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Orchestergraben vermisst

HÄNSEL UND GRETEL
(Engelbert Humperdinck)

Besuch am
22. April 2017
(Premiere am 21. April 2017)

 

Hochschule für Musik und Tanz,
Köln

In Zeiten wachsender politi­scher Spannungen, eines umstrit­tenen Parteitags und dazuge­hö­riger Demons­tra­tionen in Köln kann ein bisschen Eskapismus in die Märchenwelt von Hänsel und Gretel ganz erholsam sein. Glück­li­cher­weise ist die in der Broschüre enthaltene kurze Analyse gesell­schafts­po­li­ti­scher Bezüge des Werkes zu seiner Entste­hungszeit nur eine inter­es­sante Randnotiz und wird nicht zum Anlass genommen, die Geschichte zwanghaft an aktuelle Gescheh­nisse anzupassen.

Regisseur Igor Folwill erfindet das Rad in seiner Insze­nierung nicht neu und nutzt die Mittel, die ihm die Hochschule zur Verfügung stellt. Die Erzählung wird ungefähr in die Mitte des 19. Jahrhun­derts angesiedelt und verbleibt damit in der üblichen Darstellung des Märchens. Die einzige größere Änderung besteht im Austausch des Zauber­stabs der Hexe durch eine magische Handpuppe, die in der Ofenszene verbrannt wird, worauf die Hexe besiegt zu Boden fällt. Hier verwirrt Folwill wohl absichtlich, da die Hexe in der Schluss­szene wieder erscheint, sich die in einen Lebkuchen verwan­delte Puppe wieder zurückholt und selbst noch nach Fallen des Vorhangs am Bühnenrand verweilt und diabo­lisch lachend ins Publikum schaut. Ein sehr düsterer Verweis darauf, dass ein Happy End in der Realität meist nicht so einfach eintritt. Gleich­zeitig konter­ka­riert Folwill hier seine Intention, dem Spiel durch die Puppe, dem Verzicht auf einen Gewalttod der Hexe und der insgesamt heiteren Insze­nierung eine zeitgemäße kindge­rechte Note zu verleihen.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Bei den Kostümen werden wie in der Insze­nierung keine Experi­mente gemacht. Während Hänsel, Gretel und ihre Eltern ärmlich gekleidet sind, stechen die Kostüme der fantas­ti­schen Figuren wie Engel oder Sandmännchen mit opulenter Farben­pracht hinaus. Dem Bühnenbild hingegen mangelt es etwas an Darstel­lungs­kraft. Das Haus der Eltern ist noch sehr lebendig und bietet viele Möglich­keiten der Inter­aktion, der Wald hingegen ist arg einfallslos und spiegelt nicht die märchen­hafte Atmosphäre des Werkes wieder. Auch erschließt sich die Entscheidung nicht, neben dem Hexenhaus ein weiteres, echtes Lebku­chenhaus in der Mitte der Bühne zu platzieren, obwohl beide Häuser Teil der Handlung sind.

Die Sänger und Sänge­rinnen der Hochschule geben sich von Anfang an keine Blöße und beein­drucken mit nahezu durch­gehend makel­loser Intonation und Artiku­lation. Nur das Orchester stellt sie des Öfteren vor Probleme, da es sich mangels eines Orches­ter­grabens direkt vor der Bühne befindet und fast zwangs­läufig ein ums andere Mal zu laut ist. Neben der sehr guten stimm­lichen Leistung überra­schen die Studie­renden auch mit ihrem Schau­spiel. Besonders Hänsel und Gretel, gespielt von Elena Mohrs, Mezzo­sopran, und Andrea Graff, Sopran, zeigen von der ersten Sekunde an eine enorme Spiel­freude und vermitteln gesanglich wie darstel­le­risch den Eindruck eines harmo­ni­schen Geschwis­ter­paares. Nach der Pause tritt Başak Ceber, Mezzo­sopran, als sinistre Hexe auf und scheint durch eine starke charak­ter­liche Darstellung und eine hoch energe­tische Leistung in Gesang und Spiel die Bühne vollständig zu füllen. Es würde nicht verwundern, wenn man einige der Namen aus der Darstel­ler­liste in Zukunft häufiger in größeren Opern­häusern wiederfindet.

Foto © Christian Nielinger

Auch der Kinderchor, gestellt von der Sänger­jugend Solingen unter der Leitung von Ingrid Fliersbach, leidet unter der Lautstärke des Orchesters. Als Engel und verzau­berte Kinder spielen die Nachwuchs­sänger ihre Rollen zwar etwas schüchtern und zurück­haltend, jedoch souverän.

Ob das Hochschul­or­chester unter der Leitung von Stephan Wehr die Lautstär­ken­pro­ble­matik durch eine etwas sanftere Spiel­weise hätte auffangen können, sei dahin­ge­stellt, denn nach einigen kleinen Schwächen in der Ouvertüre begeistert auch das Orchester mit einer emotional bewegenden und konzen­trierten Darbietung.

Das Publikum im sehr gut gefüllten Konzertsaal der Hochschule honoriert die kurzweilige und musika­lisch exzel­lente Vorführung mit minuten­langem Applaus und verbleibt im Anschluss noch zu großen Teilen im Foyer, um den Sängern zu ihrer Leistung zu gratulieren.

Sebastian Heuckmann

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