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Henry Purcells 1688 uraufgeführte Oper Dido and Aeneas erfreut sich nicht ohne Grund großer Beliebtheit. Eine Kurzoper, die sich überschaubar besetzen und auch ohne großen szenischen Aufwand wirkungsvoll realisieren lässt. Die Lütticher Oper gibt sich damit nicht zufrieden und wandelt das Werk in eine üppige Ausstattungsoper um, wobei sie nicht kleckert, sondern mit allem klotzt, was der technische Apparat hergibt. Dass man durch eine lange, letztlich überflüssige Tanzsuite vor verschlossenem Vorhang und eine ebenso überflüssige ausgedehnte Pause das knapp einstündige Werk auf die doppelte Länge bläht, hat freilich seinen Preis. Ungewollte und vor allem unnötige Längen sind nicht zu verhindern.
Für das Auge bietet das Regie-Duo Cécile Roussat und Julien Lubek, das zugleich für Bühnenbild, Kostüme und die Choreografien zuständig ist, jedoch eine Menge, wenn die Liebe zwischen dem trojanischen Helden Aeneas und der karthagischen Königin Dido von einer Zauberin und Hexen durchkreuzt wird und Dido am Ende ihr kummervolles Leben aushaucht.
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Dido erleidet in Lüttich einen leisen, sanften Tod. Dramatische Impulse gehen von der Inszenierung kaum aus. Die feinfühlige Sensibilität, die den Abend bestimmt, nimmt für sich ein, führt aber angesichts der verkrampften zeitlichen Ausdehnung zu Spannungsverlusten. Dass die Matrosen arg besoffen über die Bühne taumeln und mit akrobatischen Einlagen auf dem Boden und in schwebender Höhe für zirzensisches Kolorit sorgen, kann über die zurückhaltende, mitunter kaum vorhandene Personenführung der Hauptfiguren nicht hinwegtäuschen. Oft belässt es das szenische Team bei anmutigen Tableaus, die durch einfältige Tanz-Choreografien nur wenig belebt werden.

Das alles spielt sich in einer azurblau ausgeleuchteten Bühne ab, die mit fantasievollen Versatzstücken und noch skurrileren Kostümen überrascht. Es ist eine künstliche Märchenwelt, ausgestattet mit pittoresken Felsvorsprüngen, Schiffen, Sänften und vielen optischen Schmankerln, die einem barocken Bilderbuch entsprungen zu sein scheinen. Und vor allem die Kostüme der Nebenfiguren tauchen in eine geheimnisvolle Fabelwelt ein, wenn sich Krakenarme ausbreiten oder anmutige Mädchen in schlichten, weißen Stoffen zur Gambe greifen und eine Art barocken Engelskonzerts anstimmen.
Das alles lässt sich prächtig anschauen. Aber der dramatische Kern wird durch den verträumt-narkotisierenden Grundton der Inszenierung überspielt.
Es scheint, dass sich der Dirigent Guy van Waas von dieser anämischen Stimmung anstecken ließ. Der kann zwar mit dem authentischen Instrumentarium des Barock-erfahrenen Ensembles Les Agrément für farbige, zarte Klänge sorgen, vermag aber die Aufführung nicht so recht in Schwung zu bringen. Dafür konzentriert er sich zu sehr auf einen harmonisch runden Wohlklang anstatt auf die Musik, vor allem in den elegischen Klagegesängen, als affektbetonte Klangreden zu begreifen, wie es sich für eine barocke Oper gehört.
Entsprechend blutarm singt Roberta Invernizzi als Dido ihre Partie, auch wenn gesanglich nichts an ihrer Interpretation auszusetzen ist. Und Benoit Arnould als Aeneas mit seinem schönen, in den Höhen etwas substanzarmen Bariton bleibt vokal ebenfalls zu passiv. Katherine Crompton als Didos Schwester Belinda hat in der Premiere noch mit einigen Intonationsproblemen zu kämpfen. Rundum zufriedenstellend präsentiert sich der Chor.
Das Premieren-Publikum fühlt sich von der pastoral-lyrischen Interpretation des Stücks hörbar angetan. Viel Beifall für eine aufwändige Produktion mit durchwachsenem Ergebnis.
Pedro Obiera