O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
FIDELIO
(Ludwig van Beethoven)
Besuch am
15. Juni 2017
(Premiere am 11. Juni 2017)
Der Begriff Regie-Theater machte in der Oper Sinn, als man begann, die Inszenierung als Beitrag zu einem tieferen Werkverständnis zu begreifen und nicht nur als illustratives Beiwerk zur Musik. Dass der Begriff in Verruf gekommen ist, haben sich etliche Theater und Regisseure selbst zuzuschreiben, wenn Partitur und Libretto allzu oft kaum noch zur Kenntnis genommen werden. Selbst große Häuser wie die Deutsche Oper am Rhein und die Oper Köln wagen seit einigen Jahren einen Schritt zurück und vertrauen sich altgedienten Theaterleuten an, die noch eine Partitur lesen können und bereit sind, das Libretto wenigstens zu lesen. Das ist mit der Verpflichtung von Michael Hampe in Düsseldorf mit Mozarts Figaro und in Köln vor zwei Jahren mit Puccinis La Bohème recht gutgegangen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Schließlich führte Michael Hampe 20 Jahre lang von 1975 bis 1995 als Intendant die Kölner Oper zu künstlerischen Höhenflügen und legte damit seinen Nachfolgern eine herausfordernd hohe Messlatte an. Jetzt, im gesetzten Alter von 82 Jahren, nutzt er seine Erfahrungen für Inszenierungen, die durch handwerkliche Perfektion und vorbildliche Werkkenntnisse gekennzeichnet und fernab von allen Anflügen spektakulären Regietheaters bei Publikum und etlichen Intendanten immer noch oder wieder willkommen sind.
Zu Beethovens musikdramatischem Schmerzenskind Fidelio ist Hampe freilich nicht viel mehr eingefallen als eine betuliche Übersetzung der Regieanweisungen. Und zwar mit allen Klischees händeringender, geknechteter Gefangenenseelen, gemütlicher Hausarbeit in der Stube des Kerkermeisters, hüteschwenkender Chormassen nach Leonores heldenhaftem Befreiungsakt und viel Stillstand.
Damit unterstreicht Hampe den auf die persönliche Gattenliebe reduzierten Tenor des eher biedermeierlich als revolutionär angelegten Librettos, mit dem sich Beethoven selbst nach der vierten Umarbeitung nicht zufriedengeben wollte. Die visionäre Sprengkraft einer allumfassenden Freiheitsutopie, die in den besten Momenten der Partitur anklingt, findet in Hampes Inszenierung keinen Niederschlag. Auch nicht in den düsteren Kulissen Darko Petrovics, der freilich die undankbare Aufgabe zu erfüllen hatte, Konzeptskizzen des plötzlich verstorbenen Bühnenbildners John Gunter auszuführen.

Zu sehen ist Oper in der Dunkelkammer, beherrscht von düsteren Gewölben, die im Finale nur kurz aufbrechen und ein wenig Licht einfließen lassen. Immerhin misstraut der Bühnenbildner dem überrumpelnd forschen Jubelgesang des Chores, indem er das Tor zur Freiheit wieder schließen und die dicken Mauern in Bewegung setzen lässt, die die Menschen zu erdrücken drohen.
Bringt das problematische Libretto jeden Regisseur in kaum lösbare Schwierigkeiten, haben es die Musiker und Sänger nicht leichter. Alexander Rumpf animiert das Gürzenich-Orchester zu einem vorwärtsdrängenden, klanglich robusten Spiel, das den appellativen Charakter des Stücks erheblich pointierter zum Ausdruck bringt als die Inszenierung.
Die Schwierigkeit, dass Beethoven auf vokalen Schöngesang keinen Wert legte und entsprechend wenig Rücksicht auf die Möglichkeiten der Stimmen nahm, wird durch diesen Ansatz allerdings nicht gemildert. Emma Bell in der heiklen, kräftezehrenden Partie der Leonora verfügt über einen konditionsstarken Sopran, mit dem sich die Anforderungen auf achtbarem Niveau erfüllen lassen. Im Prinzip trifft das auch auf den Tenor David Pomeroys in der ebenso kniffligen Rolle des Florestan zu, dessen Vortrag freilich durch unnötig hässliche Vokalverfärbungen getrübt wird. Und der „Brüll“-Partie des Pizarro kann Samuel Youn mit seinem mächtigen Bariton so viel Gesangskultur entgegenstemmen, wie es die Rolle zulässt. Am Unbeschwertesten aussingen darf sich Ivana Rusko als Marzelline, die die abgerundetste Leistung des Abends liefert, dicht gefolgt von Stefan Cerny als Rocco und Dino Lüthy als Jaquino. Nicht zu vergessen der auf hohem Dezibel-Niveau agierende Chor der Kölner Oper.
Freundlicher, nicht allzu enthusiastischer Beifall für alle Beteiligten. Kompliment für das Publikum der B‑Premiere, das sich mit Beifall an den falschen Stellen zurückhält.
Pedro Obiera