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FALCONE
(Nicola Sani)
Besuch am
13. Mai 2017
(Premiere am 28. April 2017)
Im Mai 1992 wurde der sizilianische Untersuchungsrichter Giovanni Falcone ermordet. Er galt als treibende Kraft im Kampf gegen die Mafia und war federführend beim Mammut-Prozess gegen 400 Mitglieder der Organisation. Trotz vieler Widerstände, auch innerhalb der Regierung und der Justiz, blieb er seiner Mission treu. Sein gewaltsamer Tod brachte die Sizilianer erstmals dazu, öffentlich gegen die Mafia zu demonstrieren. 15 Jahre später setzte der Komponist Nicola Sani, Jahrgang 1961, dem unbeugsamen Staatsdiener ein musikalisches Denkmal und schrieb die quasi dokumentarische Oper Falcone auf ein Libretto, das ausschließlich aus Originaltexten, wie Zeitungsartikeln, Polizeiberichten und Briefen, besteht. Sie spielt auf mehreren Zeitebenen. Ausgangspunkt und immer wiederkehrendes Moment ist Falcones letzter Flug vor dem Attentat, das kurz nach der Landung bei der Heimfahrt verübt wurde. Während des Flugs ziehen Episoden und Gemütszustände seines Lebens an ihm in Rückblenden vorbei: Auseinandersetzungen mit Kollegen, Konfrontationen mit den Angeklagten, aber auch Todesahnung und die Trauer über den Widerstand aus der Bevölkerung gegenüber seinen Bemühungen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Nach der Uraufführung 2007 in Reggio Emilia ist die Kammeroper nun anlässlich des 25. Todestags Falcones erstmals in der Werkstatt der Staatsoper Berlin zu sehen, in deutscher Übersetzung und leicht überarbeiteter, entschlackter Fassung. Das Publikum sitzt an den beiden Längsseiten der Bühne, auf dem Rang sind die Mitglieder der Staatskapelle postiert. Die Spielfläche, von Annika Haller ausgestattet, ist bis auf ein paar Möbel, ein Schreib- und ein Caféhaustisch mit zwei Stühlen leer. Bei den Szenen im Flieger werden zwei Flugzeugsessel auf Schienen herein- und herausgefahren. Benjamin Korn, als Regisseur und Autor politisch gleichermaßen engagiert, inszeniert die Oper konzentriert und – bis auf eine Traumsequenz in einer Disko zu Italo-Pop – fast gänzlich schnörkellos. Dennoch ist es angesichts der Vielschichtigkeit der Handlungsstränge manchmal schwierig, dem Geschehen zu folgen. Zumal auch vier der Akteure wechselnde Figuren verkörpern.
Sanis Komposition fügt sich aus elektronischen und live gespielten Klangflächen zusammen, die nebeneinanderstehen, sich mischen oder überlagern. Dazu kommt ein Frauenquartett als farblicher Kontrast zu den tiefen Männerstimmen. David Robert Coleman koordiniert Instrumentalisten und Sänger souverän und führt mit Umsicht durch die komplexe Partitur. Andreas Macco, optisch Falcone durchaus ähnlich, gelingt eine würdige, facettenreiche und stimmlich überlegene Rollenidentifikation mit dem Richter. Neben ihm bilden Martin Gerke und Milcho Borovinov – mit profundem Bass eine Entdeckung – sowie die Schauspieler Klaus Christian Schreiber und Udo Samel ein darstellerisch intensives und im Tuttigesang bemerkenswert homogenes Ensemble.
Starker Beifall vom Publikum für eine packende, nicht kalt lassende Aufführung.
Karin Coper