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Foto © Wolfgang Fuhrmannek

Rückreise nach Boston

EIN MASKENBALL
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
15. Juli 2017
(Premiere)

 

Kammeroper Frankfurt

Mit dem Maskenball steigt die Kammeroper Frankfurt ins gehobene Reper­toire ein, das zu stemmen manch kleinem Stadt­theater nicht leicht fällt. Das Wagnis findet bei angenehmen Tempe­ra­turen in einer beinahe ausver­kauften Premiere im Musik­pa­villon des Frank­furter Palmen­gartens statt. Die Atmosphäre hat eigenen Charme. Das Publikum trinkt während der Vorstellung Wein und Bier, einige Leute knabbern an Brezeln, holen Nachschub am Geträn­ke­stand, die jüngeren schauen auch schon einmal, was gerade auf ihrem Smart­phone passiert. Um nicht allein das Musik­theater lebendig und breiten­wirksam zu erhalten, braucht es solch niedrig­schwellige Angebote, wie sie die Kammeroper Frankfurt bietet.

Der Chef des Ensembles, Rainer Pudenz, wirkt wie der sympa­thische Zwilling von Thomas Bernhards Theater­macher Bruscon.

Gesungen wird wie an der Kammeroper Frankfurt üblich in deutscher Sprache. Eigens dafür hat Thomas Peter das Libretto neu übersetzt. Manche dennoch antiquierte Wendung mag auf die bei einem solchen Unter­nehmen übliche Silben­ste­cherei zurückgehen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

In Frankfurt entscheidet man sich nicht für die längst rehabi­li­tierte ursprüng­liche Fassung der Oper, die in Schweden spielt, sondern für die von der Zensur des Kirchen­staates seinerzeit als Voraus­setzung der Urauf­führung in Rom gefor­derte Verla­gerung der Handlung nach Boston. Älteren Opern­be­suchen klingen daher die Namen Riccardo und Renato vertraut, die jüngeren sind an Gustavo und Anckar­ström der ursprüng­lichen Version gewöhnt.

Die Figuren werden von Pudenz handwerklich solide, dabei über weite Strecken durchaus konven­tionell geführt. Mitunter legt handfeste Ironie die Unwahr­schein­lich­keiten der Handlung bloß, etwa, dass Renato die eigene Frau nicht wenigstens an der Stimme erkennt, wenn sie schon verschleiert ist. Amelia verhüllt sich daher bei Pudenz mit einem allzu trans­pa­renten Miniatur-Braut­schleier. Gelegentlich changiert die Regie unent­schieden zwischen Satire und blutigem Ernst. So nimmt sich Riccardos hochpa­the­tische Sterbe­szene wie ein bloßer Betriebs­unfall aus.

Foto © Wolfgang Fuhrmannek

Für die Bühne zeichnen Frank Keller und der im Centre Pompidou schon ausge­stellte spanische Maler Mateo Vilagrasa verant­wortlich.  Das Duo fokus­siert sich auf die große raster­förmig abstra­hierte Stadt­land­schaft aus der Vogel­per­spektive, die im Bühnen­hin­ter­grund prangt.

Hanna Hollmann kleidet das Ensemble in ein buntes Kostüm­kon­glo­merat. Die Herren stecken in bürger­lichen Gegen­wart­s­an­zügen, die dem eigenen Kleider­schrank entnommen sein könnten.  Amelias Garderobe geistert im histo­ri­sie­renden Ungefähr. Ulrica ist mit langen bunten Röcken die Klischee-Roma aus dem Bilderbuch.

Der kleine, von Armin Rothermel einstu­dierte Chor beein­druckt durch klang­liche Präsenz.

Florian Erdl leitet das durch markante Blech­bläser und lyrisch versonnene Querflöten überzeu­gende Orchester.

Die einzige Recht­fer­tigung der Aufführung einer italie­ni­schen Oper in deutscher Sprache besteht in der Textver­ständ­lichkeit der Sänger. Die ist weitgehend gegeben. Lemuel Cuentos Riccardo bietet eine angenehme Mittellage und attraktive Piani. Der Renato von Thomas Peter wartet mit dem hohen Bariton auf, den Verdi fordert. Ilona Nymoen zeigt ihre Amelia zur drama­ti­schen Attacke bereit. Ulrica ist in den satten Tiefen Denise Seyhans effekt­sicher aufge­hoben. Daria Kalinina brilliert als Oscar. Auch die übrigen Partien sind angemessen besetzt.

Das Publikum steht in Treue fest zur Kammeroper Frankfurt. Der Applaus ist stark, Kalinina der erklärte Publikumsliebling.

Zu wünschen ist der rührigen Theater­leitung, dass sie sich trotz der ambitio­nierten Genre­über­schreitung bewusst bleibt, wie tief das Ensemble im Spiel­opern­re­per­toire verwurzelt ist.

Michael Kaminski

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