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Foto © Gunnar Laak

Mythisches Duell in Estland

DIE VERRUCHTE INSEL
(Rein Rannap)

Besuch am
15. Juli 2017
(Premiere am 14. Juli 2017)

 

Saaremaa-Opern­fes­tival

Zum zehnjäh­rigen Jubiläum des Opern­fes­tivals auf der Insel Saaremaa in Estland hat der Veran­stalter Eesti Konsert eine Oper bei dem wohl bekann­testen Rockkünstler des Landes, Rein Rannap, vor einigen Jahren in Auftrag gegeben. Dieser hat jetzt eine zweistündige Rockoper als mythische Saga mit allen dazuge­hö­rigen modernen elektro­ni­schen Effekten auf die Bühne gebracht.

Das ist eine Es-war-einmal-Geschichte … von Gut und Böse, von Liebe und Hass, von Kalkül und Rache. Der grausame Rullo herrscht auf der Insel mit eiserner Hand. Sogar der alte Feuer­zau­berer Laurits wird in den Kerker geworfen, aber nicht, bevor er Rache schwört.  Tölpa, Sohn des Alten Weisen Uude, erfährt, dass Rullo die Herzen aller Weisen in Stein­eiern aufbe­wahrt, und dementspre­chend haben die Weisen keine Macht mehr. Der junge Schmied Vesse ist zwar ein starker Mann, leidet aber unter einer myste­riösen Krankheit, die ihn schwächt. Uude rät ihm, das Loch in der Mauer der Hütte zu schließen, daher komme die Ursache seiner Krankheit. Als Vesse das Loch stopft, sieht er Halla­tüdruk, die schöne Eisprin­zessin, die zugibt, in ihn verliebt zu sein. Vesse erhält seine Kraft zurück und hält um ihre Hand an. Mit einem großen Hochzeitsfest, bei dem die Bäume, Seerobben und Hasen tanzen, endet der erste Akt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Rullo kehrt von einem Beutezug mit gefan­genen Mönchen und Nonnen zurück. Die mutige Nonne Birgitta will sich ihrem Schicksal nicht beugen und flieht. Vesse und Halla­tüdruk träumen von einem schönen Leben, da stürmt Rullo herbei, sieht die Schöne und will sie für sich haben. Vesse verteidigt seine Ehre. Der gedemü­tigte Rullo beauf­tragt den Alten Weisen Uude, Vesse zu töten. Der verweigert die Tat, worauf er von Rullo getötet wird. Uudes Sohn Tölpa ist nun selber auf der Flucht und trifft auf Birgitta. Notge­drungen tun sie sich zusammen und verstecken sich im Wachol­derwald. Rullo und seine Männer stürmen Vesses Hütte und er wird im Duell mit Rullo getötet. Die Eisprin­zessin wird triumphal von Rullo erbeutet. Auf sein Drängen zur Liebe verspricht sie ihm, ihn auf ihre Weise zu lieben. Sie lässt ihre Zauber­kunst walten und erfriert ihn. Rullo stirbt jämmerlich. Durch seinen Tod wird der Feuer­zau­berer Laurits befreit, und alles Böse auf der Insel geht in Flammen auf. Nur die Wachhol­der­wälder überleben. Hier haben Birgitta und Tölpa Schutz und Liebe fürein­ander gefunden. Ihre Verei­nigung ist die Basis für alles Gute und für den Fortschritt, der jetzt auf Saaremaa statt­finden kann.

Musika­lisch überwiegen die Rockef­fekte – nicht zuletzt wegen der Lautstärke, die oftmals die verstärkten Instru­mente des Kammer­or­chesters übertönen. Melodra­ma­tische Bögen und lyrische Nummern wechseln sich effektvoll ab. Andrew Lloyd Webber und seine Erfolgs­werke lassen grüßen. Rein Rannap ist in Estland berühmter Rockstar und Musiker­per­sön­lichkeit, der auch nicht seine klassische Musiker­aus­bildung und seine Doktor­arbeit in Kompo­sition verleugnet. Entgegen dem avant­gar­dis­ti­schen, atonalen Strom der klassi­schen Gegen­warts­musik, hat sich Rein Rannap entschlossen, eine zugäng­liche, populäre, musika­lische Sprache zu entwi­ckeln.  Dass bei dieser, seiner ersten Oper eine gewisse Verkürzung zur erhöhten Ausdrucks­kraft und zur verbes­serten Spiel­fä­higkeit des Werkes beitragen kann, wird sich zeigen. Es ist ein sehr ortsspe­zi­fi­sches Werk, das Rannap und seine Libret­tisten Andrus Kivirähk und Wimberg geschrieben haben – die Schönheit der Landschaft von Saaremaa, mit ihrem Wacholder, der Flora und Fauna, wird oft hervor­ge­hoben. Jedoch sind die Grund­themen von Liebe, Rache, Gut und Böse universell, somit könnten einige kleine Umschrei­bungen dazu beitragen, dass diese Rockoper auch anderswo aufge­führt werden kann.

Vahur Keller als Regisseur und Jaanus Laagriküll als Bühnen- und Kostüm­bildner ziehen alle Register.  Von singenden Bäumen und einer Kolonie hüpfender Seerobben bis hin zu fahnen­schwin­genden Trolls: „Action” ist überall angesagt. Die Persön­lich­keiten der Charaktere sind eindi­men­sional darge­stellt – bös ist bös, gut ist gut.  Die beiden weiblichen Rollen – die Eisprin­zessin und die Nonne Birgitta – werden noch eher als Persön­lich­keiten ausge­ar­beitet. Eine der überzeu­gendsten Szenen ist die Rache der soeben Witwe gewor­denen Eisprin­zessin durch Verführung und Tod am Bösewicht, sowohl drama­tur­gisch wie musikalisch.

Foto © Gunnar Laak

Taavi Varm als Video Designer arbeitet Hand in Hand mit dem Licht­de­signer Margus Vaigur, um ein fast ständiges optisches Feuerwerk zu produ­zieren, auch wenn es sich um die eher elegi­schen Szenen handelt. Mit drei großen Projek­ti­ons­flächen und gut zwei Dutzend Megaschein­werfern sprengen die Spezi­al­ef­fekte oft die Bühne.

In Estland ist der Name Marko Matvere jedem bekannt – aber eher aus dem Theater kommend. Hier übernimmt er mit sonorem Bass die Rolle des Bösewichts Rullo. Alle Stimmen – und Musik – sind verstärkt. Das müssen sie auch sein, um über die Rock-Instru­men­tierung Gehör zu gewinnen.  Auch Tönis Mägi, der den Alten Weisen Uude verkörpert, Markus Teeäär als Laurits und Andrus Albrecht als Tölpa kommen aus der Rock- und Metal-Szene und sind in Estland bestens bekannt. Ihre barito­nalen, rauchigen, erdigen Stimmen überzeugen in ihren Rollen, und man merkt ihnen die Spiel­freu­digkeit an. Ott Lepland – ein Gewinner von Estland sucht den Superstar – verkörpert den guten Schmied Vesse. Gegen die tieferen Stimmen der anderen männlichen Partien hat er einen schweren Stand. Auch die weiblichen Rollen sind mit Rocksän­ge­rinnen besetzt. Lenna Kuurmaas Eisprin­zessin gibt sich als klarer Sopran mit Metallkern. Kristel Aaslaid ist eher ein boden­stän­diger Mezzo, dessen Über- und Lebens­drang der Partie der zukünf­tigen Mutter von Saaremaa Glaub­wür­digkeit gibt.

Martin Sildos stellt sich der Heraus­for­derung, das Rockensemble mit Gitarre, Elektro­gi­tarre, Schlagzeug und Keyboards mit einem klassi­schen Kammer­or­chester zu koordi­nieren. Trotz Verstärkung leidet oftmals das Kammer­en­semble oder geht gleich völlig unter der Rockkom­po­nente unter. Bei einer ausge­wo­ge­neren Aufführung kann man der Kompo­sition von Rein Rannap womöglich noch ausge­feiltere Facetten abgewinnen.

Beide Auffüh­rungen der Urauf­führung im 2000-Plätze-Theaterzelt sind komplett ausver­kauft. Das vorwiegend einhei­mische Publikum feiert den Kompo­nisten, Darsteller, Dirigenten und künst­le­ri­sches Team mit stürmi­schem Applaus und standing ovations.

Zenaida des Aubris

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