum Schau­platz des Weltka­russels. Neben Schweitzer und Brammer kommt man mit vier Schau­spielern und einer Statis­ten­gruppe aus, die in verschiedene Rollen schlüpfen und die die einem irrsin­nigen Strudel entge­gen­ei­lende Welt in bizarre und fanta­sie­volle Szenarien von dunkler Unter­gangs­stimmung tauchen. Eine Chiffre auf die Zukunft unserer Zeit? Gespielt wird ausge­zeichnet. Nicht nur von Schweitzer, sondern auch von Janna Horstmann, Klaus Zwick als Sancho Pansa und deren Kollegen, die allesamt in verschiedene Rollen schlüpfen.

Ein Welttheater im barocken Sinn kommt natürlich nicht ohne Musik aus. Komponist Anton Berman und sein Mitstreiter Nico Stallmann sind mit ihrem vielfäl­tigen Instru­men­tarium ständig präsent, wobei auch die Schau­spieler gelegentlich musika­lische Aufgaben übernehmen. Nicht nur singend wie etwa Janna Horstmann oder Anja Schweitzer, sondern auch instru­mental. Berman hat einige schlichte Songs eingefügt und begnügt sich ansonsten mit Klängen, die die Szene meist hinter­gründig und ein wenig unheil­schwanger einfärben. Das zeugt von gutem Handwerk und viel Respekt vor der Szene, setzt aber wenig eigene oder markante Akzente.

Insgesamt ein turbu­lenter, pessi­mis­tisch angehauchter Rückblick in die barocken Zeiten von Cervantes, die wie ein Blick in die Zukunft wirken. Begeis­terter Beifall für ein Stück eigen­wil­ligen und durchaus innova­tiven Theaters.

Pedro Obiera

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