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AWARD CONCERT WEEKEND
(Dirigentennachwuchswettbewerb)
Besuch am
4. bis 6. August 2017
(Einmalige Aufführung)
Salzburger Festspiele, Young Conductors Award, Felsenreithalle
Meiningen
Seit nunmehr acht Jahren engagieren sich die Salzburger Festspiele für die qualitätsvolle Talentsuche und Nachwuchsförderung. Im Rahmen des alljährlichen Festivals ist ein Nachwuchsdirigierwettbewerb, in feinem Österreichisch Young Conductors Award, in das Festspielprogramm – mit je einem Konzert der drei Finalisten ein fester, vom Publikum begehrter Programmbaustein – installiert worden. Wer möchte nicht dabei sein, vielleicht einen aufgehenden neuen Stern am Dirigentenhimmel zu entdecken? Ein Geld-Preis und das Dirigat eines offiziellen Festspielkonzertes locken junge Talente. 67 Kandidaten aus fünf Kontinenten haben sich in diesem Jahr beworben. Daraus hat die Jury unter Vorsitz von Dennis Russell Davies sieben Kandidaten für einen Probentag im Mai nach Salzburg eingeladen und daraus drei Bewerber für das Finale ausgewählt.
Im Programm der Finalisten mit der Camerata Salzburg finden sich dieses Jahr je ein symphonisches Werk der Klassik, ein zeitgenössisches kammermusikalisches Werk, eine Konzertarie von Wolfgang Amadeus Mozart sowie ein weiteres Orchesterwerk. Mitglieder des alljährlichen Young Singers Project bekommen die Gelegenheit als Gesangssolisten mitzuwirken.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Publikum | ![]() |
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Marie Jacquot, 1990 in Paris geboren, kann bereits eine breite Dirigiererfahrung an verschiedenen deutschen Opernhäusern nachweisen. Sie eröffnet ihr Konzert mit einer feinen, zurückhaltenden Interpretation von Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune. Mit dem stimmkräftigen Tenor Jamez McCorkle folgt eine gefühlvolle Darstellung der Konzertarie Per Pietà, non ricercate. Spannend wird die Begegnung mit dem Werk Rescousse (Marginalia) des Franzosen Gérard Pesson, der 1958 geboren ist. Das zeitgenössische Stück bezeichnet er selbst als eine Reflexion über das Tempo. Für den Zuhörer eine hörbare Entdeckungsreise zu Tempi, zur Wirkung der Langsamkeit und einer Art Weltmusik mit Hindu‑, griechischen oder arabischen Rhythmen. Hier wirkt der exakte, werktreue Dirigierstil Jacquots verstärkend in der Umsetzung. Im Schlussstück des Konzertes, der Jupitersymphonie von Wolfgang Amadeus Mozart, klebt sie förmlich an der Partitur ohne eigene Kreativität. Crescendi können nur im wuchtigen Fortissimo enden. Leblos pauschaliert bleibt am Ende die Wirkung auf das Publikum.
Kerem Hasan ist 1992 in London geboren. Er hat in Schottland und Weimar studiert und ebenfalls einiges an Konzerterfahrung vorzuweisen. Mit der Ouvertüre zur Ballettpantomime La Mort d’Orphée von Franz Ignaz Beck, einem Vertreter der Mannheimer Schule, hat Kerem Hasan ein weithin unbekanntes, aber wohlfeiles Orchesterstück ausgewählt und muss sich so geschickt nicht gleich zu Beginn an bekannten Interpretationen messen lassen. Mit der Konzertarie Basta vincesti – Ah non lasciarmi, no unter Mitwirkung der stimmlich bestens disponierten Sopranistin Anne-Fleur Werner baut er eine Stimmungsbrücke zum Publikum auf. Bei dem effektvollen, rhythmisch anspruchsvollen Werk Try für Kammerorchester von Andrew Norman, geboren 1979, folgt die Camerata gebannt dessen schöpferischer Kreativität und klanglichen Verfremdungen. Als Abschluss gelingt Hasan eine subtile, fein ausgefeilte und lebendige Interpretation der vierten Symphonie von Ludwig van Beethoven. Seine elegante direkte Körpersprache, seine direkte Ansprache inklusive Augenkontakt mit den Musikern reißt die zu einer herausragenden Ausführung des Werkes mit. Einfühlsam gestaltet der Dirigent die Lautstärke, feine Piano schwellen wohldosiert zu Forti, ohne zu erschlagen. Das Tempo ist schwungvoll und sehr konsequent. Das Publikum kann sich dem nicht entziehen und leistet bereits einen Zwischenapplaus nach dem ersten Satz sowie einen euphorischen Schlussapplaus.

