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Foto © Iford Arts Festival

Kleine Oper ganz groß

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
6. Juni 2017
(Premiere am 27. Mai 2017)

 

Iford Manor

Einge­bettet in die malerische englische Landschaft mit ihren Hügeln, sattgrünen Busch­hecken und Wiesen, ausla­denden Bäumen und grasenden Schafen liegt roman­tisch der kleine Ansitz Iford Manor, zehn Kilometer außerhalb von Bath. Der gefeierte Garten­ar­chitekt Harold Peto schuf dort ein Refugium und gestaltete dort sein Meister­stück, einen kleinen, aber sehr feinen Garten, geschmackvoll auf Terrassen in den aufstei­genden Hügel angelegt. Ein klassi­scher Säulengang, geschmückt mit römischen Statuen, Büsten und Figuren, sowie ein klassi­scher Kreuzgang sind magische Anzie­hungs­punkte für das Auge und die Seele beim Wandeln durch den Park.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Gerade mal 88 Opern­lieb­haber finden Platz an drei Seiten des Säulen­gangs um den zentralen Innenhof, der als Bühne fungiert, die von jedem Platz bestens einge­sehen werden kann. An der Stirn­seite des Kreuz­gangs nimmt das auf 15 Musiker reduzierte Orchester Platz. Seit 20 Jahren organi­siert die jetzige Eigen­tü­mer­fa­milie mit viel Umsicht und Engagement dieses feine, sehr intime Opern­fes­tival mit Hilfe von Judy Edlington als Künst­le­ri­scher Leiterin. Mit Umsicht werden die Opern ausge­wählt und die platz­be­dingten Adaptionen an Partitur und Libretto vorge­nommen. Gesungen wird nur in Englisch, Chorszenen werden auf wenige Stimmen oder Solisten umgewandelt, Instru­men­tal­stimmen an die reduzierte Orches­ter­be­setzung angepasst. Aber es bleibt überra­schend viel erhalten, dass man, einmal gefangen von der Intimität und Nähe, das große Opernhaus vergisst. Die Exotik der Umgebung und das außer­or­dent­liche Hör- und Seherlebnis verzaubern.

Die jungen Sänger werden mit Bedacht und viel Sachkenntnis engagiert und auf die Gegebenheit gut vorbe­reitet. Die profes­sionell ausge­bil­deten Stimmen füllen den geringen akusti­schen Rahmen bis an die Grenze, manchmal auch darüber hinaus, aber das wirkt nicht störend, sondern verstärkt die Direktheit des Hörens. Oliver Gooch am Pult hat bereits mehrjährige Erfahrung in Iford und kommt mit den akusti­schen Restrik­tionen bestens zurecht. Er kreiert einen satten Klang, über dessen Gestaltung mit der minimalen Besetzung von einer Person pro Instru­men­ten­gruppe man sich nur wundert.

Foto © Iford Arts Festival

Mit wenigen Mitteln wird ebenso die szenische Gestaltung von Chris­topher Cowell reali­siert. Mehr Aussa­ge­kraft kommt den flotten Kostümen von Eleanor Wdowski zu, die Jahreszeit, gesell­schaft­lichen Stand, Beruf als auch Natio­na­lität leicht erkennbar wieder­geben. Bunt, voller Farbkleckse ist der Maler Marcello, gesungen von Nicholas Lester, ein Bariton mit weichem Glanz, dessen Stimme viel Kraft für mehr erkennen lässt. Seriöser im abgetra­genen schwarzen Zwirn und gegeltem Haar Antony Flaum als Rudolfo. Vorsichtig steigt er ein und öffnet immer mehr seinen leicht dunkel gefärbten Tenor, ist sicher in der Höhe und breit in der Mitte angelegt. Subtil, gefühlvoll im Ausdruck und besonders im Gebrauch ihrer mächtigen Stimme ist Maire Flavin als Mimi. Ängstlich, aber mit einem gesunden Schuss Koket­terie steigt sie im ersten Akt ein, leidend, verzweifelt den Tod ahnend, sucht sie ihren Geliebten im dritten Akt. Alison Langer ist eine emanzi­pierte, selbst­be­wusste, natür­liche Musette ohne puppen­hafte Allüren. So bleibt sie auch stimmlich frisch und ehrlich ohne schrille Exzesse. James Ioelu als mächtiger Colline und Frederik Long als philos­phi­scher Schaunard ergänzen gut besetzt das Künst­ler­quartett. Allzu schnell verrinnt der Abend mit dem lebhaften Spiel auf der Bühne, in das man sich als Zuschauer unwei­gerlich hinein­ge­zogen fühlt.

Schon öffnet sich wieder die Tür zum Kreuzgang und man tritt hinaus in die frische englische Abendluft. Noch ist es hell, und die Besucher saugen die letzten Blicke in den Garten auf. Am Ausgang warten William und Marianne Cartwright, die Hausherren von Iford, und verab­schieden jeden Gast persönlich mit typisch engli­scher Höflichkeit und Herzlichkeit. Ein beson­derer, unver­gess­licher Opern­abend der anderen Art geht zu Ende.

Helmut Pitsch

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