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Don Carlo ist eine der beliebtesten Opern von Giuseppe Verdi. Ursprünglich komponierte er die Vorlage von Friedrich Schiller als Grand Opéra für seinen Eintritt ins Pariser Operngeschehen, 20 Jahre später realisierte er eine verkürzte italienische Fassung, die ohne Vorspiel im Wald von Fontainebleau in Genua eine Neuinszenierung erlebt. Dicht ist der Stoff und enthält eine Vielzahl von Konfliktebenen, die auch durch die musikalische Untermalung die Beliebtheit der Oper unterstützen. Hier prallen die weltliche und religiöse Macht aufeinander, Vater und Sohn, höfisches Protokoll mit dem Ruf nach Freiheit und politischer oder persönlicher Unabhängigkeit. Dazu so tiefe menschliche Gefühle wie Liebe und Eifersucht, Treue und Mut.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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All das konnte Cesare Lieve, ein vielbeschäftigter Theater- und Opernregisseur nicht wirklich zum Leben erwecken. Zu wenig agieren die Sänger und Darsteller miteinander, statisch verharren sie oft lange in ihren Posen, ungeschickt in ihren Gesten und ausdruckslos. Dazu taucht Maurizio Bola das Bühnenbild in ein gewaltiges abstraktes Konstrukt aus hell schimmerndem Marmor mit grauer Musterung, monochrom seine Kostüme in hell und dunklem grau gehalten. Das passt sicherlich zur erdrückenden, dumpfen Grundstimmung der Inquisition und des kühlen Palastleben im Escorial, bringt aber wenig Abwechslung für die Handlung. Mehr Lichtregie als Andrea Bolli gestaltet das unkonzentrierte Publikum mit seinen Handys im störenden Dauerbetrieb.
Auch der junge gestenreiche Dirigent Valerio Galli kann am Pult nicht überzeugen und musikalisch Spannung erzeugen. Er unterdrückt den Schwung und die Kraft des sehr gut vorbereiteten Orchesters des Teatro Carlo Felice, denn zu sehr möchte er die Sänger unterstützen.

Die sind aber durchweg sehr gut besetzt und benötigen diese Übervorsicht nicht. Der junge Venezuelaner Aquiles Machado verfügt über einen wohlklingenden, sicheren Tenor bis in die Höhe. In seiner Stimme steckt viel Kraft und Potenzial, leider verliert seine überzeugende Präsenz durch seine kleine, komprimierte Gestalt und unsichere Bewegung aufgrund der verborgenen hohen Absätze in seinen Stiefeln. Svetla Vassileva glitzert wahrlich mit ihrem hellen und silbrigen Sopran, voller Kraft und Farbe. Energisch setzt sie sich gegenüber ihrem Gatten und der Nebenbuhlerin durch. Riccardo Zanaletto kommt nach anfänglicher Zurückhaltung in seiner großen Arie und dem kämpferischen Duett mit dem Großinquisitor – stimmgewaltig Marco Spotti – zu großer Form. Besonders aufgeladen erscheint Franco Vassallo als streitbarer, treuer Marquis Posa. Selbst in den letzten Zügen siechend, schwingt er sich zu einem mächtigen Gesang auf, der durch das ganze Haus dringt. In der dunklen Wärme seines Timbres bleibt er unverkennbar. Mit Hingabe zieht er seine Melodiebögen, schwelgt im Legato und trifft die Töne sicher. Viel Beifall erhält Giovanna Casolla für ihre eindringliche Darstellung der Eboli, ihr Schmerz und ihre Wut über ihr schicksalhaftes Geschenk ist durchdringend, wenn auch ab und an gepresst. Ihr Mezzo ist dunkel, breit in der Tiefe steigt er, ohne schrill zu werden, in die Höhe. Im Schlussbild bricht das mächtige marmorne Grabmal Karls des Fünften auseinander, und Mariano Buccino holt Don Carlo mit seinem Mantel und hoheitsvoller Stimme zu sich.
Viel Beifall für alle Sänger und die Musiker, das Regieteam erscheint nicht an diesem Premierenabend.
Helmut Pitsch