O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
In Sachen Handlungswirrwarr hat Joseph Haydns komische Oper La fedeltà premiata – Der Lohn der Treue – einen Ehren-Oscar verdient. Das will was heißen, überbieten sich doch etliche Handlungen vor lauter Irrungen und Wirrungen turmhoch. Die Aachener Musikhochschule hat mit ihren verdienstvollen Gemeinschaftsproduktionen mit dem Theater Aachener in den letzten Jahren gewiss schon gehaltvollere Stücke von Mozart bis Britten auf die Beine gestellt als Haydns chaotische Verwechslungskomödie. Dennoch ist die nicht ganz grundlos kaum bekannte Oper aus dem Kuriositätenschränkchen des Repertoires keine schlechte Wahl für die Hochschulproduktion.
Das Werk strotzt vor Temperament und Witz, und Haydns Musik sprüht vor Esprit und Originalität. Ein durchaus geeigneter Nährstoff für Nachwuchssänger, die sich mit jugendlicher Frische freispielen wollen und dankbare, aber machbare vokale Aufgaben bewältigen wollen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Die Handlung ist so verwickelt, dass man auf dem Programmblatt gleich auf eine Inhaltsangabe verzichtet hat. Der Kern liegt in der gemeinen Forderung der Göttin Diana, einem Ungeheuer jährlich das treueste Paar des Landes opfern zu müssen. Ein pfiffiger Einfall in einer liebestollen Gesellschaft, in der es zu verqueren Beziehungen kommt, belastet von dem Damoklesschwert optimaler Treue. Es geht lange Zeit alles kreuz und quer durcheinander und am Ende natürlich doch gut aus.
Die Regisseurin Tamara Heimbrock tut gut dran, diesem Vexierspiel erst gar keine innere oder äußerliche Logik aufpfropfen zu wollen. Sondern sie arrangiert die Ränkespiele wie eine Lotterie, indem die Darsteller jeder Szene und damit auch die potentiellen Liebespärchen scheinbar ausgelost werden, die ihre Rollen mit ansteckender Spiellaune und viel Theaterkomik ausspielen. Kompliment für die Regisseurin, dass sie dabei ein feines ironisches Händchen erkennen lässt und auf klamottenhaften Firlefanz verzichtet.

Dadurch erhält die Geschichte eine distanzierte Folie, die durch die auf offener Bühne vollzogenen Kostümwechsel mit den Kostümen von Lea Reusse und die raffinierten Lichtspiele von Manuel Michels verstärkt wird. Das alles ist angesiedelt in eine von Detlev Beaujean mit Baum-Silhouetten versehene Arkaden-Landschaft, die ein geschmackvoll-abstraktes Ambiente für das wirre Schäferspiel liefert.
Haydns Musik glänzt mit Energie und Witz, durchsetzt mit originellen Einfällen, bei denen auch schon mal ein Kontrabass mit dem Sänger in Konkurrenz tritt. Herbert Görtz, Dekan der Musikhochschule Aachen, animiert das Orchester der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen zu einem erfreulich agilen und sauberen Spiel. Und das betrifft auch die blutjunge Sängercrew, die bis in die kleinste Chorrolle zeigt, dass die Gesangsausbildung in Aachen und Köln auf stabilen Füßen ruht. Detaillierte Leistungsbeschreibungen wären an diesem Ort deplatziert und bleiben den Gesangslehrern vorbehalten. Auffallend ist freilich die immer stärker wachsende Phalanx ostasiatischer, sehr begabter Sänger, die Hälfte des zwölfköpfigen Ensembles ausmachen.
Wenn hier doch einzelne Sänger hervorgehoben werden, dann soll das nicht die Leistungen der anderen abwerten, sondern bezieht sich auf einige von Haydn besonders dankbar angelegte Partien, die der Nachwuchs vorzüglich bedient. Genannt seien Anna Christin Sayn, mit einem glockenhellen Soubretten-Sopran ausgestattete Nymphe Nerina, die Mezzosopranistin Sissi Qi Wang als elegisch angehauchte Schäferin Celia und Woongyi Lee als liebesschmachtender Schäfer Fileno. Die meisten Rollen werden doppelt besetzt, wobei auch die Chorpartien getauscht werden.
Das Premierenpublikum genießt die Aufführung mit sichtlichem Vergnügen und reagiert entsprechend lautstark, nicht nur beim verdienten Schlussbeifall.
Pedro Obiera