O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Ohne Biss

DER VAMPYR
(Heinrich Marschner)

Besuch am
6. Mai 2017
(Premiere)

 

Theater Koblenz

Nach Glass‘ The Fall of the House of Usher und Eichbergs Glare ist auch die dritte Koblenzer Opern­pre­miere in Folge ein Schau­er­stück. Doch wird der Spielplan nun in der Romantik fündig. Marschners 1828 in Leipzig urauf­ge­führter Vampyr ist ein wichtiges musik­thea­ter­ge­schicht­liches Verbin­dungs­glied zwischen Freischütz und Fliegendem Holländer. Das Werk war in der Bearbeitung Hans Pfitzners bis in die fünfziger Jahre des vergan­genen Jahrhun­derts populär. Weil aber Pfitzners Fassung allzu sehr dessen persön­licher Auffassung von Romantik verpflichtet ist, besorgte Egon Voss die kritische Neuausgabe der Partitur. Die wird im Koblenzer Theater erstmals aufgeführt.

Die Handlung ist trotz erheb­lichen Perso­nal­auf­wands rasch erzählt: Um für ein weiteres Jahr vor der Hölle bewahrt zu werden, muss der Vampir Lord Ruthven seiner diabo­li­schen Dienst­auf­sicht binnen Tages­frist drei durch seinen Biss hinge­raffte Jungfrauen ausliefern. Zwei der Damen werden zur leichten Beute. Malwina Davenant aber ist ungeneigt. Sie liebt Edgar Aubry, dem der Vampir in vorblut­sauge­ri­schen Zeiten das Leben rettete. Ruthven nimmt dem einstigen Freund ein vierund­zwan­zig­stün­diges Schwei­ge­ge­lübde ab. Bevor aber der Vampir seine Zähne in Malwinas schlanken Hals versenken kann, schlägt die Uhr Mitter­nacht. Der Unhold fährt zur Hölle.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Musika­lisch liefert Marschner über weite Strecken eine hörens­werte, aber nicht eben hinrei­ßende Spieloper mit gefällig eingän­gigem Melos. Manches ist schätzbar, haften bleibt wenig. Musik­thea­ter­ge­schichtlich entscheidend ist die noch ganz andere Seite der Oper. Denn vor allem im musik­dra­ma­tisch avancierten zweiten Akt schaffen formal recht frei gestaltete ausgrei­fende Ensembles ebenso wie dekla­ma­to­ri­sches Changieren zwischen Rezitativ und Arie die Voraus­setzung für das Werk Richard Wagners.

Hausherr Markus Dietze nimmt vor allem die Spieloper ins Visier, deren Elemente in einem schwarz­ro­man­ti­schen Schau­er­stück aus heutiger Sicht deplat­ziert wirken. Tatsächlich fordert die betuliche Bieder­mei­er­musik zur Parodie heraus. Die Vollstän­digkeit des in Koblenz präsen­tierten Auffüh­rungs­ma­te­rials verlangt nach einem Feuerwerk von Einfällen, um das Stück in Gang zu halten. Ein grotesk zappelnder Chor und oft zum triefend ironi­schen Outrieren genötigte Sänger­dar­steller nehmen sich amüsant aus, vermögen aber auf die Dauer ein tragfä­higes Konzept nicht zu ersetzen. Die Gaudi nutzt sich ab. In den musik­dra­ma­tisch zukunfts­wei­senden Passagen des zweiten Akts geht der Regie der Atem aus. Stehoper und Trocken­eis­schwaden sind die Folge. Die Dialoge sprechen Mitglieder des Koblenzer Schau­spiel­ensembles aus dem off, während die Sänger­dar­steller stumm auf der Szene agieren. Das sorgt für heitere Augen­blicke. Letztlich aber zielt auch dieser Regie­einfall an den Meriten des Stücks vorbei.

Die Bühne von Dorit Lieven­brück belegt die Leistungs­fä­higkeit des Koblenzer Maler­saals.  Mit hinter­ein­ander gestaf­felten Prospekten von Vampir­höhle und Palast­ar­chi­tektur feiert die Kulis­sen­bühne fröhliche Urständ. Der abschlie­ßende weite Ausblick auf das schot­tische Hochland erinnert an die Landschafts­bilder Gerhard Richters.

Bernhard Hülfenhaus verleiht den Kostümen vor allem der Damen leichte charmant-ironische Schlenker. So eilt Hana Lee mit bieder­mei­er­lichen Schne­cken­zöpfen über den Ohren und in einem Jungmäd­chen­kleid, das uns auf zahllosen Gemälden der Zeit begegnet, über die Bühne wie ihre legendäre Fachkol­legin Henriette Sonntag einst durch die Koblenzer Straßen. Bei den Herren dominieren dunkle Tages­fräcke und wehende Umhänge.

Der von Ulrich Zippelius einstu­dierte Chor samt Extrachor absol­viert seine umfang­reichen Aufgaben versiert und verlässlich.

Foto © Matthias Baus

Enrico Delamboye setzt das Staats­or­chester Rheinische Philhar­monie unter Überdruck. Die brillante Ouvertüre nimmt die Hürden rasanter Tempi um den Preis erheb­licher Ungenau­ig­keiten in allen Instru­men­ten­gruppen. Auch später forciert Delamboye, was das Zeug hält. Sauber ausge­hörte Details werden zur Seltenheit. Die Streicher klingen mager, das Holz tönt fahrig. Die Absicht, die Bieder­mei­er­lichkeit aus der Musik zu vertreiben, ist am Tag. Der Teufel hetzt dem Beelzebub nach.

Bei Bastiaan Everink als Lord Ruthven findet sich im ersten Akt nicht die Spur von Legato. Nach der Pause gewinnt Everinks Bariton an Statur und Durch­schlags­kraft. Auch werden die Töne nun gebunden. Iris Kupke in der Partie der dem Blutsauger trotzenden Malwina gestaltet ihre Partie innig und mit ausge­spro­chenem Stilemp­finden. Der Einfluss des Kunst­liedes ist allent­halben gegen­wärtig. Im substan­zi­ellen Tenor von Tobias Haaks klingt deutlich der Max des Freischütz an, auf den Wagnersche Helden warten.  Hana Lee ist die leicht­sinnige Emmy. Ihre unter musik­his­to­ri­schen Aspekten bedeutsame Romanze lässt das Freischütz-Ännchen hinter sich, um zu neuen unbekannten Ufern aufzu­brechen. Nico Wouterses Sir Humpry ist ein tyran­ni­scher, final dann geläu­terter Braut­vater. Mit dem Quartett Im Herbst da muss man trinken liefern Sebastian Haake, Marco Kilian, Michael Seifferth und Werner Pürling eine shake­speare­hafte, vokale Rüpelszene.

Das Publikum stimmt einer mäßig unter­hal­tenden roman­ti­schen Spieloper zu, deren zukunfts­wei­sende musik­dra­ma­tische Schätze vom Produk­ti­onsteam ungehoben bleiben.

Michael Kaminski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: