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Foto © Gert Weigelt

Zwischen Altar und Imbiss-Bude

b.32
(Martin Schläpfer)

Besuch am
2. Juni 2017
(Urauf­führung)

 

Ballett der Deutschen Oper am Rhein, Opernhaus Düsseldorf

An Martin Schläpfers Scheu vor abend­fül­lenden Handlungs­bal­letten scheiden sich die Geister. Unscharf bei der Diskussion bleibt oft die Frage, was unter „Handlungs­ballett“ zu verstehen ist. Immerhin wird er sich in der nächsten Saison mit Schwa­nensee dem ultima­tiven Flagg­schiff des Genres widmen. Und auch in seinen bishe­rigen abend­fül­lenden Kreationen, also Brahms‘ Deutschem Requiem, Mahlers 7. Symphonie und Hölszkys Deep Field, fischte er nicht nur in trüben Gewässern völliger Handlungsabstinenz.

Probleme bereiten freilich das hohe Abstrak­ti­ons­niveau, das im Verlauf eines recht langen Abends die Orien­tierung erschwert, und das letztlich auch bei einem Choreo­grafen mit nachge­sagtem Kultstatus begrenzte Bewegungs- und Stilre­servoir, so dass sich vieles, was bei den ersten Begeg­nungen mit Schläpfers Arbeiten noch für anregende Überra­schungs­mo­mente sorgen mag, wiederholt und austauschbar wirkt.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz   
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Das betrifft auch Schläpfers neuestes Projekt, b.32 zur Musik von Gioac­chino Rossinis Petite Messe Solen­nelle, das jetzt mit begeis­tertem Beifall im Düssel­dorfer Opernhaus urauf­ge­führt wurde. Schläpfer stellt trotz des geist­lichen Gehalts stärkere konkrete Bezüge her als im Brahms-Requiem. Und zwar, indem er das Geschehen mit dem Alltags­leben einer südita­lie­ni­schen Klein­stadt verknüpft. Da treten tatsächlich Bäcker­jungen und Wurst­ver­käufer auf. Angesichts der ohnehin gewagten Stilklit­terung, mit der der alte Rossini musika­lisch sein Publikum mit Klängen aus Kirche, Oper und Volksfest irritiert, darf auch ein Choreograf die heilige Vorlage durchaus ein wenig säkula­ri­sieren. Dass Schläpfer auf Devotio­na­li­en­kitsch und banale Folklore verzichtet, ist ohnehin selbstverständlich.

Foto © Gert Weigelt

Was aber bekommt das Publikum zu sehen? Eine Frau erwacht, einen Rosen­kranz umschlingend, versucht sich zu orien­tieren, gerät in Panik, während sich vier Männer zu regen beginnen und in ihrer Hilflo­sigkeit ebenso unerhört bleiben wie die Frau. Das Kyrie des Auftakts – Erhöre uns – bleibt ohne Antwort. Es setzt ein dörflich-städti­sches Treiben ein, das Alltags­mo­mente einschließt und in den besten Momenten einen engeren Bezug zum geist­lichen Text herstellt. So etwa, wenn Camille Andriot zum Cruci­fixus, mit Rosen­kränzen überfrachtet, in religiöse Hysterie verfällt oder wenn die Figuren Pietà-ähnliche Posen einnehmen. Stark auch das intro­ver­tierte Agnus Dei, wenn die Damen von den Herren auf hoch erhobenen Händen getragen werden und eine imaginäre Körper-Kette bilden, die an einen Leichenzug erinnern. Es sind Momente, die heraus­ragen, einge­bettet in vielfach gesehenen, routi­nierten Ballast.

Dazu gehört auch Schläpfers Vorliebe für diverses Schuhwerk. Getanzt wird barfuß, auf Spitze und in klobigen Galoschen, womit die Bewegungen eine unter­schied­liche Schwere erhalten. Effekte, die für Abwechslung sorgen, aber weniger für ein zwingendes Konzept. Und das gilt auch für viele andere austauschbare Elemente, die andeuten, dass Schläpfers Bewegungs­re­servoir für abend­fül­lende Projekte ausge­reizt ist. Daran ändert auch der große Einsatz des 45-köpfigen Ensembles nichts. Auch nicht die heraus­ra­genden Leistungen von Christine Jaroszewski oder Mariana Dias.

Bühnen- und Kostüm­bildner Florian Etti schafft dafür eine schwarze Kulisse mit angedeu­teten Bögen und Türmen, die sowohl eine Stadt-Silhouette als auch ein Kirchen­schiff assozi­ieren. Die Kostüme sind bewusst schmuck- und farblos angelegt.

Musika­lisch macht General­mu­sik­di­rektor Axel Kober die Produktion zur Chefsache und leitet das mit zwei Klavieren und einem Harmonium originell besetzte Instru­men­tarium, den Chor der Deutschen Oper am Rhein und das insgesamt robust singende Solis­ten­quartett forsch durch den Abend. Morenike Fadayomi, Katarzyna Kuncio, Corby Welch und Günes Gürle verfügen über große, nicht sehr Belcanto-nahe Stimmen, die aber vortrefflich zum gedeckten Italien-Bild Schläpfers passen.

Auf sein Publikum kann sich Schläpfer nach wie vor verlassen. Auch diesen Ritt zwischen Inspi­ration und Routine, zwischen angedeu­tetem Realismus und abgeho­bener Abstraktion, folgt es mit großer Begeisterung.

Pedro Obiera

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