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AIDA
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
11. August 2017
(Premiere am 30. Juli 2017)
Eingebettet in die heimelige Hügellandschaft thront das mittelalterliche Städtchen Macerata scheinbar unangetastet jeglicher Veränderungen. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Marken verfügt gar über eine eigene Universität. Tradition und ein reiches künstlerisches Erbe bestimmen das beschauliche Alltagsleben, noch immer verirren sich nur wenige Touristen in das mittelitalienische Provinzstädtchen. Vor über 100 Jahren hat man begonnen, in der einmaligen Kulisse des Sferisterio Opernaufführungen zu gestalten. Ursprünglich als Sportstadium für das Pelotta-Spiel gebaut, ist das elliptische Freilufttheater nunmehr ein Anziehungspunkt für Opernliebhaber geworden. Zum 53. Mal finden die Sferisterio-Opernfestspiele statt, diesmal unter dem Motto Oriente – Morgenland. Dementsprechend vermitteln Aida, Madama Butterfly und Turandot das orientalisch exotische Flair. Weitere Rahmenveranstaltungen ergänzen das Programm, einschließlich Konzerte in den malerischen Weinbergen der Umgebung.
| Musik | ![]() |
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Francesco Michele hat in den letzten Jahren die positive wirtschaftliche und besonders künstlerische Entwicklung des Festivals geprägt. Im Herzen ist er Regisseur und zeigt das in seiner gelungenen, frischen, entstaubten Interpretation. Geprägt von der langgestreckten Schälen-Bühne, teilt er geschickt das Geschehen auf. Zentral ziehen zwei weiße rechteckige Plattformen im ungeraden Winkel die Aufmerksamkeit an. Zuerst noch als Leinwand für die eingespielten Videos der Aida-Aufführung von 1921 genutzt, entpuppt sich die Idee des Regisseurs, sobald Ramfis ein Notebook öffnet und scheinbar mit Altägyptischen Hieroglyphen spielt, die auf die weiße Leinwand übertragen werden. Also schauen die Zuschauer auf ein aufgeklapptes Notebook, und das Geschehen wird wie in einem Zeichentrickfilm der Pop-Art mit realen Darstellern gezeigt. Nubier und Ägypter zeigen sich in kämpferischer Position, tiefblau fließt der Nil über die Bühne, dicht zeigt sich das Gestrüpp an seinen Ufern. Diese visuellen Effekte sind ästhetisch und effektvoll, die Personenregie ist ausgeklügelt auf die Aufstellung und Bewegung wie im Schach ausgelegt.

Kunstvoll und schlicht sind die Kostüme von Silvia Aymonino entworfen. Weiß dominiert die Kostüme der Ägypter mit geometrischem, schwarzem Muster in der Innenseite, schwarz mit einem weißen Streifen sind die Kleider der Nubier. So entwickelt sich das Geschehen klar und ohne Schnörkel. Der vielgeplagte Triumphmarsch ist ein martialisches Ballett von Tänzern im Kostüm vom Krieg der Sterne. Das ägyptische Volk verfolgt das Geschehen auf kleinen Flachbildschirmen, jeder für sich. Erwartungsgemäß schließt sich das Notebook nahezu über dem sterbenden Liebespaar. Eine Gestaltung des heißverehrten Werks Verdis, die Gefallen beim Publikum findet.
Ebenso die Sänger. Allen voran Stefano La Colla, der mit seiner breit angelegten Stimme als Radames wahrlich überzeugt. Kräftig und transparent, sicher in der Modulation und dann wieder lyrisch melodiös trifft er alle Facetten seiner Rolle. Liana Aleksanyan ist eine souveräne Aida mit einem hellen, klaren Klang, der etwas mehr Fülle im Ausdruck haben könnte. Dramatik und Kraft, eine breite Stimmführung in allen Lagen besitzt der Mezzo von Anna Maria Chiuri als Amneris. Cristian Saitta ist ein sicherer, präsenter König. Giacomo Prestia begleitet den Abend als zentrale Figur des Abends, sonor wie ein Sprecher, ein Erzähler angelegt. Stefano Meo fehlt als Amonasro die Mächtigkeit und Dramatik.
Im Orchestergraben setzt Riccardo Frizza maßvoll Akzente, lässt die Musiker romantisch breit aufspielen und die Bläser zackig militärisch intonieren. So verbinden sich Partitur und Libretto zu einem sinnvollen und harmonischen Gesamteindruck in einer nüchternen, klug angelegten Inszenierung.
Helmut Pitsch