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AIDA
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
9. August 2017
(Premiere am 6. August 2017)
Wer sich Giuseppe Verdis Aida nur mit pompösen Pyramiden und prunkhaften Tempeln, gewaltigen Massenaufmärschen und insgesamt riesigem Aufwand vorstellen kann, der muss weiterhin nach Verona fahren. Denn die Neuproduktion bei den Salzburger Festspielen geht völlig andere Wege, verlässt das sonst übliche Massentheater und setzt vielmehr auf Reduktion, ja, fast auf Minimalismus.
Es war von Markus Hinterhäuser, dem neuen Intendanten des Festivals, sehr mutig, mit der Inszenierung die völlig opernunerfahrene Foto‑, Film und Videokünstlerin Shirin Neshat zu beauftragen.
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| Publikum | ![]() |
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Das Team für das Optische hat sich viel Exquisites einfallen lassen: Bühnenbildner Christian Schmidt zeigt auf der riesigen Bühne des Großen Festspielhauses zwei drehbare, weiße, große Kuben. Diese sind auf einer Seite geöffnet, können von den verschiedensten Seiten bespielt werden, verzahnen und verschachteln sich und dienen auch als Projektionsfläche für Videos. Gemeinsam mit den eleganten Kostümen von Tatyana von Walsum und dem raffiniert eingesetzten Licht entstehen so ungemein ästhetische Bilder für das Auge. Die Kostüme sind auch die einzigen farblichen Elemente auf der sonst weißen Spielfläche. Während Aida ständig in taubenblau bleibt, darf Amneris je nach Stimmung von Gelb über Rot bis hin zu Blau und Schwarz tragen. Einzig die gefangenen Äthiopier wirken wie erbarmungswürdige Flüchtlinge unserer Tage.
Neshat führt in diesem ausnehmend schönen Ambiente also erstmalig Regie. Ihr Zugang ist auch nachvollziehbar und klar: Sie will die Oper vom pompösen Klischeezwang befreien und eine allgemeingültige, zeitlose Geschichte erzählen. Zweifellos hat sie sich da einiges überlegt. Aber es gelingt ihr nicht, die Bühne mit entsprechendem Leben zu erfüllen. Zu statisch ist das Geschehen. Wie erwartet, findet auch ein Triumphmarsch im herkömmlichen und gewohnten Sinne nicht statt. Stattdessen sitzen Priester, die an griechisch-orthodoxe Geistliche erinnern, der Hofstaat und ein bisschen Volk regungslos im Würfel, einzig sechs Tänzer mit Tiermasken führen etwas Bewegung vor. Die Sänger scheinen ebenfalls sich selbst überlassen zu sein und machen je nach Temperament und Fähigkeiten mehr oder weniger aus ihren Rollen.

Intensiv spielt zweifellos Anna Netrebko, die sich mit der Aida eine neue Rolle erobert hat und das Publikum intensiv zu berühren weiß. Sie ist zerrissen zwischen ihrer Herkunft und der großen Liebe im Exil. Jetzt ist sie wirklich im dramatischen Fach angekommen. Trotzdem hat sie sich die Leichtigkeit bewahrt und singt mit glühenden Farben und vielen Schattierungen. Jetzt ist sie auch bereit für die Tosca, die 2018 an der Metropolitan Opera in New York geplant ist. Sie entfachte wieder einen wahnsinnigen Medienhype um ihre Person und ließ das Personal des Kartenbüros wegen der unzähligen Nachfragen beinahe verzweifeln. Mit Francesco Meli hat sie einen fulminanten Radamès an ihrer Seite, der auch herrlich phrasiert, kultiviert singt und wunderbar lyrische Töne produziert. Mit ganz großer dramatischer Attacke und ungemeiner Bühnenpräsenz, teilweise fast zum Fürchten, erlebt man Ekaterina Semenchuk als Aidas Rivalin Amneris. Luca Salsi ist der stimmgewaltige und ebenfalls sehr präsente Äthiopier-König Amonasro. Roberto Tagliavini singt einen imposanten Pharao, Dmitry Belosselskiy einen machtbewussten und strengen Oberpriester Ramfis. Der Wiener Staatsopernchor, der wiederum sehr exakt von Ernst Raffelsberger einstudiert wurde, ist außerordentlich präsent bis hin zum Triumphmarsch.
Der kürzlich 76 Jahre alt gewordene Riccardo Muti ist ein erfahrener und weiser Verdi-Dirigent. Er interpretiert das Werk, mit dem er an der Wiener Staatsoper seinerzeit debütiert hat und es jetzt 38 Jahre nicht dirigiert hat, abseits von den gängigen Klischees: Regelrecht kammermusikalisch, zärtlich, durchsichtig, detailreich an Farben und Schattierungen und immer spannend lässt er die Wiener Philharmoniker unter seiner Stabführung musizieren, freilich auch ohne die großen Gesten von Verdis Partitur zu vernachlässigen.
Großer Jubel ohne Einschränkung, der sich bei Muti und Netrebko auf Orkanstärke steigert.
Helmut Christian Mayer