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DIE GÖTTERDÄMMERUNG
(Richard Wagner)
Besuch am
16. Juli 2017
(Premiere am 26. April 2014)
Wilder Kaiser statt grüner Hügel preisen die Plakate das Motto der Tiroler Festspiele an. Viele Liebhaber der Werke Richard Wagners und noch viel mehr Verehrer des künstlerischen Leiters der Tiroler Festspiele, Gustav Kuhn, haben das Passionspielhaus in der lieblich ländlichen Tiroler Ortschaft Erl bereits mit dem grünen Hügel in Bayreuth verglichen, und nach den hausgemachten Skandalen und negativen Schlagzeilen auch darüber gestellt. Sollte das Motto hier nun bewusst eine Abgrenzung der Tiroler Festspiele werden oder noch weitergehen und eine machtvolle Inthronisierung werden, ragen doch die Gipfel des Wilden Kaiser deutlich höher als der grüne Hügel auf.
| Musik | ![]() |
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Noch befindet sich aber das Festspielhaus hier im Tale, während in Bayreuth zumindest das Gipfelplateau des Hügels besetzt wird. Es bleibt die Originalität beider Festspiele in Rahmen und Lage, Umsetzung und Professionalität, die das Werk des überragenden Meisters Richard Wagner verbindet. Viel internationales Publikum ist wieder neugierig nach Tirol gekommen, das Passionsspielhaus mit seinen rund 1500 Plätzen ist ausverkauft. Wirkungsvoll dekorativ haben die jungen Musiker des Orchesters auf der Tribüne am hinteren Bühnenende Platz genommen, der omnipräsente Hausherr Gustav Kuhn übernimmt es selbst, sich für technische Bühnenprobleme zu entschuldigen, bevor er das Dirigat des letzten Abends des Bühnenweihspiels übernimmt.

Frisch und konzentriert folgen ihm die Musiker, von Müdigkeit nach dem umfangreichen Programm der letzten Wochen ist nichts zu bemerken. Die Hörner schmettern beherzt, die Streicher nehmen vollmundig Fahrt auf, die Bläser setzen exakt und weich ihre Melodiebögen darüber. Das Passionsspielhaus füllt sich mit der Klangwelt Wagners. Die Nornen passend in scheinbar gesponnenen Wollkleidern ziehen die Fäden des Schicksals. Ebenso wie die später auftretenden Rheintöchter wurden hier mit viel Geschick Sängerinnen mit Stimmen ausgewählt, die in der Färbung und Lage gut zusammenpassen und sich ergänzen. Lenka Radecky zeigt auch viel Gespür für die Rollen in der Gestaltung der Kostüme. Im nächsten Bild auf dem Walkürenfelsen – ein elegantes großes rundes Bett mit glänzender Bettwäsche – zeigt sich schnell die Schwäche des Abends. George Vincent Humphrey singt nicht wirklich, sondern akklamiert den Siegfried und wirkt in seiner gedrungenen Körperhaltung und dem hölzernen Spiel nicht heldenhaft. Mona Somm schmettert dramatisch die hohen Töne effektvoll ins Publikum, im Gesang fehlt dieser Brünnhilde Volumen und Ausdruck. Das liefern Michael Kupfer Radecky und Susanne Geb als das Geschwisterpaar Gunther und Gudrun. Den beiden gelingt es, ihren Rollen viel Platz und Aufmerksamkeit in der Inszenierung zu schaffen. Herrschaftlich und erwartungsvoll empfangen sie im 1960-er Jahre-Stil eingerichteten Palast den angekündigten Helden, der mit Schiff und Ross anreist. Als nun auch noch der Polstersessel Siegfrieds unter der Last zusammenbricht, wird dieser zum wirklichen gefallenen Held von der traurigen Gestalt. Demgegenüber bietet Andrea Silvestrelli einen zwielichtigen und alles übertönenden Hagen mit seinem aufgeladenen, stimmgewaltigen Bass. Seine Rufe hallen einschüchternd mitan übersteuert über den Rhein.
Dazu gesellt sich der bestens aufgestellte Männerchor der Tiroler Festspiele. Stimmungsvoll ist auch der Dialog Hagens mit dem nach Rache zehrenden Vater Alberich, wohlfeil von Thomas Gazheli gesungen. Svetlana Kotina ist eine weiche, lyrisch anmutende Waltraute, die sich bei ihrer dramatischen Schwester hörbar nicht durchsetzen kann. Unausweichlich greift der auf dem Ring lastende Schwur Alberichs. Siegfried fällt und wird, begleitet von dem wärmenden, fließenden Orchesterklang, aufgebahrt. Auf den Scheitern stehend, läutet Brünnhilde das Ende ein. Die Rheintöchter überschwemmen bildlich mit großen Tüchern das Geschehen, und im Abgesang des Orchesters zieht Kuhn nochmals alle Register. Expressiv und schwülstig entwickelt sich eine harmonische Steigerung, die in einen sehnsuchtsvollen Blick in die Unendlichkeit mündet, bevor im erlösenden Wohlklang Zuversicht und freudvolle Einigkeit für eine heile Zukunft eintritt, die auf der Bühne von spielenden Kindern hoffnungsvoll dokumentiert wird.
Die Stimmung hat sich spürbar auf das Publikum übertragen, die begeistert vom Ensemble der Festspiele und von Erl Abschied nehmen.
Helmut Pitsch