O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Sferisterio

Aida 4.0 – ein musikalisches Videospiel

AIDA
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
11. August 2017
(Premiere am 30. Juli 2017)

 

Macerata Opera Festival, Sferisterio

Einge­bettet in die heimelige Hügel­land­schaft thront das mittel­al­ter­liche Städtchen Macerata scheinbar unange­tastet jeglicher Verän­de­rungen. Die Haupt­stadt der gleich­na­migen Provinz in der Region Marken verfügt gar über eine eigene Univer­sität. Tradition und ein reiches künst­le­ri­sches Erbe bestimmen das beschau­liche Alltags­leben, noch immer verirren sich nur wenige Touristen in das mittel­ita­lie­nische Provinz­städtchen. Vor über 100 Jahren hat man begonnen, in der einma­ligen Kulisse des Sferis­terio Opern­auf­füh­rungen zu gestalten. Ursprünglich als Sport­stadium für das Pelotta-Spiel gebaut, ist das ellip­tische Freiluft­theater nunmehr ein Anzie­hungs­punkt für Opern­lieb­haber geworden. Zum 53. Mal finden die Sferis­terio-Opern­fest­spiele statt, diesmal unter dem Motto Oriente – Morgenland. Dementspre­chend vermitteln Aida, Madama Butterfly und Turandot das orien­ta­lisch exotische Flair. Weitere Rahmen­ver­an­stal­tungen ergänzen das Programm, einschließlich Konzerte in den maleri­schen Weinbergen der Umgebung.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Francesco Michele hat in den letzten Jahren die positive wirtschaft­liche und besonders künst­le­rische Entwicklung des Festivals geprägt. Im Herzen ist er Regisseur und zeigt das in seiner gelun­genen, frischen, entstaubten Inter­pre­tation. Geprägt von der langge­streckten Schälen-Bühne, teilt er geschickt das Geschehen auf. Zentral ziehen zwei weiße recht­eckige Platt­formen im ungeraden Winkel die Aufmerk­samkeit an. Zuerst noch als Leinwand für die einge­spielten Videos der Aida-Aufführung von 1921 genutzt, entpuppt sich die Idee des Regis­seurs, sobald Ramfis ein Notebook öffnet und scheinbar mit Altägyp­ti­schen Hiero­glyphen spielt, die auf die weiße Leinwand übertragen werden. Also schauen die Zuschauer auf ein aufge­klapptes Notebook, und das Geschehen wird wie in einem Zeichen­trickfilm der Pop-Art mit realen Darstellern gezeigt. Nubier und Ägypter zeigen sich in kämpfe­ri­scher Position, tiefblau fließt der Nil über die Bühne, dicht zeigt sich das Gestrüpp an seinen Ufern. Diese visuellen Effekte sind ästhe­tisch und effektvoll, die Perso­nen­regie ist ausge­klügelt auf die Aufstellung und Bewegung wie im Schach ausgelegt.

Foto © Sferisterio

Kunstvoll und schlicht sind die Kostüme von Silvia Aymonino entworfen. Weiß dominiert die Kostüme der Ägypter mit geome­tri­schem, schwarzem Muster in der Innen­seite, schwarz mit einem weißen Streifen sind die Kleider der Nubier. So entwi­ckelt sich das Geschehen klar und ohne Schnörkel. Der vielge­plagte Triumph­marsch ist ein martia­li­sches Ballett von Tänzern im Kostüm vom Krieg der Sterne. Das ägyptische Volk verfolgt das Geschehen auf kleinen Flach­bild­schirmen, jeder für sich. Erwar­tungs­gemäß schließt sich das Notebook nahezu über dem sterbenden Liebespaar. Eine Gestaltung des heißver­ehrten Werks Verdis, die Gefallen beim Publikum findet.

Ebenso die Sänger. Allen voran Stefano La Colla, der mit seiner breit angelegten Stimme als Radames wahrlich überzeugt. Kräftig und trans­parent, sicher in der Modulation und dann wieder lyrisch melodiös trifft er alle Facetten seiner Rolle. Liana Aleksanyan ist eine souveräne Aida mit einem hellen, klaren Klang, der etwas mehr Fülle im Ausdruck haben könnte. Dramatik und Kraft, eine breite Stimm­führung in allen Lagen besitzt der Mezzo von Anna Maria Chiuri als Amneris. Cristian Saitta ist ein sicherer, präsenter König. Giacomo Prestia begleitet den Abend als zentrale Figur des Abends, sonor wie ein Sprecher, ein Erzähler angelegt. Stefano Meo fehlt als Amonasro die Mächtigkeit und Dramatik.

Im Orches­ter­graben setzt Riccardo Frizza maßvoll Akzente, lässt die Musiker roman­tisch breit aufspielen und die Bläser zackig militä­risch intonieren. So verbinden sich Partitur und Libretto zu einem sinnvollen und harmo­ni­schen Gesamt­ein­druck in einer nüchternen, klug angelegten Inszenierung.

Helmut Pitsch

Teilen Sie O-Ton mit anderen: