O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
LA SIGNORA DORIA
(Rainer Holzapfel)
Besuch am
7. Juli 2017
(Uraufführung)
Ähnlich wie seine zwei Hauptprotagonisten, die Kommissare Sigrid Hansen und Oskar Kowalewski, durch „puren Zufall“ auf den juristisch längst abgeschlossenen Fall der Doria Manfredi stoßen, scheint auch Rainer Holzapfel eher zufällig auf die Idee gekommen zu sein, einem bunten Potpourri von Puccini-Melodien eine kriminalistische Rahmenhandlung zu verpassen, die er „ganz charmant“ findet. Und so lässt er die beiden heutigen Kommissare in die Zeit und gesellschaftliche Umgebung um 1900 stolpern, wo sie im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Selbstmord von Doria, dem Hausmädchen der Puccinis, viele heutige Fragen stellen, denn sie ahnen Schlimmes. Wurde Dorias Jungfräulichkeit nach ihrem Tod untersucht, weil etwa Puccini …, hat Puccini den Arzt bestochen …? Kommissarin Hansen, souverän und routiniert dargestellt von Renate Krößner, wittert Unheil, wühlt mit ihrem Kollegen Kowalewski in alten Akten und … ermittelt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Mit einem rückwärtigen Zeitsprung taucht die Hansen als Dienstmädchen „undercover“ im Hause der Puccinis auf, beobachtet den Hausherrn bei seiner Kompositionsarbeit, in seinen Auseinandersetzungen mit seiner immer wieder betrogenen, zickigen Ehefau Elvira und bei seinen „Landungsversuchen“ bei verschiedenen Damen. Der italienische Lebemann mit „seiner überstarken Libido“ kann trotz vieler Zerwürfnisse auf seine Frau als Künstlerin und Partnerin nicht verzichten, die ihm mal eine fehlende Künstlerin, mal die ersehnte Geliebte ersetzt. Auch Doria möchte sich gern dem Charme ihres Maestros hingeben und stimmt gern in sein Liebesduett mit ein, ohne zu bemerken, dass sie eine Eroberung neben vielen anderen ist. Als sie die Bitternis der Realität erkennt, ist es zu spät, sie zieht „ einen verklärten Operntod“ mit Gift dem öden Leben vor. Selbst der Kommissarin geraten zum Schluss Fantasie und Wirklichkeit durcheinander, als sie mit gezogenem Revolver auf Puccini losstürmt, der auch ohne ihr Zutun tot zu Boden sinkt. Ganz Profi kann sie noch feststellen: „Puccini ist gefährlich“.
Dass diese Rahmenhandlung der schillernden Figur Puccinis klareres Profil verleiht, kann man kaum behaupten. Während vor allem im ersten Teil die Puccini-Arien noch als die Ergebnisse der Kompositionsarbeit des Meisters quasi „zwanglos“ eingeflochten werden können, sind die Musikbeiträge im zweiten Teil nahezu beliebig eingestreut. Die ausgewählten Arien aus La Bohéme, Madama Butterfly und schließlich Tosca stehen für sich und sind wohl deshalb so populär geworden und geblieben, weil sie ohne jede Rahmenhandlung eine ins Ohr und ans Gemüt gehende Musik darstellen.

Puccinis Musik wird von den Darstellern ohne Einschränkung bestens präsentiert. Als Giacomo Puccini überzeugt James J. Kee mit locker-leichtem Auftreten und einem klaren, tragenden Tenor, dem auch die ironische Note nicht fehlt. Anna-Maria Kalesidis bringt mit weichem Sopran gefühlvoll die liebend-leidende Ehefrau wie die zänkisch-giftige Betrogene, Jamila Raimbekova glaubt man das naive Hausmädchen nur kurze Zeit. Ihre verführerische Sopranstimme und ihr Ausdruck sind zu schön, um ihr trauen zu können. Auch Chulhyun Kim überrascht mit einem ausdrucksstarken Tenor, dem freilich der Belcanto-Klang fremd bleibt. Dem stark auftretenden Opernchor hat Franziska Just ein Dienstmädchen-Outfit verpasst, was angesichts der kräftigen Männerfiguren mancher Szene eine witzige Note verleiht.
Die Norddeutsche Philharmonie unter Manfred Hermann Lehner bewegt sich auf sicherem Gelände und hat keine Mühe, die eingängigen Melodien Puccinis in dem Provisorium der ehemaligen Schiffbauhalle am Ufer der Warnow klingen zu lassen.
Doch ob das knapp angedeutete Kommissariat oder Puccinis Arbeitsstil mit Notenpapier und Stift die Szene andeuten, Hauptmotor des Abends bleibt Puccinis Musik, von der sich mancher Zuschauer gern hinwegtragen lässt. Und so wenden sich die beiden Kommissare fast wortlos dem nächsten Fall zu, die Zuhörer aber nehmen Giacomos und Dorias Liebesduett oder Mimìs Arie mit auf den Heimweg. Die Künstler müssen sich mit einem sparsamen Beifall aus der knapp besetzten Halle 207 der ehemaligen Neptun-Werft begnügen.
Horst Dichanz