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Foto © Ferdinand Neumüller

Grenzen des Leidens

HEMMA
(Bruno Strobl)

Besuch am
27. Juli 2017
(Urauf­führung)

 

Carin­thi­scher Sommer, Stifts­kirche Ossiach

Ich will die Menschen erwachen sehen aus der Dummheit, der Ablenkung, der Gier.“ Das sind Schlüs­sel­worte einer starken, ungewöhn­lichen Frau, die nicht nur reich und schön, sondern auch klug war und von etwa 995 bis 1045 lebte. Die Geschichte von Hemma – eine Weibs­passion, so der Titel der neuen Kirchenoper, die jetzt beim Carin­thi­schen Sommer in einer Kopro­duktion mit dem Stadt­theater Klagenfurt urauf­ge­führt wurde, ist aber auch stark. Es ist ein explo­sives Stück über die einzige Landes­heilige von Kärnten, über Glaube und Weiblichkeit, angesiedelt im Hochmit­tel­alter und dennoch sehr heutig, eine moderne Ausein­an­der­setzung mit dem Lebenssinn und Gott. Der Literat Franzobel zeichnet Hemmas Passion an Hand der wenigen histo­risch belegten Fakten, in die er auch so manche Legende einfließen lässt, bis an die Grenzen ihrer Leidens­fä­higkeit. Er zeigt darin die Wandlung der Gräfin von einer sensiblen und intel­li­genten Frau zu einem leuch­tenden Vorbild im Kampf gegen soziales Elend. Erst kämpft sie gegen die Kinder­lo­sigkeit. Dann muss sie erleben, wie ihr Sohn von aufstän­di­schen Knappen massa­kriert wird. Schließlich muss sie mit ansehen, wie der Gatte an den Einwohnern von Gurk dafür Rache nimmt und dann auch umkommt. Zum Schluss spendet sie ihren großen Besitz der Kirche. Sie war Stifterin des Gurker Nonnen­klosters und legte so den Grund­stein für die Bistums­gründung von Gurk. Dafür hat der aus Oberös­ter­reich stammende Schrift­steller den tiefsin­nigen Text des in Kärnten bereits 2013 aufge­führten gleich­na­migen Schau­spiels opern­tauglich gestrafft.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Ein hängender, leuch­tender Mond, eine stehende Leiter, die symbolhaft ins Nichts führt, ein derbes Holzpodest: Das ist die minima­lis­tische Ausstattung, die von Nele Ellegiers stammt, mit der in der Ossiacher Stifts­kirche das Auslangen gefunden wird. Kristine Tornquist, eine ausge­spro­chene Spezia­listin für alter­native Spielorte, nützt die gesamte Kirche, Altarraum, Gänge, Kanzel als Spielraum. Und sie setzt die Geschichte, abgesehen von einigen Platt­heiten, wie die Errichtung eines Knochen­haufens und etwas zu viel Pathos, wenn die Titel­heldin zum Finale mit einem Modell des Gurker Doms durch die Reihen schreitet, packend um, wobei alle Figuren sehr detail- und ideen­reich gezeichnet sind.

Foto © Ferdinand Neumüller

Exzellent sind die Sänger, denen vom Kompo­nisten ganz bestimmte Tonkon­stel­la­tionen zugeordnet sind: Juliette Mars kann als intensive, selbst­be­wusste Titel­heldin begeistern, die ihre Seelen­qualen grandios auslotet, immer wieder symbolhaft auf die Leiter klettert und dabei nicht weiter­kommt und sich schließlich zur Heiligen wandelt. Julia Koci ist die blitz­sauber singende Magd Kathi, die immer wieder vom genuss­süch­tigen Grafen Wilhelm von Friesach, dem Ehemann von Hemma, missbraucht wird. Der wird von Andreas Jankowitsch ungemein viril, brutal und exzessiv gestaltet. Sven Hjörleifsson mimt nicht nur derer beiden Sohn, sondern auch den etwas dümmlich wirkenden Erzbi­schof mit hellem Tenor. Jens Waldig singt ideal Kathis Vater.

Alle Sänger und der achtköpfige, männliche Festi­valchor, der die Rolle des Kommen­tators und auch einzelner Personen im Kollektiv übernimmt, sind überwiegend dekla­ma­to­risch und teils nur im Sprech­gesang wunderbar und textver­ständlich zu hören. Die karge und bewusst spröde, recht kopflastig und geräusch­reich konstru­ierte Musik des gebür­tigen Kärntners Bruno Strobl im Orchester tritt hingegen auch akustisch ziemlich in den Hinter­grund. Sie spielt mit ihren Klang­flächen, Tonreihen und Fragmenten in der etwa 90-minütigen Dauer des Werkes meist eine unter­ma­lende und kommen­tie­rende Rolle. Dabei wird auch immer wieder auf die Instru­mente mit den Bögen, aber auch eigenen Hölzern geschlagen und darauf herum­ge­kratzt. Es ist bewun­dernswert, wie souverän und konzen­triert dabei das klein besetzte Kärntner Sinfo­nie­or­chester unter dem ganz exakt schla­genden Simeon Pironkoff diese enorm diffizile Aufgabe bewältigt.

Vom Publikum gibt es ungeteilte Zustimmung, viel Applaus und etliche bravi.

Helmut Christian Mayer

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