Als letzter Finalist tritt Nuno Filipe Coelho Silva, geboren 1989 in Portugal, an. Er eröffnet sein Konzert mit einer gefühlvollen Interpretation von Franz Schuberts fünfter Symphonie in B‑Dur. Unter seinem Dirigat fällt wieder der intensive Augenkontakt mit den Musikern und seine direkte Gestik bei sonst ruhiger Körpersprache auf. Er kitzelt Rhythmen, Tonläufe und Lautstärkenveränderung intensiv heraus, bei der Wahl des Tempos bleibt er schleppend. Carrie-Ann Williams hat einen überaus kräftigen dramatischen Sopran, den sie auch mit Engagement einsetzt, teilweise überdreht, sodass die Höhe im Ton brüchig wird. Mehr Gefühl für die Arie Alcandro, io confesso – Non so d’onde viene zeigt der Dirigent, der das Orchester transparent, leicht tänzerisch mehr dem Geschehen nähert, ohne den Gesang zu überdecken. Eine intelligente Auswahl hat Coelho bei dem zeitgenössischen Werk getroffen. Sein Landsmann Luis Tinoco komponierte seinen Canto para Timor Leste für vierzehn Streicher. Das 1999 uraufgeführte Werk ist der leidvollen Geschichte der ehemals portugiesischen Kolonie Osttimor und der brutalen indonesischen Besatzung gewidmet. Trauer und Leid bestimmen den elegischen Fluss; wenig Melodie, aber Harmonie bestimmt das Werk, das von den Instrumentalisten einfühlsam und technisch sicher unter exaktem Taktschlag wiedergegeben wird. Als Ausklang wird es noch mitreißend schwungvoll mit den folkloristischen Klängen Zoltan Kodalys Tänzen aus Galanta. Hier finden der junge Dirigent und die Camerata Salzburg in der Spielfreude und der expressiven Kraft des Werkes zusammen.
Im Anschluss an dieses Konzert verkündet die Jury nach einer kurzen Beratung ihr Urteil, und es erfolgt die feierliche Zeremonie der Preisverleihung an den verdienten Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs: Kerem Hasan.
Aziz Shokhakimov wurde 1988 in Taschkent, Usbekistan, geboren und hat bereits einen beeindruckenden Werdegang absolviert. Nicht nur hat er mit dreizehn Jahren bereits erste Konzerte dirigiert, mit 18 Jahren wurde er gar Chefdirigent des usbekischen Nationalorchesters. Dazu hat er verschiedene erfolgreiche Auftritte an europäischen Opernhäuser gegeben. Im vergangenen Jahr gewann er den Young Conductors Award in Salzburg und gibt nunmehr sein Preisträgerkonzert gemeinsam mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien. Als Solist in Antonin Dvoraks Cellokonzert zeigt der junge Andrei Ioniță, seinerseits Gewinner des Tschaikowski-Wettbewerbs 2015, seine technisch perfekte Beherrschung des Instrumentes. Die melancholische, slawische Färbung des Werkes, als Ausdruck des Heimwehs des Komponisten, lässt er vermissen. Vielleicht mag es am unüblichen Dirigierstil des jungen Usbeken liegen. Mit vollem Körpereinsatz, in ständiger Bewegung treibt der Vorjahressieger das Orchester an, ohne die Einsätze klar anzugeben oder den Taktschlag exakt durchzuhalten. Im folgenden Werk, der temperamentvollen, expressiven fünften Symphonie von Sergej Prokofjew, gelingt das Zusammenspiel mit dem großartig aufspielenden Symphonieorchester. Wie ein Solotänzer gibt er magisch Rhythmus und Gefühlsregungen vom Pult weiter, die Impulse werden vom Orchester aufgesogen und umgesetzt. Frisch, exakt und farbenreich ergießt sich das mächtige Werk über die große Bühne und den Zuschauerraum der stimmungsvollen Felsenreitschule. Nicht Wucht oder Dramatik, sondern eine positive, romantische Gestaltung in vollem Klang prägen diese Interpretation. Das Publikum ist mitgerissen und spendet viel Beifall für das junge, noch unbekannte Talent am Dirigierhimmel – vielleicht der nächste Stern.