O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DIE FRAU OHNE SCHATTEN
(Richard Strauss)
Besuch am
2. Juli 2017
(Premiere am 21. November 2013)
Selten erlebt man in einem Opernhaus so einen frenetischen Jubel, ein solches Bravo-Gebrüll und wildes Getrampel wie diesmal bei der Wiederaufnahme von Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten an der Bayrischen Staatsoper in München – die Premiere dieser Produktion war 2013 – bei den sommerlichen Opernfestspielen. Die Begeisterung gilt in erster Linie dem Mann am Pult. Und zu recht, denn Kirill Petrenko weiß im Bayrischen Staatsorchester ätherisch schöne Klänge zu erzeugen. Es entstehen unter seinem subtilen, aber auch zupackenden Dirigat eine feine kammermusikalische, die Sänger nie zudeckende Transparenz, eine herrliche Klangpracht und Momente von überirdischer Schönheit: Ganz besonders bei den Lyrismen, wenn die Kaiserin das Reich ihres Vaters Keikobad betritt und über einem subtilen Klangteppich der Konzertmeister ein engelgleich schönes Violin-Solo spielt. Die Zwischenspiele wiederum sind von zwingender, überwältigender, dramatischer Kraft.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Dieses komplexeste Werk des kongenialen Duos Strauss und Hugo von Hofmannsthal, dessen Uraufführung 1919 in Wien stattfand, diese märchenhafte Oper war auch immer das Lieblingskind des großen bayrischen Komponisten. Und es stellt immer eine große Herausforderung für ein Opernhaus dar, die entsprechend zu besetzen. Denn zur entsprechenden Realisierung bedarf es eines Sängerensembles von herausragender Güte.
Die Bayrische Staatsoper München kann zweifellos mit einem solchen aufwarten: Eine Klasse für sich ist einmal Elena Pankratova, die ein zwischen Verzweiflung und Hysterie changierendes Frauenbild der Färberin abliefert und mit elementaren, hochdramatischen, packenden Attacken und ungemein starker Bühnenpräsenz aufwarten kann. Ihr steht Wolfgang Koch als ihr Mann Barak gleichwertig zur Seite, ein Färber mit wunderbar schönem und weichem, ja samtigem Bariton voll menschlicher Wärme, der vor allem mit Mir anvertraut, dass ich sie hege … und dem in subtilsten Piani gesungenen Fürchte dich nicht sehr rührt.

Die Töne von Ricarda Merbeth als Kaiserin sind zwar makellos, hell und klar. Und sie kann auch den Weg von der weltfremden, ätherischen Erscheinung zum vollwertigen Menschen mit etlichen emotionalen Ebenen glaubhaft darstellen. Es fehlt ihr jedoch etwas an feinen Piani und an tiefergehender Innigkeit. Michaela Schuster spielt und singt die Amme beeindruckend dämonisch und kraftvoll. Über ein feines tenorales Material verfügt Burkhard Fritz als Kaiser. Leider wirkt seine Stimme für das Haus vor allem im letzten Akt ein wenig zu klein und zu eng. Von den kleineren, makellos besetzten Partien sei noch Sebastian Holecek als warmtönender Geisterbote hervorgehoben.
Die Inszenierung aus 2013 stammt wieder von Krzysztof Warlikowski, die Ausstattung hat einmal mehr von Malgorzata Szczesniak erdacht. Sie ähnelt von den Stilmitteln her sehr jener von Franz Schrekers Oper Die Gezeichneten vom Vortag: Der große, eigentlich schlichte, holzvertäfelte Raum kann sich mit zwei Doppelflügeln nach hinten auf die doppelte Tiefe öffnen. Dahinter erkennt man dann einen sterilen, weiß gekachelten Saal, der ein Krankenhaus, eine Psychiatrie oder sogar eine Pathologie sein kann. In dieser kalten und nüchternen Szenerie erkennt man eine klare und schlüssige Personenführung. Die Regie selbst ist sehr symbolreich und tiefenpsychologisch durchdacht. Mystische oder geheimnisvolle Momente sind ihr jedoch völlig fremd.
Großer, aber durchaus abgestufter Jubel auch für die übrigen Protagonisten.
Helmut Christian Mayer