O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DON CARLO
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
29. Juni 2017
(Premiere am 13. Februar 2016)
So sieht ein Aufeinandertreffen der Zeitgenossen Wagner und Verdi am Rhein aus: Während stromaufwärts in Düsseldorf gerade der Auftakt zu Wagners Ring gefeiert wird, lockt die kulturelle Partnerstadt Duisburg mit der Wiederaufnahme von Verdis Don Carlo die Freunde der italienischen Oper heran.
Guy Joostens Inszenierung, die 2016 ihre Premiere feierte, scheint unter der Spielleitung von Tibor Torell idealen Repertoire-Charakter zu haben. Denn die recht klassisch gehaltene Inszenierung wirkt recht gut aufzuwärmen und gewinnt viel von ihrer Wirkungskraft durch das Bühnenbild von Alfons Flores und Sarah Bernardy. Am spanischen Hof zu Zeiten der Inquisition sind die Protagonisten in einem goldenen Käfig gefangen. Die Wände wirken auf den ersten Blick robust, sind aber in der Beleuchtung von Manfred Voss dann plötzlich dünnhäutig. Personen können schemenhaft angedeutet werden, es können Sehnsüchte sein oder auch Spitzel der Kirche. Mit Hilfe einer meist geräuschlosen Zugkraft werden Zwischenwände eingesetzt, die Bühne wird geschickt vergrößert oder begrenzt. Der Raum als Spiegelbild für öffentliches Interesse und private Auseinandersetzungen und durch die zahlreichen Öffnungen kann jederzeit die nächste Überraschung hereinbrechen. Die Zeit wird durch die schönen Kostüme von Eva Krämer angedeutet. Für die Herren gibt es uniformartige, ornamentbestickte Anzüge. Die Damen dürfen sich der Vielseitigkeit schöner Kleider erfreuen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Von der Regie an sich ist ansonsten nicht viel Positives oder Negatives zu berichten. Die Sänger können sich je nach eigenen Fähigkeiten in einer schlüssigen Nacherzählung gut in Szene setzen und sich vor allem aber auf das Singen konzentrieren. Die vokale Seite fällt an diesem Abend recht ansehnlich aus, während das Bewegungsrepertoire – Mimik und Gestik eingeschlossen – einiger Sänger dringend erweitert werden müsste. Besonders auffallend ist das bei Najmiddin Mavlyanoiv, der von Akt zu Akt in der Bühnenpräsenz nachlässt. Rein gesanglich mag man auch manche Farbe vermissen, aber er singt die Partie ausdauernd und mit kräftiger Höhe. Ein solider Titelheld, nicht mehr und nicht weniger. Immerhin ist er im berühmten Duett mit Rodrigo noch voller Energie. Denn das wird dank Bogdan Baciu zu einem ersten frühen Höhepunkt der Aufführung. Mit Baciu steht ein echter Kavalierbariton auf der Bühne, der nur den Mund aufmachen muss, um den Raum mit einer kräftigen und sehr angenehm timbrierten Stimme zu fluten. Mit seiner sehr lockeren, auch leicht provozierenden Art steht er im Kontrast zu der Körpersprache von Adrian Sâmpetrean, der einen sehr nachdenklichen, in sich gekehrten Filippo II spielt. Seine schön fließende Stimme verfügt noch nicht über die „Altersweisheit“, die man gerne mit dieser Partie verbindet, aber das kompensiert er mit seiner durchdachten Textgestaltung. Ihm und dem Großinquisitor des – in einem positiven Sinne – fürchterlichen Sami Luttinen gehört in ihrem Streit um weltliche und kirchliche Gewalt der zweite Höhepunkt des Abends. Ein bassgewaltiges Treffen, schrecklich gut unterstützt aus dem Orchestergraben. Die Gedanken eines absichtlich nicht zu identifizierenden Mönches werden von Beniamin Pop nachdrücklich in den Raum geworfen.

Wunderschöne Schwelltöne und einen ruhig schwingenden Sopran zeichnen die Elisabetta von Celine Byrne aus, die aber trotzdem in ihrer Darstellung noch etwas zu verhalten bleibt. Da ist Khatuna Mikaberidze in ihrer Charakterzeichnung der Eboli eindeutiger, die ihren engagierten Abend mit einem leidenschaftlichen O don fatale krönt. Bei ihrer ersten Arie mischen sich bestens die Frauenstimmen des Chores dazu.
Die von Gerhard Michalski einstudierte Gemeinschaft aus Chor und Extrachor glänzt mit Gesangskultur, muss sich – wenn sie im Hintergrund positioniert ist – nur dem Orchester-Forte geschlagen geben. Das ist tatsächlich der einzige Nachteil in einem sehr schön dirigierten und musizierten Don Carlo. Manches Forte ist dann einfach eine Spur zu laut für die Sänger. Aber ansonsten achtet Dirigent Lukas Beikircher sehr gut auf seine Sänger. Wenn sie ihm mal entwischen, dann fängt er sie wieder ein und hebt aufmunternd den Daumen. Irgendwie eine süße Geste. Die Duisburger Philharmoniker können zwar nicht konstant an ihren besten Momenten festhalten, leisten aber einen beachtlichen Anteil an der dramatischen Wirkung. Allein zu hören, wie sich Celli, Kontrabässe und Blech in diesem düsteren Motiv des Großinquisitors herein wälzen, ist den Besuch der Aufführung wert.
Das Orchester bekommt zu Recht nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Sängern Applaus. Letztere bekommen viele Bravorufe und einen langen Beifall ab, nachdem es schon während der Oper immer wieder kurzen Zwischenapplaus gibt. Schade, dass einige Sänger diesen gar nicht so recht genießen, sondern sich unterhalten. Das wirkt dann unprofessionell und desinteressiert – vor allem, wenn das Publikum mal nicht direkt nach dem letzten Ton nach draußen rennt.
Rebecca Hoffmann