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DAS RHEINGOLD
(Richard Wagner)
Besuch am
23. Juni 2017
(Premiere)
Es ist immer problematisch, ein Urteil über einen neuen Ring zu fällen, bevor nicht der Vorhang zur Götterdämmerung gefallen ist. Insofern sind Beobachtungen zum Rheingold, mit dem die Deutsche Oper am Rhein ihre mit großer Spannung erwartete und nicht minder großem Medien-Hype begleitete Neuinszenierung von Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen eröffnete, allenfalls als hypothetisch befrachtete Angaben unter Vorbehalt zu werten. Schließlich stehen noch drei weitere, lange Abende bevor, bis der neue Ring fertig geschmiedet sein wird.
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Fest steht allerdings, dass die Rheinoper traditionell auf eine stolze Wagner-Tradition zurückblicken kann, aber seit Kurt Horres‘ Inszenierung vor 25 Jahren keinen Ring mehr stemmte. Damit lastet eine schwere Hypothek auf den Schultern des Regisseurs Dietrich W. Hilsdorf, der zwar die Rheinoper gut kennt, sich mit Wagner freilich erst seit relativ kurzer Zeit auseinandersetzt und das aus einer nach wie vor distanzierten Perspektive, was kein Nachteil sein muss.
Bei aller Vorsicht: Abzusehen ist jetzt schon, dass Hilsdorf nicht die Götter- und Heldenmythen interessieren, sondern die Handlung eher als Familien-Saga zweier machtbesessener Gründerzeit-Clans verstanden wissen will. Mit dem Blick durch die sozialkritische Brille Emile Zolas und einigen Assoziationen an Strindberg-würdige psychische Entgleisungen innerhalb mächtiger Clans. Ein ins Halb-Private reduziertes Ambiente, von Bühnenbildner Dieter Richter in einem Salon des späten 19. Jahrhunderts angesiedelt, der sich geschickt in das Nibelheim-Kontor des zum Ausbeuter mutierten Großindustriellen Alberich wandeln lässt. Das alles eingebettet in einen Rahmen, der an ein Revue-Theater erinnert, in dem um das Direktorenszepter gestritten wird. Wotan als Oberhaupt des Konkurrenz-Unternehmens zum industriellen Ausbeuter-Betrieb Alberichs wirkt bereits in Hilsdorfs Rheingold geschwächt, im Gegensatz zu seiner resoluten Gattin Fricka und zum Machttrieb Alberichs. Moralisch haben sich die Gegenspieler ohnehin nichts vorzuwerfen: Umwelt, ethische Skrupel und Lebensbedingungen der Menschen sind beiden völlig schnuppe.

Entsprechend glanzlos fällt der von Wagner mit bombastischem Pathos ironisch überfrachtete Einzug der „Götter“ in die neue Repräsentations- und Kultstätte Walhall aus. Wotan präsentiert sich hier als ein Gott, dem man im Kampf gegen den agilen und völlig moralabstinenten Alberich wenig Chancen einräumt und der sich das Heft von Loge, dem umstrittenen Feuergott aus der eigenen Sippe, aus der Hand nehmen lässt. Ein Ansatz, der die Neugier auf die Fortsetzung des Rings schürt. Lässt sich der Streit, der letztlich in eine Art Weltkrieg ausufert, angesichts der so ungleichen Kräfteverteilung der beiden Kontrahenten über drei weitere lange Abende mit der nötigen Spannung weiterführen? Und kann angesichts der „privaten“ Perspektive der Inszenierung Wagners weltumspannende Kritik am Materialismus in der gebührenden Größe und Nachhaltigkeit zum Ausdruck kommen?
Hilsdorf nähert sich dem Rheingold wie einem Kammerspiel. Es sind Feinheiten in der durchdachten und handwerklich perfekt ausgefeilten Personenführung, es sind ironische Seitenhiebe, die seine Werksicht bestimmen. Große, spektakuläre Auftritte werden vermieden. Der Regenbogen, auf dem die Götter in Walhall einziehen, wird reduziert auf eine bunte Lichterkette, die nicht zur Brücke taugt. Folgerichtig verharren Wotan und Fricka am Ende starr auf der Stelle.
Mit zweieinhalb Stunden lässt sich dieser sensible Ansatz ohne große Spannungsverluste umsetzen. Wie es in der handlungsärmeren Walküre weitergehen wird, wird sich in der nächsten Spielzeit zeigen. Was Hilsdorf in seiner Essener Walküre gezeigt hat, reicht jedenfalls nicht aus, um den gesamten Ring bei Laune zu halten.
Dass sich Wagners vor allem im Rheingold stärker noch als in weiten Teilen der Walküre mächtig auftrumpfende orchestrale Opulenz mit Hilsdorfs Werksicht reibt, ist unüberhörbar. Generalmusikdirektor Axel Kober tut gut daran, diese Widersprüche nicht glätten zu wollen, sondern lotet die Wechselbäder der von kammermusikalischen Delikatessen bis zu explosiven Höhepunkten reichenden Partitur voll aus, wobei im Düsseldorfer Opernhaus eine ideale Klangbalance zwischen Streichern und Bläsern kaum zu erreichen ist.
Das vokale Niveau kann sich hören lassen. Norbert Ernst spielt und singt die messerscharf profilierte und deutlich aufgewertete Partie des Loge mit der Souveränität und schillernden Hintergründigkeit aus, die man von ihm erwarten darf. Michael Kraus verkörpert einen ausstrahlungsstarken und stimmlich etwas rauen Alberich. Simon Neal als angeschlagener Wotan hält sich szenisch und stimmlich zurück und wird sich vor allem in der Walküre beweisen müssen. Renée Morloc stattet die Partie der Fricke mit der nötigen Durchsetzungskraft aus. Cornel Frey als Mime, Bogdan Talos als Fasolt und das Rheintöchter-Terzett mit Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia runden die exzellente Ensembleleistung ab. Ebenso wie Renée Morloc als Erda, Sylvia Hamvasi als Freia und Thorsten Grümbel als Fafner mit verlässlichen Leistungen.
Überwiegend begeisterter Beifall für alle Mitwirkenden, einige Buh-Salven müssen der Regisseur und sein Team einstecken.
Pedro Obiera